Rettungfonds
Hypo Real Estate erhält weitere Milliardenspritze
ddp
HRE-Zentrale in München: Mehr Geld aus dem Rettungsfonds
Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate kann mit weiteren drei Milliarden Euro aus dem Bankenrettungsfonds rechnen. Außerdem werden bestehende Liquiditätsgarantien verlängert. Eine Genehmigung durch die EU-Kommission steht noch aus.
München - Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) unterstützt die krisengeschüttelte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) mit weiteren Milliardensummen. Der Lenkungsausschuss habe entschieden, der Bank eine zusätzliche Tranche von drei Milliarden Euro zu gewähren, teilte der Fonds am Mittwoch mit. Außerdem beschloss der Ausschuss, bis zum 18. November 2009 befristete Liquiditätsgarantien von 52 Milliarden Euro bis zum 30. Juni 2010 zu verlängern. Eine Genehmigung der EU-Kommission werde in den kommenden Tagen erwartet. Der Bund hält über den Bankenrettungsfonds SoFFin 100 Prozent an der HRE.
Die Unterstützung, die die HRE insgesamt vom Bund erhält, werde im Rahmen des laufenden Beihilfeverfahrens von der EU-Kommission überprüft. Die 3,0 Milliarden Euro gehen an die HRE Holding und die Deutsche Pfandbriefbank als Kerngeschäft der HRE.
Die HRE war vor einem Jahr im Zuge der Finanzkrise in Schieflage geraten und nur mit staatlichen Hilfen vor der Pleite bewahrt worden. Insgesamt hat die Bank Finanzhilfen von mehr als 100 Milliarden Euro erhalten.
jok/dpa
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IMMOBILIENBANK IN NOT
Die Hypo Real Estate ist ein vergleichsweise junges Unternehmen. Sie ist erst
im Jahr 2003 entstanden, als die HypoVereinsbank ihr gewerbliches
Immobilienfinanzierungsgeschäft abgespaltet hat.
Im Oktober 2003 ging die Hypo Real Estate an die Börse und schaffte es dort gut zwei Jahre später in den Dax. Mittlerweile ist das Unternehmen aber in den MDax abgestiegen. Der Konzern beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter, davon knapp 900 in Deutschland.
Unter dem Dach der Hypo Real Estate Holding AG tummeln sich
mehrere Banken. Das Geschäft ist in drei Bereiche gegliedert. Die
Sparte Commercial Real Estate Finance bietet die Finanzierung
gewerblicher Immobilien wie Bürogebäude oder Hotels an. Der Bereich
Public Sector & Infrastructure Finance konzentriert sich auf
Infrastrukturprojekte wie die Finanzierung von Straßen,
Krankenhäusern oder Eisenbahnen. Das vergleichsweise kleine Segment
Capital Markets & Asset Management schließlich widmet sich den
Kapitalmärkten und der Vermögensverwaltung. Der Schwerpunkt der
Aktivitäten liegt auf Europa.
Von sich reden machte die Hypo Real Estate erstmals im vergangenen
Sommer, als sie die in Irland angesiedelte Depfa Bank für 5,7
Milliarden Euro schluckte. Durch die Übernahme der Depfa wollten die
Münchner Zugang zu staatlichen Projekten bekommen, auf die die Depfa weltweit spezialisiert ist. Im Visier waren unter anderem die
Finanzierung großer Projekte wie Bürogebäude, Flughäfen, Brücken oder
Kliniken. Angesichts klammer Kassen bei Bund, Ländern und Gemeinden
galt dies als vielversprechendes Geschäftsmodell.
Zuletzt aber ging es mit dem Unternehmen steil bergab: Im
vergangenen Jahr fiel der Vorsteuergewinn vor allem wegen der
Finanzkrise und der Übernahme der Depfa auf vergleichbarer Basis von
1,06 Milliarden Euro auf 862 Millionen Euro. Unterm Strich ging das
Ergebnis von 542 auf 457 Millionen Euro zurück. Die operativen
Erträge sanken von 1,84 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,46
Milliarden Euro.
Auch der Aktienkurs litt unter den Problemen. Nach gut 57 Euro im
Jahr 2006 stand das Papier zuletzt bei knapp 13,50 Euro. Im Frühjahr
nutzte der US-Investor Christopher Flowers über seine J.C. Flowers
die Gunst der Stunde und stieg bei Hypo Real Estate ein. Zuletzt
hielt er gut 24 Prozent an HRE. Daher vor kurzem auch der
Rauswurf aus der ersten Börsenliga.