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30.10.2009
 

Wüstenstrom-Initiative

Industrie gründet Desertec-Unternehmen

Solarkraftwerk der Solar Millennium AG: Wirkungsvolle Maßnahmen zum KlimaschutzZur Großansicht
ddp

Solarkraftwerk der Solar Millennium AG: Wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz

Jetzt geht's los: Zwölf Konzerne aus der Energie- und Finanzbranche und eine gemeinnützige Stiftung haben in München die "Desertec Industrial Initiative" gegründet - eine GmbH, die gewaltige Solarstrom-Projekte in Nordafrika ermöglichen soll.

München - Es ist die Crème de la crème der deutschen Wirtschaft, die an diesem Freitag in München zusammenkam: Deutsche Bank Chart zeigen, Siemens Chart zeigen, Münchener Rück Chart zeigen, E.on Chart zeigen, RWE Chart zeigen und weitere Konzerne haben die GmbH "Desertec Industrial Initiative" (DII) gegründet. Das Ziel des neuen Unternehmens ist extrem hoch gesteckt - es soll gigantische Mengen Solarstrom in der Sahara produzieren.

Insgesamt beteiligen sich zwölf Unternehmen und die Desertec-Stiftung an dem Projekt. Mit der Gründung der DII wurde nun eine Grundsatzvereinbarung aus dem Juli umgesetzt.

Die DII soll analysieren, wie Europa mit klimafreundlichem Solarstrom aus den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens versorgt werden kann. Langfristig sollen so 15 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Erste Kraftwerke könnten bereits 2015 gebaut werden.

Die nötigen Investitionen für das Gesamtprojekt werden auf rund 400 Milliarden Euro bis 2050 geschätzt. Die jetzt gegründete DII soll die Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Aus einer Vision wird Wirklichkeit

Laut einer Mitteilung der Münchener Rück soll das Desertec-Projekt zügig verwirklicht werden. Langfristig sollen die Wüstenstromkraftwerke einen "erheblichen Anteil" des Strombedarfs in Nordafrika und bis zu 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Alle Gesellschafter seien sich einig, dass wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz nötig seien, sagte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied des weltgrößten Rückversicherers der Munich Re.

"Vor dem Hintergrund des bedeutenden Uno-Klimagipfels in Kopenhagen zeigt unsere Industrie-Initiative, wie Geschäftspotentiale für Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen vereinbar sind." In der dänischen Hauptstadt soll im Dezember ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Klimaprotokoll beschlossen werden.

Geschäftsführer der DII wird der niederländische Energiemanager Paul van Son. Er arbeitete zuvor bei Unternehmen, die sich in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz einen Namen gemacht haben. "Wir sehen in der Desertec-Vision einen ganz entscheidenden Baustein für eine nachhaltige Energieversorgung in den MENA-Staaten (Naher Osten und Nordafrika) und Europa. Jetzt ist Zeit, aus dieser Vision Wirklichkeit werden zu lassen", sagte van Son.

Schwarz-Gelb unterstützt das Projekt

Die Planungsgesellschaft soll laut van Son zunächst wirtschaftliche, technische und gesetzliche Rahmenbedingungen zum Bau von Wüstenkraftwerken und grenzüberschreitenden Stromleitungen analysieren. Außerdem sollen mittels "früher Referenzprojekte" Erkenntnisse für den Ausbau des Projekts im großen Maßstab gesammelt werden. In drei Jahren soll dann ein fertiges Konzept mit möglichen Standorten und den benötigten Investitionssummen vorliegen.

Über die zwölf Gründungsgesellschafter hinaus werden weitere drei bis fünf Unternehmen aus verschiedenen Ländern vermutlich noch dieses Jahr als Gesellschafter oder Partner beitreten, hieß es.

Die neue schwarz-gelbe Koalition hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag für das Desertec-Projekt ausgesprochen. Kritiker sehen in dem groß angelegten Bau von solarthermischen Kraftwerken in der Sahara allerdings die Gefahr, dass der Aufbau einer eigenen, dezentralen Versorgung mit erneuerbaren Energien in Deutschland behindert wird. Außerdem wenden sie sich gegen eine mögliche Ausbeutung unterentwickelter Länder in Form eines "Solar-Kolonialismus".

wal/ddp/AP

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Desertec - Das Wüstenstrom-Projekt

Die Idee

Mit dem Großprojekt Desertec will ein Konsortium aus Finanz-, Industrie- und Energiekonzernen Solarstrom aus der Wüste nach Europa bringen. Bis 2050 sollen so rund 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs umweltfreundlich mit Hilfe der Wüstensonne gedeckt werden. Die Kosten dafür werden auf rund 400 Milliarden Euro geschätzt. Gewonnen werden soll die Energie dabei durch Solarthermie.

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