Quartalszahlen
General Motors macht 1,2 Milliarden Dollar Verlust
dpa
GM-Händler in New York: Bilanz liefert ersten Hoffnungsschimmer
Die Zahlen sehen auf den ersten Blick verheerend aus - doch sie zeigen, dass General Motors die Wende gelingen könnte: Im dritten Quartal hat die Opel-Mutter einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet - deutlich weniger als in den Vierteljahren zuvor.
Detroit - Der Opel-Mutterkonzern
General Motors sieht nach seinem Neustart wieder Licht am Ende des Tunnels. Nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens schrieb der größte US-Autobauer im dritten Quartal zwar noch immer ein Minus von 1,2 Milliarden Dollar (das Minus vor Steuern und Zinsen belief sich auf 261 Millionen Dollar). Der Verlust fiel jedoch deutlich geringer aus als von vielen Experten befürchtet. Das Ergebnis sei weit besser als in vorigen Quartalen und ein Zeichen dafür, dass die Trendwende eingeleitet sei, teilte GM mit.
Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 28 Milliarden Dollar. Das waren fünf Milliarden Dollar mehr als im zweiten Quartal. Die Zahlen sind wegen des Insolvenzverfahrens aber nur schwer als Vergleich heranzuziehen. Der Verlust könnte zudem noch bestimmte Sondereffekte ausklammern.
Der Schuldenstand lag bis Ende September bei 17 Milliarden Dollar. Den Weltmarktanteil bezifferte GM auf 11,9 Prozent. Für 2010 geht das Unternehmen auf dem US-Markt branchenweit von einem Absatz von elf bis zwölf Millionen Fahrzeugen aus.
Weniger Verkäufe in Europa
Die europäischen GM-Marken
Opel und Vauxhall verkauften weniger Fahrzeuge. Den Angaben zufolge sank der Absatz innerhalb des dritten Quartals um knapp zehn Prozent von 336.000 auf 306.000 Autos. In den ersten neun Monaten verkaufte GM 963.000 Wagen der europäischen Marken gegenüber 1,2 Millionen im Vergleichszeitraum 2008.
Anders als in der Vergangenheit weist der aus der US-Konzern sein Europa-Geschäft nicht mehr gesondert aus, sondern unterscheidet nur noch nach amerikanischem und ausländischem Geschäft. Das Geschäft außerhalb Nordamerikas schrieb im dritten Quartal vor Zinslasten, Steuern und Sonderfaktoren demnach schwarze Zahlen - auf dem Heimatmarkt war GM erneut rot. Dem Autobauer gelang es, im operativen Geschäft seine Kassen wieder aufzufüllen. Allerdings befürchtet GM, im vierten Quartal erneut Bargeld zu "verbrennen".
Zu den Gewinnen des "ausländischen" Geschäfts trugen allerdings allein die Märkte in Asien bei. GM-Europa blieb dagegen nach Auskunft von GM-Chef Fritz Henderson mit einem Verlust von "etwas mehr als 400 Millionen Dollar" tief in der Verlustzone. Auch im kommenden Jahr werde die Situation schwierig bleiben, betonte Herderson in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. allerdings sei man aufgrund des vorangetriebenen Kapazitätsabbaus wohl nicht mehr zu weiteren drastischen Einschnitten gezwungen. Das laufende Geschäft will Henderson aus eigenen Mitteln finanzieren.
Interesse an Staatshilfen für Opel
Für die Sanierung dürften aber weiterhin die europäischen Regierungen herangezogen werden - allen voran die deutsche. "Wir würden bevorzugen, um Unterstützung zu bitten", sagte Henderson.
GM werde einen entsprechenden Plan vorlegen, kündigte der Top-Manager an. Der Konzern sei derzeit dabei, diesen fertigzustellen. Zu Details wollte er nichts sagen, bevor nicht die beteiligten Mitarbeiter und Regierungsstellen informiert seinen. Der Prozess werde noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Zuletzt hatte es aus dem US-Konzern widersprüchliche Aussagen zum Antrag auf Staatshilfen gegeben. So hatte der neue starke Mann bei GM, Verwaltungsratschef Edward Whitacre, Finanzspritzen des deutschen Steuerzahlers als unnötig bezeichnet.
