Sonntag, 22. November 2009

Wirtschaft



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06.11.2009
 

Statistisches Bundesamt

Zahl der Firmenpleiten steigt dramatisch

Geschäft in Berlin: Zahl der Insolvenzen gestiegen
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AP

Geschäft in Berlin: Zahl der Insolvenzen gestiegen

Die Wirtschaftskrise treibt immer mehr Unternehmen in Deutschland in den Bankrott. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts haben die Insolvenzen im Sommer neue Rekordhöhen erreicht. Auch gesunde Unternehmen sind betroffen - weil die Banken bei der Kreditvergabe vorsichtig geworden sind.

Wiesbaden - Deutschlands Firmen bekommen die Krise mit voller Wucht zu spüren. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen weiter in die Höhe geschnellt. Im August stieg die Zahl der Firmenpleiten noch drastischer als im Juli. Gegenüber dem Vorjahresmonat registrierten die Ämter ein Plus von 12,3 Prozent auf 2619 Fälle. Die mit den Insolvenzen zusammenhängenden offenen Forderungen der Gläubiger verdoppelten sich fast auf 4,3 Milliarden Euro.

Trotz der leichten Erholung der Wirtschaft erwarten Konjunkturexperten in den kommenden Monaten einen weiteren Anstieg der Pleiten. Insolvenzverwalter wie der Verband VID warnen davor, dass eine große Zahl eigentlich gesunder Unternehmen Insolvenz anmelden müsse. Der Verband kritisiert die Kreditvergabe der Banken als zu vorsichtig.

"Die zahlreichen Firmenpleiten werden die Arbeitslosigkeit nach oben schnellen lassen. Wir erwarten im nächsten Jahr einen Höchststand von 4,25 Millionen Arbeitslosen", schrieb der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees.

Mehr Mittelständler und Gastronomen betroffen

Für die ersten acht Monate des Jahres ergibt sich ein ähnliches düsteres Bild. In diesem Zeitraum kletterten die Firmenpleiten um 15,5 Prozent auf 21.807 Insolvenzen. Die Verbraucherinsolvenzen gingen dagegen um 1,1 Prozent auf 65.710 Fälle zurück. Insgesamt registrierten die deutschen Amtsgerichte in diesem Zeitraum 106.907 Insolvenzen. Für den Vergleich wurden die Daten aus 15 Bundesländern ausgewertet, weil Nordrhein-Westfalen im ersten Quartal 2008 Insolvenzen des Jahres 2007 nachgemeldet hatte und die Zahlen daher nicht vergleichbar sind.

Insgesamt hat sich auch die Klientel der Gerichtsvollzieher geändert. "Wir haben es mit einer neuen Art von Schuldnern zu tun", sagte Rüdiger Majewski, Vorsitzender des Deutschen Gerichtsvollzieher Bundes (DGVB), am Freitag in Heidelberg. "Inzwischen sind längst nicht mehr hauptsächlich Arbeitslose von der Zwangsvollstreckung betroffen. Neben Verbrauchern trifft es zunehmend Mittelständler oder Gastronomen." Diese gerieten oft durch die zähe Vergabe von Krediten in Zahlungsschwierigkeiten. Angesichts der neuen Situation sei die Sozialverträglichkeit bei einer Zwangsvollstreckung umso wichtiger, sagte der Verbandsvorsitzende.

Mehr Arbeitslose und Verbraucherinsolvenzen befürchtet

Bislang kamen die Verbraucher noch recht gut durch die Krise - doch das könnte sich bald ändern: Mit steigender Arbeitslosigkeit wächst nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform für viele Haushalte in den nächsten Monaten die Gefahr der Überschuldung. Die Experten gehen laut einer am Mittwoch vorgestellten Schätzung davon aus, dass 2010 rund 6,5 Millionen Verbraucher ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können. Dies wären 300.000 mehr als in diesem Jahr. Damit könnte fast jeder zehnte Bundesbürger über 18 Jahre in die Schuldenfalle geraten.

dpa/ap/fro

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