Samstag, 21. November 2009

Wirtschaft



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06.11.2009
 

Personalwechsel

Auto-Legende Lutz wird Opel-Chefaufseher

Von Dietmar Hawranek

REUTERS

General Motors will sein Europa-Geschäft unter die Kontrolle altgedienter Manager bringen. Bob Lutz soll nach SPIEGEL-Informationen Aufsichtsratschef von Opel werden. Die Entscheidung ist pikant: Der 77-Jährige war als Entwicklungschef für den Niedergang des US-Autoriesen mitverantwortlich.

Hamburg - In der Konzernzentrale von General Motors in Detroit werden die Weichen dafür gestellt, Opel unter die Kontrolle altbewährter Konzern-Schlachtrosse zu bringen. Bob Lutz soll nach Informationen des SPIEGEL als neuer Aufsichtsratschef die deutsche Tochtergesellschaft überwachen. Lutz' Benennung ist brisant. Der Manager wird von Opel-Managern dafür mitverantwortlich gemacht, dass sich die Marke in den vergangenen Jahren nicht weiterentwickeln konnte.

Der 77-Jährige hat eine lange Karriere in der Autoindustrie hinter sich, er war bereits bei BMW, Ford und Chrysler, als er 2001 im Alter von 69 Jahren zu General Motors kam. Anschließend war er jahrelang für die weltweite Produktentwicklung verantwortlich und damit für die erfolglose Modellpolitik von General Motors.

Der Manager verstand es aber, seine Beziehungen zu GM-Boss Fritz Henderson zu pflegen, der ihn, nachdem Lutz bereits einige Monate im Ruhestand war, wieder in die Führungsmannschaft von GM holte. Opel-Manager fürchten, Lutz werde jetzt alle internen Kritiker der US-Konzernzentrale in Europa absetzen und durch getreue GM-Manager ersetzen.

In Rüsselsheim dürfte Lutz' Benennung als mindestens ebenso großer Affront gewertet werden wie der Abgang von Europa-Chef Carl-Peter Forster, den General Motors inzwischen bestätigt hat. Für Forster will GM-Boss Fritz Henderson nach SPIEGEL-Informationen Nick Reilly nach Europa schicken.


Reilly soll - zumindest übergangsweise - Sanierungsbeauftragter werden. Bisher verantwortet er das Asien-Geschäft und die Marke Chevrolet. Experten beäugen Forsters Nachfolger mit Argwohn: Die Billig-Marke machte Opel in der Vergangenheit das Leben schwer, weil GM mit ihr in Wachstumsmärkte expandierte, während Opel zur europäischen Regionalmarke degradiert wurde.

Demant verliert Berichten zufolge Chefposten

Neben den Wechseln von Lutz und Reilly nach Europa stehen Berichten zufolge noch weitere Personalwechsel an der Opel-Spitze an - nach dem Verhandlungschaos droht dem Unternehmen nun eine Führungskrise. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa wird auch der bisherige Opel-Chef Hans Demant das Unternehmen nicht weiter führen.

Als Nachfolger für den Opel-Boss ist laut "Handelsblatt" noch immer Magna-Manager Herbert Demel im Gespräch. Der ehemalige Audi-Chef war bereits vor mehreren Tagen als neuer Opel-Boss im Gespräch, seinerzeit als potentieller Abgesandter des Zulieferers Magna International, der die Mehrheit von Opel übernehmen wollte. Die GM-Europa-Zentrale in Zürich lehnte einen Kommentar ab.

Wirtschaftsstaatssekretär Baganz wird Pfeil-Nachfolger

Ebenfalls gehen muss der Vertreter der Bundesländer in der Opel-Treuhand, Dirk Pfeil. Auch für ihn wird bereits ein Nachfolger gehandelt: der nordrhein-westfälische Wirtschaftsstaatssekretär Jens Baganz (CDU).

Grund dafür, dass die vier Bundesländer mit Opel-Standorten das FDP-Mitglied Pfeil abrufen, sei ein kompletter Vertrauensverlust, heißt es. Er habe sich abfällig über das Verhalten von Politikern in den Verhandlungen zum Opel-Verkauf geäußert. Er hatte in der Treuhand dem Opel-Verkauf an Magna und die russische Sberbank die Stimme verweigert und damit die Bundesländer brüskiert.

Zitate zum Opel-Beschluss

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Pfeil selbst sieht hinter seiner Ablösung Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) als Drahtzieher. "Er fühlt sich offenbar persönlich von meinen Äußerungen getroffen", sagte er der "Financial Times Deutschland". Koch hatte sich wiederholt für Magna starkgemacht.

Der fünfköpfige Beirat der Opel-Treuhand sollte bei der Rettung des Autoherstellers eine Schlüsselrolle spielen. Nun allerdings hat Pfeils Abberufung nur noch wenig praktische Bedeutung. Nachdem GM Opel behalten möchte, hat sich die vorrangige Aufgabe des Gremiums erledigt: die Verhandlungen mit möglichen Investoren zu überwachen.

Schäuble stellt Staatshilfe in Aussicht

GM selbst äußerst sich zu den bevorstehenden Personal-Wechseln nur indirekt. "Binnen Tagen oder Wochen" werde man ein neues Führungsteam für Opel und die britische Schwester Vauxhall zusammenstellen, sagte GM-Chef Fritz Henderson in Detroit.

Auch über das Ausmaß des geplanten Stellenabbaus wollte Henderson keine Angaben machen. "Alle Geschäftspläne der jüngsten Zeit, sei es unserer oder von Magna, sahen eine substantielle Reduzierung der Kapazitäten sowie der Belegschaft vor", sagte Henderson. GM-Vize John Smith hatte erklärt, der Konzern wolle rund zehntausend Stellen streichen, jeden fünften Arbeitsplatz in Europa. Das würde in etwa dem Magna-Konzept entsprechen. Die Kosten für die Sanierung bezifferte Henderson auf drei Milliarden Euro.


Immerhin kann GM bei der Sanierung von Opel durchaus auf staatliche Hilfe hoffen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten signalisieren, dass sie auch nach dem Scheitern des Opel-Magna-Deals die Beschäftigten nicht im Stich lassen wollen. Die Bundesregierung wolle aber zunächst das GM-Konzept abwarten, bevor sie weitere Maßnahmen erwägt. Dies sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans am Freitag in Berlin. Es gebe Anzeichen dafür, dass GM das Konzept in der kommenden Woche vorstellen könnte.

Im Wirtschaftsministerium wies man darauf hin, dass etwaige Hilfszusagen, die an den Erhalt von Standorten geknüpft sind, nach EU-Recht nicht zulässig sind.

Mit Material von AP und dpa

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DAS LANGE RINGEN UM OPEL

Wie alles begann

14. November 2008: Opel beklagt infolge der Finanzkrise massive Verluste und bittet als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen, nach Unternehmensangaben geht es um "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
17. Februar 2009: Auch General Motors leidet und plant einen Jobkahlschlag. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern will 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA, viele in Deutschland.
27. Februar: Opel beschließt, sich weitgehend von GM abkoppeln zu wollen. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.
2. März: Opel-Manager legen der Bundesregierung einen Rettungsplan vor.
31. März: Kanzlerin Merkel stellt Unterstützung in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg.

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