Von Marc Pitzke, New York
Fritz Henderson wollte nichts beschönigen. "Wir sind ganz und gar nicht zufrieden", murrte der Vorstandsvorsitzende von General Motors (GM). "Wir haben noch erheblich mehr zu tun."
Daran besteht kein Zweifel: Im vergangenen Quartal fuhr der angeschlagene US-Autobauer 1,2 Milliarden Dollar Verlust ein. Eine sagenhafte Summe, bei denen anderen die Radkappen wegfliegen würden. Doch alles ist relativ: Für GM markieren selbst diese horrenden Zahlen, die Henderson am Montag präsentierte, den "Beginn der Trendwende" - das erste, schwache Licht am Ende des sprichwörtlichen Tunnels.
Was das freilich für die deutsche GM-Tochter Opel bedeutet, blieb weiterhin offen.
Es war die erste Quartalsbilanz, seit GM das überraschend flotte, nicht mal sechswöchige Insolvenzverfahren Mitte Juli beendete. Zugleich war es die erste Bilanz seit der umstrittenen Entscheidung, Opel lieber zu behalten, statt es, wie eigentlich vereinbart, an das Magna-Konsortium zu verkaufen - womit die deutsche Bundesregierung peinlich bloßgestellt wurde. Kein Wunder also, dass an diesem Montag nicht nur die Amerikaner aufhorchen.
Henderson blieb cool, ließ sich wie immer ungern in die Karten gucken. Zu Opel sagte er allenfalls Kryptisches. Der Konzern sei dabei, einen Finanzierungsplan fertig zu stellen. Zwar sei General Motors grundsätzlich in der Lage, die Opel-Rettung alleine zu finanzieren. "Wir würden aber bevorzugen, um Unterstützung für das Europageschäft zu bitten", sagte er. Mit anderen Worten: Staatshilfe für Opel würden die Amerikaner durchaus gerne annehmen.
GM will "die Wogen glätten"
Zu weiteren Details schwieg Henderson. Der Prozess werde sowieso noch Wochen in Anspruch nehmen, sagte er lapidar.
Zuletzt hatte es aus Detroit widersprüchliche Aussagen zu einem möglichen Antrag auf Staatshilfen gegeben. So hatte der neue starke Mann, Verwaltungsratschef Edward Whitacre, Finanzspritzen des deutschen Steuerzahlers als unnötig bezeichnet. Hendersons entgegengesetzte Haltung soll seinen wackelnden Stuhl bei GM weiter ins Schaukeln gebracht haben.
Der GM-Chef berichtete, der Vorstand verbringe im Moment 30 bis 40 Prozent seiner Zeit in Europa, um "die Wogen zu glätten". Die Suche nach einem neuen Opel-Chef werde aber eher noch Monate dauern statt Wochen.
Immerhin: Das internationale Geschäft läuft bei GM deutlich besser als das auf dem Heimatmarkt. Im dritten Quartal machte GM in Nordamerika 651 Millionen Dollar Verlust, während das internationale Geschäft 238 Millionen Dollar Gewinn einbrachte - allerdings fast allein aus dem Absatz in Asien, nicht aber in Europa. Inklusive der letzten zehn Insolvenz-Tage schrieb GM einen Quartalsumsatz von 28 Milliarden Dollar - 21 Prozent mehr als im Pleitequartal zuvor.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Der Autoabsatz brach für GM während der Insolvenz nicht ganz so stark ein wie befürchtet, unter anderem dank einer massiven Werbekampagne. Auch übernahm die US-Regierung die Garantie für alle in dieser Zeit gekauften GM-Modelle. Hinzu kam, dass sich die gesamte US-Autobranche im Sommer generell wieder etwas erholte, nicht zuletzt aufgrund des "Cash for clunkers"-Programms, der amerikanischen Version der Abwrackprämie, das jedoch ausgelaufen ist.
