Von Nils Jacobsen
Hamburg - Cody Willard hat offenbar den richtigen Riecher gehabt. Sechs Jahre ist es her, da kaufte der Hedgefonds-Manager und Finanzjournalist ("Financial Times" und "TheStreet.com") Apple-Aktien zu Kursen um die sieben Dollar. "Das Papier wird unter Buchwert gehandelt", kommentierte Willard seine damals eher unpopuläre Entscheidung. Viele sahen die Zukunft des Computerpioniers aus Cupertino, Kalifornien, alles andere als rosig.
Doch Willard sollte Recht behalten. Apple ist ein bemerkenswertes Comeback gelungen: Seit der Rückkehr von Firmengründer Steve Jobs im Jahre 1997 ist der Aktienkurs des Unternehmens rasant gestiegen. Apple-Papiere stehen im deutschen Handel derzeit knapp unter 140 Euro, insgesamt ist das Unternehmen an der Börse damit mehr als 183 Milliarden Dollar wert. Kein schlechtes Geschäft für Willard.
Doch der Hedgefonds-Manager erwartet noch mehr. Schon 2005 verblüffte er die Börsenwelt mit einer neuen kühnen Prophezeiung. Er schrieb: "Lassen Sie mich das klar sagen und der Erste sein, der es sagt: Ich wäre nicht schockiert, wenn Apple irgendwann wertvoller ist als
Microsoft
."
Inzwischen scheint diese Vision nicht mehr ganz so abwegig. Dell
, Intel
, IBM
, Cisco
, Hewlett-Packard
und Google
hat Apple in puncto Börsenwert bereits überholt. Nächste und letzte Herausforderung: Microsoft.
Überholt Apple Microsoft schon in zwölf Monaten?
Derzeit ist Microsoft noch knapp 75 Milliarden Dollar mehr wert. Doch erste Analysten sagen bereits, der Wachwechsel in der Dotcom-Welt sei in Sichtweite. Dümpelt die Microsoft-Aktie weiter vor sich hin, müsste Apples Aktie ihren Wert noch um etwa 42 Prozent steigern. Zum Vergleich: Im laufenden Börsenjahr hat sie bereits um 136 Prozent zugelegt.
CNBC-Moderator James Cramer ("Mad Money") hält in den kommenden zwölf Monaten ein Apple-Kursziel von 300 Dollar für möglich. Microsoft dagegen habe nur noch eine "moderate Wachstumsstory", sagt Barton Hooper, Analyst bei Weitz Funds. "Das Wachstum verläuft nicht mal halb so stark wie das von Apple."
Erick Maronak, Investment-Chef beim Victory Large Cap Growth Fund, nennt bereits einen Zeitraum, in dem Apple Microsoft überholt: In spätestens zwei Jahren sei es soweit, sagt der Börsenexperte, der über seinen Fonds Anteile an Apple hält. "Der Hauptgrund dafür ist, dass Apple noch deutlich Raum hat, das Geschäft wächst nachhaltig." Und Gary Dvorchak, Vermögensverwalter bei Aviance Capital Management, hält die Tech-Wende schon "innerhalb eines Jahres" für realistisch.
Spektakuläre Trendumkehr
Dass es überhaupt noch einmal zu diesem Zweikampf der Computerpioniere kommt, ist eine Sensation. Als Steve Jobs 1997 zu Apple zurückkehrte, stand das Kultunternehmen kurz vor dem Kollaps. Krasses Missmanagement und ein völliges Überangebot an Computermodellen hatten den Erfinder des PCs an den Rand der Insolvenz gebracht.
Jobs verordnete dem Dino des Silicon Valley eine Radikalkur. Viele Produkte wurden aussortiert, Unternehmenssparten wie das Druckergeschäft ersatzlos gestrichen. Was Steve Jobs wollte, war eine klar erkennbare Linie: Einen Mac für professionelle Anwender, einen für jedermann.
Der Rest der Erfolgsgeschichte spielt sich vor allem in diesem Jahrzehnt ab: 2001 debütierte der iPod und veränderte in Kombination mit dem Online-Shop iTunes nachhaltig den Musikvertrieb. Ab 2004 nutzte Apple für seine Computer Intel-Chips und baute seinen Marktanteil im PC-Markt kontinuierlich aus. 2007 schließlich brachte Jobs das iPhone heraus. Das Gerät hat den Handy-Markt revolutioniert und Apple im vergangenen Quartal einen Milliardengewinn beschert.