Kredite sollen vorzeitig getilgt werden
GM will nun vorzeitig mit dem Schuldenabbau beginnen. Bereits im Dezember soll die erste Rate in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar an die Gläubiger-Regierungen bezahlt werden - eine Milliarden an die US-Regierung, 200 Millionen an die kanadische. Innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen so die gesamten 8,1 Milliarden Dollar zurückgezahlt sein. Zum Ende des Monats sollen überdies die noch ausstehenden 400 Millionen Euro aus dem Überbrückungskredit für Opel an Bund und Länder überwiesen werden.
Seit Anfang 2005 hatte der US-Hersteller Verluste von mindestens rund 90 Milliarden Dollar angehäuft. Der Autokonzern war mit Staatshilfen von mehr als 50 Milliarden Dollar vor dem Untergang gerettet worden. Allerdings wird neben dem 1,4-Milliarden-Darlehen aus Kanada nur ein Betrag von 6,7 Milliarden Dollar als Kredit geführt. Für den Großteil der Hilfen bekam die US-Regierung den Mehrheitsanteil von 60 Prozent an GM. Sie will die Beteiligung schrittweise nach einem Börsengang der neuen GM-Gesellschaft abbauen. Es war zuletzt unklar, ob General Motors bereits im kommenden Jahr an den Aktienmarkt zurückkehren kann.
GM könnte den Kredit möglicherweise auch mit Geld von der Regierung selbst zurückzahlen. Auf einem Treuhandkonto lägen noch 13,4 Milliarden Dollar für das Unternehmen. Laut der Kreditvereinbarung mit der Regierung dürfe GM für die Rückzahlung des Darlehens auch vom Staat erhaltenes Geld verwenden.
Die Rückzahlung der Schulden stellt eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg in die Normalität dar. Die zweite ist die Rückkehr an die Börse. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2010 soll es nach den Vorstellungen Hendersons soweit sein.
mik/AP/dpa/Reuters
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Um diese Standorte geht es: GM-Werke in Europa
OPEL-STANDORTE
Das jüngste Opel-Werk wurde 1992 im westlichen Thüringen
eröffnet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem kleinen Corsa. Insgesamt bietet der Autobauer in Eisenach rund 1800 Menschen Arbeit.
Das Stammwerk südwestlich von Frankfurt am Main ist das Herz der Adam Opel GmbH. Rund 750 Millionen Euro wurden 2002 in seine Modernisierung investiert. Die Beschäftigtenzahl liegt aktuell bei rund 15.500, davon sind etwa 5500 Mitarbeiter im internationalen Entwicklungszentrum angesiedelt, der Denkfabrik des Autobauers.
In Rüsselsheim läuft derzeit der Mittelklassewagen Insignia in den drei Versionen Limousine, Fließheck und Kombi vom Band. Im Durchschnitt werden täglich 720 Einheiten des neuen Zugpferds der Marke mit dem Blitz produziert. In der Anlaufphase befindet sich außerdem die Produktion des Insignia Sports Tour, von dem in Kürze pro Tag mehr als 80 Fahrzeuge in Rüsselsheim gebaut werden sollen.
Das 1962 eröffnete Werk, einst Produktionsstätte des Opel
Kadett, baut den Astra und den Kompakt-Van Zafira. Außerdem werden in
Bochum Achsen und Getriebe hergestellt. Insgesamt arbeiten an diesem Standort etwa 5300 Menschen. Pro Jahr laufen etwa 240.000 Autos vom Band.
In der Westpfalz stellt Opel Fahrzeugkomponenten
für Karosserie, Chassis und Innenraum her. Die Powertrain GmbH, ein
Gemeinschaftsunternehmen von Opel und Fiat, produziert dort Motoren.
Der Standort spielt eine wichtige Rolle im weltweiten
Fertigungsverbund von GM. Insgesamt sind dort 2360 Mitarbeiter im Komponentenwerk beschäftigt. Weitere 1130 Menschen fertigen Motoren an.
