Washington - Nach einem Jahr in der Rezession ist die US-Wirtschaft erstmals wieder gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt der größten Wirtschaftsnation der Welt legte auf Jahresbasis umgerechnet im dritten Quartal um 3,5 Prozent zu, wie das US-Handelsministerium am Donnerstag in Washington unter Berufung auf eine erste Schätzung mitteilte. Zuvor war die US-Wirtschaft vier Quartale in Folge geschrumpft.
Das Wirtschaftswachstum, das über den im Vorfeld geäußerten Erwartungen der Analysten lag, wurde vor allem durch ein Anziehen des privaten Konsums unterstützt. Es war zudem das größte Wachstum in einem Dreimonatszeitraum seit dem dritten Quartal 2007. Damals hatte mit dem Absturz der US-Immobilienpreise die Finanzkrise begonnen, die sich in der Folge zur größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg auswuchs.
Die US-Regierung hatte mit verschiedenen Programmen, darunter einer Abwrackprämie, die Konjunktur angekurbelt. Auch der Häusermarkt kam dank Steuererleichterungen wieder in Schwung. Die Ausgaben der US-Bürger für Immobilienprojekte stiegen im Jahresvergleich um 23,4 Prozent.
"Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ist ein erfreuliches Zeigen dafür, dass die US-Wirtschaft sich in die richtige Richtung entwickelt", sagte Chef-Wirtschaftsberaterin des US-Präsidenten, Christina Romer. Dieser wichtige Meilenstein sei aber nur ein weiterer Zwischenschritt. "Wir werden noch einen weiten Weg vor uns haben, bis die Wirtschaft sich vollkommen erholt hat", sagte Romer. Damit die Arbeitslosigkeit nennenswert zurückgehe, werde ein anhaltendes, robustes Wachstum gebraucht.
Die Landesbank Hessen-Thüringen geht von einem weiteren Wachstum der US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen aus. "Weiterhin liegen die Frühindikatoren im expansiven Bereich, und fiskalische Impulse sowie ein Lageraufbau dürften das Wachstum tragen", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Kommentar der Helaba. Der BIP-Zuwachs werde in den kommenden Quartalen wohl unter dem Wert des dritten Quartals bleiben.
Auch die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe ist leicht gesunken. Im Berichtszeitraum seien die Anträge von 531.000 in der Vorwoche auf jetzt 530.000 zurückgegangen, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Das ist etwas weniger als erwartet: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten mit 521.000 Erstanträgen gerechnet.
Angesichts der guten Konjunkturmeldungen dürften die US-Börsen am Donnerstag einen Teil ihrer Mitte der Woche erlittenen Verluste wieder wettmachen. Händler verwiesen als Antrieb vor allem auf überraschend gute Konjunkturdaten. Die Aussicht auf eine weitere Erholung der Weltwirtschaft hat Anleger auch bei Rohstoffen zugreifen lassen. Analysten zufolge steigen die Aussichten auf eine stärkere Nachfrage nach Öl und Industriemetallen.
ore/AFP/dpa/dpa-AFX/AP/Reuters
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