Sonntag, 22. November 2009

Wirtschaft



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08.11.2009
 

Umfrage

Mehrheit der Deutschen lehnt Opel-Staatshilfe ab

Opel-Werk in Bochum: Spannungen zwischen GM-Führung und deutschen Arbeitnehmern
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dpa

Opel-Werk in Bochum: Spannungen zwischen GM-Führung und deutschen Arbeitnehmern

Regierungspolitiker haben Opel staatlichen Beistand in Aussicht gestellt - doch die Deutschen sind dagegen. Zwei Drittel fordern einer Umfrage zufolge, dass sich Bund und Länder zurückhalten. Die Skepsis gegenüber GM ist groß, auch im Betriebsrat: Dieser verlangt einen Europäer als neuen Firmenchef.

Berlin - Das Personalchaos bei Opel ruft die Arbeitnehmervertreter auf den Plan. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Klaus Franz, fordert einen externen Nachfolger für den scheidenden General-Motors-Europa-Chef Carl-Peter Forster. Franz sagte der "Bild am Sonntag", der neue Chef müsse Europäer sein, "mit Teamgeist und Benzin im Blut". Außer Deutsch müsse er weitere Sprachen beherrschen.

Tatsächlich gibt es beim Opel-Mutterkonzern General Motors Überlegungen, einen Deutschen an die Spitze von GM Europe zu stellen. Das berichtete das "Wall Street Journal" am Samstag. Der Konzern schaue sich bevorzugt nach einem deutschen Manager für die Position um. Zur Begründung heißt es, mit einer solchen Lösung könnten nach dem geplatzten Opel-Verkauf an Magna die Spannungen zwischen GM und den deutschen Beschäftigten sowie der Bundesregierung entschärft werden. Der bisherige GM-Europachef Carl-Peter Forster, ein Freund des Opel-Magna-Deals, wird das Unternehmen verlassen.

Der entmachtete GM-Europe-Chef Forster war auch Opel-Aufsichtsratschef, weswegen jetzt der 77-jährige Lutz in dieser Position einspringen soll. Im "Wall Street Journal" heißt es jedoch, Lutz solle sich wieder zurückziehen, sobald ein neuer Spitzenmanager für die europäische GM-Tochter gefunden sei. GM-Chef Henderson wolle kommende Woche zusammen mit Reilly und Opel-Chef Hans Demant die Lage bei der europäischen Tochter analysieren. Auch ein Besuch Hendersons in Deutschland ist geplant.

General Motors hatte am Dienstag überraschend erklärt, Opel doch nicht an den kanadischen Autozulieferer Magna zu verkaufen, sondern selbst zu behalten. Das Verhältnis zwischen deutschen Arbeitnehmern und den US-Konzernlenkern gilt seitdem als zerrüttet. Dazu haben auch zwei Personalien beigetragen: Denn nach SPIEGEL-Informationen soll GM-Asienmanager Nick Reilly die Sanierung von Opel übernehmen, GM-Manager Bob Lutz soll Opel-Aufsichtsratschef werden. Beide gelten als Urgesteine des Konzerns und haben sich als harte Sanierer einen Namen gemacht - keine guten Voraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit den deutschen Arbeitnehmervertretern.


Dass GM in dieser Situation Staatshilfe für die Opel-Sanierung erhalten soll, ist aus Sicht vieler Deutscher der falsche Weg. Einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" zufolge lehnt eine große Mehrheit Staatshilfen ab: 66 Prozent sprechen sich dagegen aus, dass Bund und Länder Opel mit Steuergeld helfen - nur 28 Prozent sind dafür. Für die repräsentative Umfrage befragte Emnid am vergangenen Donnerstag 502 Personen.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle warnt GM davor, bei der Sanierung von Opel auf Hilfen aus dem Deutschlandfonds zu setzen. Der FDP-Politiker sagte, er erwarte, dass GM nun auch die finanzielle Verantwortung für Opel wieder selbst übernimmt. Dazu gehöre, dass "pünktlich zum 30. November" der Brückenkredit mit Zinsen zurückgezahlt werde, den die Regierung gewährt hatte. Sollte GM einen neuen Antrag auf Staatshilfen stellen, gälten die gleichen Kriterien wie für alle anderen Unternehmen, sagte Brüderle. Auch eine Ablehnung des Antrags sei möglich.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte hingegen Staatshilfen für Opel in Aussicht gestellt. Ähnlich äußerte sich auch der neue SPD-Wirtschaftsminister Thüringens, Matthias Machnig.

wal/AFP/Reuters

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Das jüngste Opel-Werk wurde 1992 im westlichen Thüringen eröffnet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem kleinen Corsa. Insgesamt bietet der Autobauer in Eisenach rund 1800 Menschen Arbeit.

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DAS LANGE RINGEN UM OPEL

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14. November 2008: Opel beklagt infolge der Finanzkrise massive Verluste und bittet als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen, nach Unternehmensangaben geht es um "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
17. Februar 2009: Auch General Motors leidet und plant einen Jobkahlschlag. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern will 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA, viele in Deutschland.
27. Februar: Opel beschließt, sich weitgehend von GM abkoppeln zu wollen. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.
2. März: Opel-Manager legen der Bundesregierung einen Rettungsplan vor.
31. März: Kanzlerin Merkel stellt Unterstützung in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg.

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