Mitfinanziert hat das Apple-Comeback ausgerechnet Microsoft: 1997 investierte Bill Gates 150 Millionen Dollar in Jobs Unternehmen. Seitdem haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Microsofts Aktienwert hat sich seit dem 31. Dezember 1999 etwa halbiert. Der Konzern habe ein Innovationsproblem, sagen Kritiker. Er habe sich zu lange auf dem Erfolgsprodukt Windows ausgeruht. Er habe es versäumt, Apple im Hardware-Bereich und Google im Internet-Sektor Paroli zu bieten.
Microsoft sucht Anschluss auf dem Handy-Markt
Die Unternehmenszahlen spiegeln diesen Trend wider: Im gerade abgelaufenen Quartal machte Microsoft 3,6 Milliarden Gewinn und 12,9 Milliarden Dollar Umsatz. Apple verdiente 1,7 Milliarden Dollar und setze 9,9 Milliarden Dollar um. Doch während Microsofts Gewinn um 18 Prozent einbrach, verdiente Apple 47 Prozent mehr. Und während in Redmond die Erlöse um 14 Prozent nachgaben, stiegen sie in Cupertino um 25 Prozent.
Auch die Zukunft von Microsoft sieht alles andere als rosig aus. Zwar hat der Konzern mit Windows 7 kürzlich ein Betriebssystem in die Läden gebracht, das bei Fachkritikern gut ankam und dem Analysten gute Gewinnaussichten prognostizieren. In der Software-Sparte (Office) aber, die mehr als die Hälfte der Umsätze ausmacht, wird der Konzern zusehends von Google und anderen Anbietern bedroht. Und in der gegenwärtig größten Wachstumssparte, dem Mobilfunk-Bereich, ist Microsoft mit seinem Betriebssystem Windows 6.5 weit abgeschlagen. Gelingt auf diesem Gebiet nicht bald ein großer Wurf, wird die Aktie kaum signifikant steigen.
Was für ein enormer Wachstumstreiber vor allem der mobile Internetmarkt ist, beweist Apple mit seinem iPhone und dem angeschlossenen Software-Marktplatz, dem App Store, der bereits mehr als 100.000 Anwendungen umfasst. Gerade mal zweieinhalb Jahre auf dem Markt, ist das iPhone in den USA mit einem Marktanteil von inzwischen 30 Prozent bereits zum zweitmeist verkauften Smartphone aufgestiegen. Dazu halten sich hartnäckig Gerüchte, Apple werde bald einen sogenannten Tablet PC veröffentlichen - eine Art überdimensionales iPhone, mit dem der Konzern auf dem Computer-Markt weiter Anteile gewinnen will.
Gelingt Apple auf diesem Gebiet erneut ein großer Wurf, dürfte der Börsenkurs weiter in die Höhe schnellen. Dotcom-König Microsoft müsste dann tatsächlich bald den Thron räumen - und Apple hätte seinen Erzrivalen nach fast zwei Jahrzehnten erbittertem Konkurrenzkampf bezwungen.
Auf anderen Social Networks posten:
Sie wollen es nicht verstehen. Wer ist denn ihrer Meinung nach Welt-Marktführer beim Verkauf von MP3-Playern? mehr...
Nochmal, das iPhone ist nur eines von vielen MP3-fähigen Handys. Wenn man alle diese betrachtet, fällt das iPhone kaum ins Gewicht und schon ist es vorbei mit der Marktführerschaft. Die meisten Handys werden wohl immer noch von [...] mehr...
Kommt drauf an, was man macht. In meinem Bereich kommt Windows ausser im Schreibpool praktisch nicht vor,aber mit der Kompabilitaet hat das eh nichts zu tun. Und nur weils fuer Windows die "meissten" Anwendungen gibt, [...] mehr...
Ich bin ein PC, und das vor allem aus rein praktischen Gründen; 1. Windows ist das am Weitesten verbreitete Betriebssystem und damit ist die volle Kompatibilität zu den meisten Anwendungen gegeben. 2. Ich bin an Windows [...] mehr...
Fällt ihnen auch ein sachliches Argument ein oder geht es nur darum, dass sie Apple persönlich Scheiße finden? mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Apple | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH