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06.12.2009
 

Emsland

Ökostromer treiben Kohle-Konzern in die Defensive

Aus Dörpen berichtet Henning Zander

Energie: Der Kohlestreit von Dörpen
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DDP

Windkraft oder Kohle? Das Emsland streitet über die Energie der Zukunft - stellvertretend für den Rest der Republik. Im Örtchen Dörpen bekämpfen sich Ökolobbyisten und Anhänger eines geplanten Großkraftwerks: Es geht um Arbeitsplätze, Eitelkeiten und sicheren Strom.

Es ist ein Kampf Klein gegen Groß, Windkraft gegen Kohle, vermeintlich Gut gegen vermeintlich Böse: Im niedersächsischen Dörpen, einem Dorf mit rund 4000 Einwohnern, streiten sich die Anhänger erneuerbarer Energien mit jenen der herkömmlichen Kraftwerkstechnik - quasi stellvertretend für den Rest der Republik. Die einen planen einen neuen Steinkohlemeiler, der 900 Megawatt Strom erzeugen soll. Die anderen wollen im Nachbarort Haren, nur 20 Kilometer entfernt, eine Fabrik für Rotorblätter errichten. Geplante Mitarbeiterzahl: 1000.

Der Ökoinvestor heißt Enercon, das Unternehmen ist der größte deutsche Hersteller von Windenergieanlagen. Einzelne Windmühlen sind schon vor Ort: Die Enercon-Anlagen mit der charakteristischen tropfenförmigen Gondel und den grünen Ringen am Fußende stehen nur ein paar hundert Meter neben der Konkurrenz.

Die Konkurrenz, das ist eines der größten Kohlekraftwerke Norddeutschlands. Noch existiert nur ein Bauplatz, doch wenn es nach dem Willen des Energiekonzerns EnBW und seines Schweizer Partners BKW geht, wird hier künftig ein 150 Meter hoher Kühlturm stehen - und seinen Schatten auf die Windräder werfen.

Landrat Hermann Bröring (CDU) muss in seinem Landkreis Emsland, zu dem sowohl Haren als auch Dörpen gehören, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut bringen. Denn nicht nur Teile der örtlichen Bevölkerung kritisieren das Steinkohlekraftwerk. Im Juli setzte auch Enercon-Chef Aloys Wobben dem Landkreis die Pistole auf die Brust: Er werde in der Region nur dann investieren, wenn in Dörpen kein Kohlekraftwerk gebaut werde, sagte Wobben im Juli bei einer öffentlichen Diskussion.

Atomausstieg ohne Kohlkraft?

"Natürlich hat Herr Wobben kein Interesse an einem Kohlekraftwerk", sagt Landrat Bröring, "schließlich handelt es sich um einen Mitbewerber auf dem Markt." Doch könne sich die Politik von einem Unternehmer auf diese Weise nicht unter Druck setzen lassen. Die Frage sei lediglich: "Passt die Industrie zum Standort? Oder gibt es baurechtlichen Gründe, die dagegen sprechen?"

Dass ein Kohlekraftwerk gut in die Region passt, davon ist Bröring überzeugt. Schließlich habe sich das Emsland zu einem wichtigen Energielieferanten für Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen entwickelt. Wenn man aus der Atomkraft aussteigen wolle, komme man an der Kohle nicht vorbei.

Doch inzwischen spielt auch die Windenergie in der Region eine immer bedeutendere Rolle. Rund 600 Megawatt Leistung sind im Emsland installiert. Und das geplante Werk mit seinen 1000 Arbeitsplätzen ist eine Größe, die nicht ignoriert werden kann. Der Landkreis hat deshalb das Gespräch mit dem Windkraftunternehmen gesucht. Enercon bestätigt die Verhandlungen, über den Inhalt sei jedoch Stillschweigen vereinbart worden.

Ärger in der Schweiz

Das Projekt Kohlekraftwerk ist hingegen ins Stocken geraten. Der Grund ist ein Urteil des nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgerichts in Münster. Darin wurde der Bebauungsplan für ein E.on-Kohlekraftwerk in der Stadt Datteln für unwirksam erklärt. In der Urteilsbegründung heißt es, die Stadt habe Vorgaben zum Naturschutz und für die Sicherheit der Bevölkerung nicht ausreichend beachtet. Jetzt prüfen Experten, ob das Urteil von Datteln auch Auswirkungen auf den Bebauungsplan von Dörpen hat. Sollten sich auch hier Mängel zeigen, müsse das Vorhaben noch einmal überarbeitet werden, sagt Landrat Bröring. Der Bau des Kohlekraftwerks könnte sich dadurch deutlich verzögern.

