Essen - Für den Karstadt-Konzern schlägt heute die Stunde der Wahrheit: Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg will am Dienstag die Gläubiger von dem Sanierungskonzept überzeugen, das er in enger Abstimmung mit allen Beteiligten ausarbeitet hat. Eine Sanierung sei für alle Beteiligten die beste Alternative, sagte Görg nach einem vorab verbreiteten Redetext. Durch eine Zerschlagung von Karstadt würde es dagegen zu hohen Vermögensschäden kommen.
Der Plan sieht die Schließung von sechs Warenhäusern und Fachmärkten des Einzelhändlers vor. Wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters am Dienstag bei der Gläubigerversammlung in Essen sagte, sind Häuser in München, Dortmund und Hamburg sowie drei Fachmärkte in Stuttgart, Braunschweig und Berlin betroffen. Geplant sind die Schließungen den Angaben zufolge für Anfang kommenden Jahres, der Termin müsse noch mit Arbeitnehmervertretern verhandelt werden.
Als wichtiger Eckpunkt für eine Sanierung gilt auch der Sanierungs-Tarifvertrag für die rund 28.000 Karstadt-Beschäftigten, auf den sich die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Insolvenzverwalter in Grundzügen am Samstag geeinigt hatten. Er sieht vor, dass die Belegschaft 150 Millionen Euro zur Rettung des Unternehmens aufbringt. Dazu wollen die Mitarbeiter drei Jahre auf Urlaubsgeld, große Teile des Weihnachtsgelds sowie tarifliche Vorsorgeleistungen verzichten.
Görg betonte, auch die Vermieter sowie die Logistik- und EDV-Dienstleiter müssten zur Sanierung von Karstadt ihren Beitrag leisten. Dazu seien bereits Verhandlungen mit dem Highstreet-Konsortium aufgenommen worden, um den Gesamtmietvertrag zugunsten von Karstadt abzuändern.
Die Liquiditätslage von Karstadt beschrieb Görg als positiv. Die derzeitigen Umsatz- und Liquiditätsplanungen gingen davon aus, dass Karstadt "bis auf weiteres" auf einer stabilen finanziellen Basis weitergeführt werden könne. Dabei werde das bevorstehende Weihnachtsgeschäft "von besonderer Bedeutung" sein.
Mit dem Treffen der Karstadt-Gläubiger wurde am Dienstag der am Montag begonnene Marathon von Gläubigerversammlungen nach dem Zusammenbruch des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor
fortgesetzt, einem der größten Pleiteverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach den Treffen der Arcandor-Gläubiger am Montag und der Gläubiger von Karstadt am Dienstag wollen sich am Mittwoch die Gläubiger des Katalogversenders Quelle in der Essener Gruga-Halle versammeln.
mik/AFP
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