Tiefrote Zahlen
Staatsbank HRE verliert 1,7 Milliarden Euro
dpa
Börse in Frankfurt am Main: Faule Immobilienkredite belasten das Ergebnis
Mit der Hypo Real Estate geht es weiter bergab: Der verstaatlichte Immobilienfinanzierer hat im dritten Quartal einen Verlust von 574 Millionen Euro gemacht. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus schon auf 1,7 Milliarden Euro - und das Marktumfeld bleibt schwierig.
München - Die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) hat in den ersten neun Monaten des Jahres 1,71 Milliarden Euro Verlust gemacht. Wie die angeschlagene Bank am Mittwoch in München mitteilte, fiel allein im dritten Quartal ein Minus von 574 Millionen Euro an. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hatte die Bank einen Verlust von 2,89 Milliarden Euro präsentiert.
Im laufenden Jahr belasteten vor allem Wertberichtigungen auf Immobilienkredite und Kosten für die staatlichen Stützungsmaßnahmen das Ergebnis, erklärte die HRE. "Das Ergebnis der ersten neun Monate des Jahres ist nicht zufriedenstellend, aber es ist den schwierigen Marktbedingungen und der besonderen Situation des Konzerns geschuldet", sagte Vorstandschef Axel Wieandt. "Wir sind bei weitem nicht am Ziel." Das Marktumfeld bleibe schwierig.
Erst kürzlich hatte die inzwischen verstaatlichte Bank eine
weitere Finanzspritze in Höhe von drei Milliarden Euro vom bundeseigenen Rettungsfonds Soffin bekommen. Wieandt hatte zuvor den Kapitalbedarf der Bank bis 2011 auf sieben Milliarden Euro beziffert. Die HRE wird seit einem Jahr mit staatlichen Finanzhilfen von mehr als 100 Milliarden Euro über Wasser gehalten. Am 5. Oktober hatte die Hauptversammlung der HRE die komplette Übernahme der Pfandbriefbank durch den Soffin beschlossen. Der Rettungsfonds hat angekündigt, die HRE zügig zu sanieren.
ore/AP
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IMMOBILIENBANK IN NOT
Die Hypo Real Estate ist ein vergleichsweise junges Unternehmen. Sie ist erst
im Jahr 2003 entstanden, als die HypoVereinsbank ihr gewerbliches
Immobilienfinanzierungsgeschäft abgespaltet hat.
Im Oktober 2003 ging die Hypo Real Estate an die Börse und schaffte es dort gut zwei Jahre später in den Dax. Mittlerweile ist das Unternehmen aber in den MDax abgestiegen. Der Konzern beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter, davon knapp 900 in Deutschland.
Unter dem Dach der Hypo Real Estate Holding AG tummeln sich
mehrere Banken. Das Geschäft ist in drei Bereiche gegliedert. Die
Sparte Commercial Real Estate Finance bietet die Finanzierung
gewerblicher Immobilien wie Bürogebäude oder Hotels an. Der Bereich
Public Sector & Infrastructure Finance konzentriert sich auf
Infrastrukturprojekte wie die Finanzierung von Straßen,
Krankenhäusern oder Eisenbahnen. Das vergleichsweise kleine Segment
Capital Markets & Asset Management schließlich widmet sich den
Kapitalmärkten und der Vermögensverwaltung. Der Schwerpunkt der
Aktivitäten liegt auf Europa.
Von sich reden machte die Hypo Real Estate erstmals im vergangenen
Sommer, als sie die in Irland angesiedelte Depfa Bank für 5,7
Milliarden Euro schluckte. Durch die Übernahme der Depfa wollten die
Münchner Zugang zu staatlichen Projekten bekommen, auf die die Depfa weltweit spezialisiert ist. Im Visier waren unter anderem die
Finanzierung großer Projekte wie Bürogebäude, Flughäfen, Brücken oder
Kliniken. Angesichts klammer Kassen bei Bund, Ländern und Gemeinden
galt dies als vielversprechendes Geschäftsmodell.
Zuletzt aber ging es mit dem Unternehmen steil bergab: Im
vergangenen Jahr fiel der Vorsteuergewinn vor allem wegen der
Finanzkrise und der Übernahme der Depfa auf vergleichbarer Basis von
1,06 Milliarden Euro auf 862 Millionen Euro. Unterm Strich ging das
Ergebnis von 542 auf 457 Millionen Euro zurück. Die operativen
Erträge sanken von 1,84 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,46
Milliarden Euro.
Auch der Aktienkurs litt unter den Problemen. Nach gut 57 Euro im
Jahr 2006 stand das Papier zuletzt bei knapp 13,50 Euro. Im Frühjahr
nutzte der US-Investor Christopher Flowers über seine J.C. Flowers
die Gunst der Stunde und stieg bei Hypo Real Estate ein. Zuletzt
hielt er gut 24 Prozent an HRE. Daher vor kurzem auch der
Rauswurf aus der ersten Börsenliga.