Aber auch interne Probleme belasten den Kohleplan. Erst Mitte Oktober hat die Schweizer Firma BKW die Projektführung an den Energiekonzern EnBW abgegeben. In der eidgenössischen Heimat stand BKW wegen des geplanten Kohlekraftwerks in der Kritik. Schließlich ist das Unternehmen in der Schweiz einer der größten Ökostrom-Produzenten. Das Kraftwerk im Emsland hingegen würde nach Berechnungen von Umweltschützern so viel CO2 ausstooßen wie zehn Prozent des gesamten Schweizer Kraftwerkparks. Das passt nicht zum grünen Image des Konzerns.

400 Aktivisten kämpfen gegen das Kraftwerk

"Das neue Kraftwerk ist sowohl umweltpolitisch als auch wirtschaftlich nicht sinnvoll", sagt Jan Deters-Meissner von der Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen. Der 52-Jährige ist einer von rund 400 Aktiven, die seit zwei Jahren gegen die Kraftwerkspläne kämpfen. Im politischen Engagement sind sie erprobt. Schon in den achtziger Jahren verhinderten sie am selben Standort den Bau einer Müllverbrennungsanlage. Jetzt sammeln die Aktivisten Geld für eine mögliche Klage gegen den Bebauungsplan.

Die Unterstützung durch Windkraft-Guru Wobben würde da eigentlich gut passen. Doch die Anti-Kohle-Aktivisten sehen auch Enercon durchaus kritisch. "Es ist ja nicht so, dass wir etwas gegen Arbeitsplätze hätten", sagt Jan Deters-Meissner, "aber wenn hier schon Strom erzeugt werden soll, dann doch bitte durch ein Gaskraftwerk, das schnell hoch und runter gefahren werden kann." Die Idee dahinter: Ein flexibles Gaskraftwerk könnte die Schwankungen beim Windstrom ausgleichen.

Dieser Kompromiss könnte auch dem größten Industriebetrieb Dörpens gefallen. Die UPM Nordland Papier betreibt vor Ort eine gigantische Papierfabrik - eine sehr energieintensive Industrie. Und dennoch will der Konzern keinen Strom aus Dörpener Kohlekraft. Gespräche, um den finnischen Mutterkonzern UPM als Investor zu beteiligen, sind Anfang dieses Jahres gescheitert. Hannu Jokisalo, General Manager von UPM Nordland, erklärte das so: "Energie aus Kohle ist für uns die schlechteste Variante für die Lösung des Problems hoher Energiekosten."

UPM sieht sich nun nach anderen Lösungen für seine Energieversorgung um. Am Ende könnte es - zusammen mit einem Gaskraftwerk - tatsächlich auf Windstrom hinauslaufen.

Dann hätten die Ökolobbyisten den Kohlestreit von Dörpen gewonnen.

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Die neuesten Beiträge:
15.12.2009 von alida80:

Die Zugfestigkeit (und die bestimmt die Druckbeständigkeit der Rohre) der besten Stähle liegt fast 20x so hoch wie die der besten Kuststoffe. mehr...

15.12.2009 von virus-38: Idee!

Alle halten die Luft an! Der private CO2-Ausstoß ist dann null. Und alle Volltrottel sind tot. Nominierung für Nobelpreis o.ä nehme ich nicht entgegen. Die Mio. aber gerne! mehr...

15.12.2009 von bluaMauritius: @flari. Hartplastikrohre

(war Tippgehler) Zitat: Zitat Flari: ---Zitat--- Kann man nicht! ---Zitatende--- - - Antwort: Kann man doch. Hartplastik ist die Zukunft, wenn Stahl nicht mehr preiswert hergestellt werden kann. Gerade deswegen [...] mehr...

15.12.2009 von bluaMauritius: @flari. Hartplastikrohre

Zitat: Zitat Flari: ---Zitat--- Kann man nicht! ---Zitatende--- - - Antwort: Kann man doch. Hartplastik ist die Zukunft, wenn Stahl nicht mehr preiswert hergestellt werden kann. Gerade deswegen darf man das Erdöl [...] mehr...

15.12.2009 von bluaMauritius: Du hast den Weg der Berechnung nicht erklärt, nur deine Ergebnisse mitgeteilt.

---------- Das muss du mit Ft. Roller ausmachen, nicht mit mir. Ausserdem hat du die sonderwuchtigen Ergebnisse deiner kolossalen Berechnungen ohne den Berechnungsweg, die Art der Formel (und deren Berechtigung) angegeben. [...] mehr...

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