Montag, 23. November 2009

Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
04.11.2009
 

GM-Europa-Chef

Forster erwartet harte Opel-Sanierung

GM-Europachef Foster: Kritik an der GM-Führung in Detroit
Zur Großansicht
ddp

GM-Europachef Foster: Kritik an der GM-Führung in Detroit

GMs Kehrtwende bei Opel überrascht nicht nur Mitarbeiter und die Bundesregierung. Auch Europa-Chef Forster zeigt sich verwundert - und warnt vor einem harten Sanierungskurs. Die Amerikaner wollen nach eigenen Angaben rund 10.000 Jobs streichen.

Frankfurt am Main - GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster erwartet massive Einschnitte bei Opel, nachdem der US-Autokonzern die Rüsselsheimer Tochter überraschend selbst sanieren will. Der "Bild"-Zeitung sagte der Manager: "Wir hatten einen guten Sanierungsplan ausgehandelt, der auf dem Tisch lag und fertig war. Jetzt besteht die Gefahr, dass die vernünftige Verteilung der Lasten wieder aufgeschnürt wird und alles von vorne beginnt. Sicher ist: Es wird auch bei dieser Lösung massive Einschnitte geben."

In einer Telefonkonferenz mit Journalisten hatte GM-Vize John Smith am Mittwochabend erste Eckdaten zu den Sanierungsplänen beschrieben. Danach stehen 10.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Der Plan von GM unterscheide sich in dieser Hinsicht nicht wesentlich von den Magna-Plänen, sagte Smith. Er kündigte die Vorlage eines Sanierungsplans für Opel zum Ende des ersten Quartals 2010 an. Für das Werk in Bochum gebe es interessante Optionen, das Werk in Antwerpen werde wohl geschlossen.

Er hoffe, dass die Gewerkschaften und die Regierungen mit Opel-Standorten den Plan akzeptieren könnten, fügte Smith hinzu. Die Gespräche mit Betriebsräten und Regierungen sollen in Kürze beginnen. GM werde außerdem die in Anspruch genommenen 900 Millionen Euro vom Brückenkredit an die deutsche Bundesregierung zurückzahlen.


Auch Forster hat der GM-Entschluss überrascht: "Wir haben mit dieser Entscheidung nicht gerechnet", sagte der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende dem Blatt. "Wir müssen schnellstens mit der Konzernmutter Verhandlungen aufnehmen und alle offenen Fragen klären." Das werde sicherlich einige Zeit dauern.

Zu seiner persönlichen Zukunft bei Opel habe sich Forster sehr zurückhaltend geäußert: "Da muss ich jetzt erst einmal in Ruhe ein paar Nächte drüber schlafen. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich die Magna-Lösung für gut gehalten haben. Ich werde in Ruhe nachdenken."

Für den österreichisch-kanadischen Autozulieferer hatte die Absage durch GM indes auch eine positive Wirkung. Die Aktien Chart zeigen des Unternehmens legten am Mittwoch nach der Absage des Opel-Verkaufs kräftig zu. An der Börse Toronto gewann ihr Wert im Handelsverlauf um 7,4 Prozent auf 3,17 kanadische Dollar.

Das Scheitern des Geschäfts könnte sich für Magna positiv auswirken, sagte ein Großaktionär des Autozulieferers, der namentlich nicht genannt werden wollte. In der Vergangenheit habe es wegen des geplanten Kaufs des Rüsselsheimer Autobauers eine negative Stimmung unter den Investoren gegeben. Die Absage könnte die Stimmung nun wieder etwas aufhellen. Ein Investor sagte, der Markt habe Angst gehabt, dass Magna bei einer Übernahme Geld verloren hätte. Das kanadische Unternehmen könne sich nun wieder darauf konzentrieren, seinen Marktanteil im Autozuliefererbereich auszubauen.

General Motors hatte am Dienstagabend nach monatelangen Verhandlungen völlig überraschend den Verkauf von Opel an Magna platzen lassen. Der US-Konzern will sein Europa-Geschäft nun in Eigenregie sanieren.

mik/Reuters/AFP

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu...

DAS LANGE RINGEN UM OPEL

Wie alles begann

14. November 2008: Opel beklagt infolge der Finanzkrise massive Verluste und bittet als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen, nach Unternehmensangaben geht es um "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
17. Februar 2009: Auch General Motors leidet und plant einen Jobkahlschlag. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern will 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA, viele in Deutschland.
27. Februar: Opel beschließt, sich weitgehend von GM abkoppeln zu wollen. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.
2. März: Opel-Manager legen der Bundesregierung einen Rettungsplan vor.
31. März: Kanzlerin Merkel stellt Unterstützung in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg.

Dreikampf um Opel

GM denkt um


PDF-Download

PDF-Download


Zitate zum Opel-Beschluss

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil


OPEL-STANDORTE

Eisenach

Das jüngste Opel-Werk wurde 1992 im westlichen Thüringen eröffnet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem kleinen Corsa. Insgesamt bietet der Autobauer in Eisenach rund 1800 Menschen Arbeit.

Rüsselsheim

Bochum

Kaiserslautern

Europa







Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern