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28.10.2009
 

Digitales Fernsehen

Privatsender planen Pay-TV durch die Hintertür

Von Ole Reißmann

Digitale Programmvielfalt: Hochaufgelöstes Fernsehen kostet GeldZur Großansicht
Corbis

Digitale Programmvielfalt: Hochaufgelöstes Fernsehen kostet Geld

Die Kommerzsender arbeiten an einer Gebührenrevolution. Sie wollen bezahlt werden - von Kunden und von Netzbetreibern, denn Werbung bringt zu wenig Geld. Hochauflösendes Programm und digitale Angebote sollen die Wende zum Pay-TV bringen.

Hamburg - Die Zuschauer sollen endlich zahlen. Denn allein mit Werbung können die privaten Fernsehsender ihr Programm nicht länger finanzieren, die Einnahmen brechen weg. "Wir müssen vom Werbemarkt unabhängiger werden", hat ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling deswegen angekündigt. Mit Bezahlfernsehen und Inhalten auf Abruf will er direkt an die Endkunden heran und bis zum Jahr 2014 ein Drittel der Einnahmen unabhängig von Werbung erzielen, sagte er dem "Handelsblatt".

Der Vorschlag klingt zunächst verwegen, waren die Versuche, deutsche Fernsehzuschauer zur Kasse zu bitten, doch bisher wenig erfolgreich. Seit Jahren schreibt der Bezahlsender Premiere, der mittlerweile in Sky umbenannt wurde, rote Zahlen, weil einfach nicht genug Menschen bereit sind, für Sport und Kinofilme jeden Monat tief in die Tasche zu greifen. Zu groß ist bisher das Programmangebot von gebührenfinanzierten und privaten Sendern, das sich ganz ohne zusätzliche Kosten ansehen lässt.

Bisher zahlen die privaten Sender sogar drauf. Damit ihre Inhalte den Weg über Kabel und Antenne zum Zuschauer finden, verlangen die Netzbetreiber eine Gebühr. Zwar ist klar: Niemand denkt mehr ernsthaft darüber nach, heute frei empfangbare Sender wie Sat.1 künftig zu verschlüsseln und kostenpflichtig zu machen. Doch das herkömmliche Modell soll sich in der neuen, digitalen Welt grundsätzlich ändern. Die technischen Plattformen sollen dafür bezahlen, dass sie ihren Kunden ProSieben und Co. anbieten dürfen - damit kommt das Pay-TV durch die Hintertür.

Internet-Fernsehen bringt zusätzliche Einnahmen

Eine dieser Plattformen betreibt die Telekom. Sie bietet digitales Fernsehen übers Internet an - diverse Fernsehsender können gegen eine monatliche Gebühr empfangen werden, Fußballspiele gibt es obendrein, alles mit praktischer Pausetaste. Nach anfänglichen Schwierigkeiten nutzen mittlerweile rund 800.000 Kunden das Angebot. Das zeigt: Trotz Free-TV wird das Online-Fernsehen durch neue technische Funktionen und der Bündelung mit Internet und Telefon zunehmend attraktiver.

Tatsächlich wird mit der Abo-Gebühr für das "Entertain"-Angebot der Telekom für RTL, ProSieben und Co. gleich mitbezahlt: Der Konzern muss deren Programm einkaufen, um es seinen Kunden zur Verfügung zu stellen. Endlich bekommen die Privaten Geld für ihre teuer eingekauften und meist weniger teuer selbst produzierten Inhalte und müssen sich nicht nur auf die Werbung verlassen. Völlig zu Recht, wie sie finden: "Schließlich profitieren die Plattformen von den Sendern, da ist es nur fair, wenn diese mitverdienen", sagt Hartmut Schultz vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien.

Im Internet treten die werbefinanzierten Sender auch direkt an ihre Kunden heran - und stellen ein kostenpflichtiges Archiv "on demand" bereit. Bezahlt wird bei RTL Now und Maxdome (ProSieben, Sat.1, Kabel 1) entweder eine Abo-Gebühr oder pro einzeln abgerufener Sendung. Einmal "Atze Schröder" kostet 99 Cent, eine "Popstars"-Folge 1,49 Euro. "Wir wollen über alle Plattformen verfügbar sein, wenn möglich gegen Bezahlung", sagt ProSiebenSat.1-Sprecher Julian Geist.

HD-Fernsehen soll Geld bringen

Auch hochauflösendes Fernsehen (HDTV) soll den Privaten zusätzliche Erlöse bescheren. Bereits 17 Millionen Fernsehgeräte in Deutschland sind für das neue Fernsehformat bereit, bisher fehlen Fernsehsender, wie es sie in den USA längst gibt. Während ARD und ZDF im nächsten Jahr mit etlichen Millionen Euro Gebührengeldern ausgestattet starten, wollen sich die Privaten ihre HD-Investitionen bezahlen lassen.

Der Satellitenbetreiber Astra bietet das neue HD-Fernsehen in Deutschland an, RTL und Vox machen im November den Anfang, ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 folgen im kommenden Jahr. Um die Sender in HD-Qualität über Astra zu empfangen, muss allerdings ein spezieller Satellitenreceiver und eine Entschlüsselungskarte her. Im ersten Jahr ist die Entschlüsselung der codierten HD-Sender noch kostenlos, danach beträgt die Gebühr 50 Euro im Jahr - darin enthalten ist auch ein Betrag, den der Plattformbetreiber an die Sender weiterreicht.

Bereits jetzt kommen rund 15 Prozent der Erlöse bei ProSiebenSat.1 nicht aus Fernsehwerbung. Die Verdoppelung des Anteils in den nächsten fünf Jahren auf 30 Prozent ist zwar keine plötzliche Pay-TV-Revolution. Aber langfristig werden die Zuschauer zahlen - ob für digitale Zusatzkanäle, höhere Auflösung, einzelne Sendungen oder praktische Paketangebote.

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insgesamt 829 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.04.2010 von matzer01: hulu.com

Sobald es ein deutsches hulu.com gibt, brauchen wir kein Sky/Pro7Sat1 mehr ... mehr...

08.01.2010 von dasbertl:

NIcht einmal Premiere/Sky ist "Werbefrei", es wird nur auf Werbeunterbrechungen verzichtet. Bei Sportveranstaltungen nutzt man zum Werbesenden auch gern die Halbzeitpause aus, anstatt vernünftige [...] mehr...

05.01.2010 von Kitkat01: Noch was zahlen?? Nö

In Zeiten sinkender Löhne werden sicherlich immer weniger Menschen bereit sein für ein alltagsprodukt wie Fernsehen zu bezahlen. Vielleicht für Sport oder sonstige Extraevents, aber nicht für alltags tv. Kann man sich ja alles [...] mehr...

05.01.2010 von RogueFive: Wertfrei

Ich hatte den Begriff 'Qualität" wertfrei benutzt ... auch fehlende Qualität kann man als solche bezeichnen ... ;-) mehr...

05.01.2010 von Medienkritiker: wieviel zahlen?

mhhh, 5 Euronen würde ich freiwillig blechen. Allerdings nur wenn endlich die Gebühr der blutsaugenden GEZ-Mafia abgeschafft werden würde... mehr...

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HDTV: Hochauflösendes Abkürzungswirrwarr

HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').





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