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04.11.2009
 

Autoexperte

"Es ist ein Segen, dass der Opel-Deal geplatzt ist"

Verhandlungsodyssee: Der lange Kampf um Opel
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Reuters

Die Opel-Arbeiter bangen jetzt um ihren Job - trotzdem ist das Scheitern des Verkaufs an Magna eine gute Nachricht, findet Autoexperte Wolfgang Meinig. Im Interview spricht er über den missglückten Deal, wieso auch der Mutterkonzern GM keine gute Zukunft garantiert und was das Beste für den Autobauer wäre.

SPIEGEL ONLINE: Das Drama um Opel beschäftigt die Republik schon monatelang - jetzt ist der Verkauf der GM-Tochter an ein Bündnis aus Magna, der russischen Sberbank und dem russischen Autohersteller Gaz spektakulär geplatzt. Was sehen Sie als den Hauptgrund dafür?

Meinig: Die unvereinbaren Positionen von Verkäufer und Käufer. Die Beteiligung der Opel-Mitarbeiter am Unternehmen passte vielen im GM-Verwaltungsrat nicht, genauso der Transfer europäischer Technologie in den maroden russischen Automarkt. Es war klar, dass der Deal jederzeit kippen kann ...

SPIEGEL ONLINE: ... trotzdem war der Verkaufsvertrag schon unterschriftsreif.

Meinig: Der Vertrag zeigt doch nur die Unüberbrückbarkeit der Positionen. Er ist mehr als tausend Seiten dick. Zum Vergleich: Der Einigungsvertrag der Bundesrepublik Deutschland mit der DDR hat 378 Seiten. Und in dem wird die Zusammenführung von zwei sehr unterschiedlichen Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen geregelt. Dass der Verkauf einer Autofirma zweieinhalbmal so viel Platz braucht, ist absurd. GM und Magna hatten sich nie wirklich geeinigt.

SPIEGEL ONLINE: Mal angenommen, GM hätte Opel doch an Magna verkauft - wäre der Streit dann nicht beendet gewesen?

Meinig: Keinesfalls. GM wäre ja an dem neuen Unternehmen beteiligt gewesen. So, wie er schriftlich fixiert wurde, hätte dieser Vertrag nur Chaos verursacht. In den kommenden Jahren hätten Dutzende rechtliche Probleme gedroht. Es ist ein Segen, dass der Deal geplatzt ist.

SPIEGEL ONLINE: Die Mitarbeiter dürften das anders sehen. Was haben sie zu erwarten?

Meinig: Die Belegschaft steht vor harten Einschnitten. Der politische Widerstand gegen einen Jobabbau dürfte wesentlich geringer sein als noch vor der Wahl. Im Grundsatz ist es gut, dass ein strukturell kaum wettbewerbsfähiges Unternehmen nicht länger mit Steuergeldern durchgebracht wird, für die Mitarbeiter allerdings bedeutet das: Schlimmstenfalls werden ganze Werke wegrationalisiert.

SPIEGEL ONLINE: Vieles hängt davon ab, was General Motors strategisch mit Opel plant. Was, glauben Sie, haben die Amerikaner vor?

Meinig: Ich sehe kein klares Konzept. Schlimmer noch: Es gibt nicht mal Hinweise dafür, dass sich die Konzernleitung in Detroit überhaupt in die Mentalität europäischer Kunden hineinversetzen kann. Auf einer Presseveranstaltung in Genf konnte das Management noch nicht einmal eine Einschätzung darüber geben, wie der typische Opel-Käufer aussieht.

SPIEGEL ONLINE: Hat GM die Kraft, um den Strukturwandel in der Autobranche zu überstehen?

Meinig: Ich bin skeptisch. Der Konzern saniert sich nicht radikal genug. Die Produktion von Spritfressern wird zu wenig reduziert, die Zusammenarbeit mit den Zulieferern nicht konsequent genug gestrafft. Der Mentalitätswandel im Konzern steht erst noch bevor. General Motors feiert gerade ein Absatzplus, das weitgehend auf die US-Abwrackprämie zurückzuführen ist - aber 2010 dürften die Absätze wieder einbrechen. Wenn GM nicht schnell nachhaltige Geschäftskonzepte entwickelt, steht der Konzern 2011 vor der nächsten Insolvenz.

SPIEGEL ONLINE: Die jüngste Insolvenz scheint GM gut verdaut zu haben - Konzernchef Fritz Henderson hat schriftlich zugesichert, den Milliardenkredit der deutschen Regierung bald zurückzuzahlen ...

Meinig: ... und im selben Atemzug um Kredit für die Modernisierung Opels gebeten. Die Kosten dafür hat er auf drei Milliarden Euro beziffert. Die Amerikaner werden in den kommenden Wochen einen neuen Versuch unternehmen, die Bundesregierung und die Länderchefs auszuquetschen.

SPIEGEL ONLINE: Der Magna-Deal zu sperrig, der Verbleib bei General Motors problematisch - wenn beides nicht Ihre Zustimmung findet, was hielten Sie denn dann für das Beste für Opel?

Meinig: Entweder bedingungslose Selbständigkeit für Opel oder eine geordnete Insolvenz. Nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Das Interview führte Stefan Schultz

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Die neuesten Beiträge:
29.01.2010 von quibus48: Nur einige Hundert?

Den belgischen Medien zufolge waren es an die 30.000 Demonstranten, die heute in Brüssel für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Strasse gingen. Da sieht das Bild schon ein wenig anders aus... mehr...

19.01.2010 von japan10:

So ticken halt Amerikaner. Alles toll, alles super, aber keine Entscheidungen. GM ist das Beispiel für Größenwahn. Jetzt will GM noch Mrd-Zuschüsse für Opel. Wie wird wohl der Überflussminister der FDP wohl darauf antworten. [...] mehr...

19.01.2010 von Rainer Daeschler:

Zitat von Rainer Daeschler Genau das passiert im Prinzip, nur eben auf GMs Kosten, statt die des Steuerzahlers. Ich sprach ja auch nicht von der üblichen Grundversorgung von Automobilunternehmen in Deutschland durch die [...] mehr...

19.01.2010 von caheid: ..

Ach so, und ich hab gedacht die Abwrackpraemie, Harz4 und Kurzarbeit das bezahlt der der Steuerzahler. Aber wenn ja nun GM die Ueberkapazitaeten bezahlt, dann koennen wir ja weitermachen wie bisher. mehr...

18.01.2010 von Kampfbuckler: Nach dem Qualitätseinbruch

verursacht durch den Spinner Lopez vom Opus dei,dessen Mitarbeiter die Uhr am rechten Arm tragen MUSSTEN, hat Opel noch nicht zurückgefunden zur Anerkennung als solide Qualitätsmarke.Das ist auch berechtigt nach meinen [...] mehr...

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Wolfgang Meinig ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Automobilwirtschaft, an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. 1989 gründete er die Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW), die den Markt der Fahrzeughersteller und Zulieferer sowie die Zufriedenheit der Autokunden analysiert. Finanziert wird die FAW über einen Trägerverein, 85 Prozent der Forschungsgelder steuern Unternehmen bei.

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