Opel-Autos werden außerdem in folgenden europäischen Werken
produziert: Antwerpen/Belgien (Astra), Gleiwitz/Polen (Agila, Astra Classic, Zafira), Ellesmere Port/England (Astra), Luton/England (Vivaro) und Zaragoza/Spanien (Corsa, Meriva, Combo).
DAS LANGE RINGEN UM OPEL
14. November 2008: Opel beklagt infolge der Finanzkrise massive Verluste und bittet als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen, nach Unternehmensangaben geht es um "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
17. Februar 2009: Auch General Motors leidet und plant einen Jobkahlschlag. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern will 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA, viele in Deutschland.
27. Februar: Opel beschließt, sich weitgehend von GM abkoppeln zu wollen. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.
2. März: Opel-Manager legen der Bundesregierung einen Rettungsplan vor.
31. März: Kanzlerin Merkel stellt Unterstützung in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg.
23. April: Fiat will Opel übernehmen - die Arbeitnehmer sprechen sich rasch dagegen aus.
28. April: Auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna meldet Interesse an und legt ein erstes Grobkonzept für Opel vor.
12. Mai: Es wird bekannt, dass auch der in Brüssel ansässige Finanzinvestor RHJ International ein Angebot prüft - damit gibt es nun drei Interessenten für Opel.
30. Mai: Die Grundsatzentscheidung für Magna fällt - in einer Nachtsitzung mit Bund, Ländern, GM und dem US-Finanzministerium. Damit ist der Weg frei für einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro an Opel sowie die zeitweilige Übernahme von Opel durch eine Treuhandgesellschaft (um den deutschen Autobauer vor den Folgen einer GM-Insolvenz zu schützen). Wirtschaftsminister Guttenberg stellt sich als einziger Politiker mit einer Rücktrittsdrohung dagegen und plädiert notfalls für eine Opel-Insolvenz.
1. Juni: GM geht in die Insolvenz.
10. Juli: Steuermilliarden retten GM, der Konzern wird aus der Insolvenz entlassen. Nun mehrheitlich in Staatsbesitz, soll er wesentlich verkleinert überleben. Es fließen mehr als 50 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 36 Milliarden Euro) an Hilfsgeldern.
15. Juli: RHJ International stellt ein neues Übernahmeangebot vor. Die Bundesländer mit Opel-Standorten favorisieren Magna, weil der Zulieferer verspricht, weniger Stellen zu streichen.
19. August: Bund und Länder beschließen: Wenn GM sich für Magna entscheidet, wird Deutschland 4,5 Milliarden Euro an Kreditzusagen und Bürgschaften vorstrecken, ohne dass sich andere europäische Länder mit Standorten beteiligen müssen. GM wird unter Druck gesetzt, sich für Magna zu entscheiden.
25. August: Erneutes Opel-Spitzentreffen zwischen Bund, Ländern und GM in Berlin. Der US-Autokonzern prüft, seine Tochter selbst zu behalten.
2. September: RHJ International bessert sein Angebot erneut nach fordert nun 600 Millionen Euro weniger Staatshilfen. Dennoch spricht sich die Bundesregierung erneut für Magna aus.
10. September: Der GM-Verwaltungsrat empfiehlt einen Verkauf von Opel an Magna.
14. September: Magna bestätigt, dass in Deutschland mehr als 4000 der rund 25.000 Stellen wegfallen werden. Aus Belgien, Großbritannien und Spanien gibt es Widerstand gegen Magna, weil deutsche Standorte bevorzugt würden. Die EU-Kommission kündigt eine "sehr sorgfältige" Prüfung der Milliardenbeihilfen an.
16. Oktober: EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes äußert schwere Bedenken gegen die 4,5 Milliarden Euro Staatsunterstützung. Die Hilfszusagen dürften nicht an einen Bieter gebunden werden - die Bundesregierung soll sich also keinen Kaufinteressenten aussuchen dürfen, der zum Beispiel deutsche Standorte schont.
3. November: Der GM-Verwaltungsrat beschließt, Opel doch zu behalten. Der Konzern will sein Europageschäft selbst sanieren, statt dies Magna und seinen staatlichen Unterstützern zu überlassen.
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