Der Konzern will die Hilfen der US-Regierung schnell zurückzahlen
In Nordamerika befindet sich GM nach den Worten Hendersons inzwischen wieder in einer so "guten Liquiditätsposition", dass es die US-Staatshilfen vorzeitig zurückzahlen werde. Die Cash-Reserven betragen 42,6 Milliarden Dollar, die ersten Rückzahlungen sollen demnach im Dezember erfolgen, fünf Jahre vor der Frist.
Die Gesamtschulden des Unternehmens haben sich den Angaben zufolge von 95 Milliarden Dollar während des Insolvenzverfahrens bis Ende September auf 17 Milliarden Dollar verringert. In Deutschland schuldet GM Bund und Ländern nach Angaben von Europa-Finanzchef Enrico Digirolamo noch 400 Millionen Euro aus dem Überbrückungskredit, die der Konzern bis Ende November zurückzahlen will.
Die erste Rückzahlungsrate an die US-Regierung in Höhe von einer Milliarde Dollar soll daraufhin schon im Dezember erfolgen. Dem sollen jedes weitere Quartal je eine Milliarde Dollar folgen, bis die Gesamtschuld vollends abgestottert ist. Hinzu sollen 200 Millionen Dollar pro Quartal an die kanadische Regierung kommen. Ursprünglich hatte die Rückzahlung erst im Juli 2015 beginnen sollen.
Was nicht heißt, dass GM so bald wieder auf eigenen Füßen stehen kann. Der Konzern, sagte Henderson, werde auch auf lange Sicht noch ein Mündel des Staates bleiben. Durch die Finanzspritzen hält die US-Regierung derzeit 60,8 Prozent an GM und Kanada 11,7 Prozent.
Weltweit sind Autowerke nur zu 65 Prozent ausgelastet
Auch die anderen Probleme sind damit längst nicht gelöst. GMs Weltmarktanteil schrumpfte im Vergleich zum Vorjahresquartal von 13 auf 11,9 Prozent. "Sie sind noch nicht über den Berg", sagte ein Insider der "New York Times". Trotzdem plant GM den Börsengang mit dem Segen Washingtons - "in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres" (Henderson).
Alles in allem dürfte die Schrumpfkur für die globale Autoindustrie aber immer noch nicht zu Ende sein - unabhängige Prognosen sind da pessimistischer, als Henderson sich am Montag gab. Nach Berechnung der Analystenfirma CSM Worldwide produziert die Branche bis heute weit unter ihrer Kapazität, mit einer Auslastung von gerade mal 65 Prozent. Die Überkapazität entspräche mehr als 120 Werken. Selbst der erwartete Schub in den kommenden Jahren dürfte das nicht völlig ausgleichen.
"Es müssen Modelle verschwinden", forderte CSM-Europaexperte Mark Fulthorpe. Er kritisiert, dass sich die Konzerne vor den "großen Entscheidungen" drücken. "Stattdessen stellen wir nur die Möbel um."
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Den belgischen Medien zufolge waren es an die 30.000 Demonstranten, die heute in Brüssel für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Strasse gingen. Da sieht das Bild schon ein wenig anders aus... mehr...
So ticken halt Amerikaner. Alles toll, alles super, aber keine Entscheidungen. GM ist das Beispiel für Größenwahn. Jetzt will GM noch Mrd-Zuschüsse für Opel. Wie wird wohl der Überflussminister der FDP wohl darauf antworten. [...] mehr...
Zitat von Rainer Daeschler Genau das passiert im Prinzip, nur eben auf GMs Kosten, statt die des Steuerzahlers. Ich sprach ja auch nicht von der üblichen Grundversorgung von Automobilunternehmen in Deutschland durch die [...] mehr...
Ach so, und ich hab gedacht die Abwrackpraemie, Harz4 und Kurzarbeit das bezahlt der der Steuerzahler. Aber wenn ja nun GM die Ueberkapazitaeten bezahlt, dann koennen wir ja weitermachen wie bisher. mehr...
verursacht durch den Spinner Lopez vom Opus dei,dessen Mitarbeiter die Uhr am rechten Arm tragen MUSSTEN, hat Opel noch nicht zurückgefunden zur Anerkennung als solide Qualitätsmarke.Das ist auch berechtigt nach meinen [...] mehr...
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