Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Gerhard Strate hat schon einiges gesehen. Doch die Geschichte um die Kompass Life Fonds 1 und 2, die die
Deutsche Bank
2005 auflegte, findet selbst der renommierte Hamburger Rechtsanwalt "unglaublich" und "absurd". Die geschlossenen Fonds kauften Lebensversicherungen in den USA ein,
die die eigentlichen Inhaber loswerden wollten. Stirbt der ursprüngliche Police-Nehmer, geht die Auszahlungssumme an die Fonds, lautete das Kalkül dahinter.
Rund eine halbe Milliarde Euro sammelte die Deutsche Bank für das makabere Geschäft bei Kunden ein. Doch die Anlage wurde zum Megaflop. Bis heute gab es keine einzige Ausschüttung, zum Schluss bangten die Anleger um ihre gesamten Einlagen.
Rechtsanwalt Strate hat nun im Namen eines Investors Strafanzeige bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft gestellt. Ein Münchner Anwalt kündigt außerdem eine Strafanzeige für kommende Woche an, hinter der wohl mehrere Dutzend Mandanten stehen. Er bereitet auch Schadenersatzklagen für Anleger vor.
"Anleger sind wissentlich getäuscht worden"
Es bestehe der Verdacht, "dass von Vorneherein unter keinen realistischen Annahmen die versprochenen Ausschüttungen realisierbar waren", argumentiert Strate in seinem Schreiben an die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Zudem sei zu vermuten, dass Anleger, die in beide Fonds investierten über einen wichtigen Sachverhalt nicht aufgeklärt wurden: Dass beide Fonds in weiten Teilen in die gleichen Policen investieren würden und "damit praktisch keine Risikostreuung möglich war". Es könnte sich deshalb um Betrug oder zumindest Untreue handeln. "Das herauszufinden ist dann Aufgabe des Staatsanwaltes", sagt Strate.
Der Rechtsanwalt Karl-Georg von Ferber, der eine Anleger-Vereinigung vertritt, verweist auf den Jahresbericht des db Kompass Life I für 2006. Darin sind die gekauften Versicherungen genau aufgelistet. Nur für zwei der Assekuranzen war eine wahrscheinliche Laufzeit unter vier Jahren berechnet worden. Viele sollten den Berechnungen zufolge sogar erst nach zehn Jahren fällig werden. Im gleichen Prospekt wurde den Anlegern jedoch eine Rendite von 7,25 Prozent pro Jahr und bereits für 2007 saftige Auszahlungen in Aussicht gestellt. "Meines Erachtens sind die Anleger wissentlich getäuscht worden", sagt Ferber.
"Aktuelle Situation immer korrekt wiedergegeben"
Die Deutsche Bank will zu der Anzeige nicht Stellung nehmen. Das Geldhaus hatte die schlechte Entwicklung der Fonds jüngst mit der gestiegenen Lebenserwartung der Amerikaner begründet. Es seien deshalb "weniger Policen fällig geworden als erwartet", schrieb sie an die Anleger. Die entsprechenden Sterbetafeln von Experten, auf deren Basis die Banker ihre Fonds zusammen bastelten, hätten sich seit 2005 geändert, so die Begründung der Bank.
Ein Deutsche-Bank-Sprecher wies damals den Vorwurf der Täuschung entschieden zurück. Die Bank habe "in den Geschäftsberichten der Fonds die aktuelle Situation immer korrekt wiedergegeben". Die prognostizierten Lebenserwartungen könnten nicht als "absolute Zahlen" für die Berechnung der Cashflow-Situation hergenommen werden. Stattdessen hätten die Banker auch die Wahrscheinlichkeit früherer oder späterer Tode mit berechnet.
Den wütenden Investoren unterbreitete das Geldhaus kürzlich trotzdem ein Angebot - aus Kulanz, wie es hieß. Für 80 Prozent ihrer Ursprungsinvestition können sie sofort aus den Fonds aussteigen, in denen ihre Gelder eigentlich bis 2015 fest liegen. Die Entscheidungsfrist läuft in wenigen Tagen ab. Doch der Anleger, den Strate vertritt, will das Institut "nicht so billig davonkommen lassen".
Auf anderen Social Networks posten:
Die Geschäftsidee mit dem Ankauf der Lebensversicherungen wurde seinerzeit von einem sehr populären und von mir geschätzten Finanzanalytiker der FAZ untersucht und nach meiner Erinnerung durchaus positiv dargestellt - vor allem [...] mehr...
Was ist denn daran verachtenswert, der Käufer einer LV zu sein, dessen Inhaber sich danach seinen Lebensabend versüßt? Man darf nicht vergessen: es handelt sich hier nicht um kleine 70-80T USD Versicherungen, angekauft hat die [...] mehr...
...hat die DB als auch jeder einzelne Anleger nicht einen einzigen Cent Rendite verdient. Auf das Ableben anderer Menschen zu zocken ist verachtenswert und pietätlos. Moral, Anstand und Rücksichtnahme verschwinden immer mehr aus [...] mehr...
Volksverhetzung???? Wie kann man nur einen solchen Unsinn verzapfen. mehr...
Ganz einfach: Die DB verdient natürlich hauptsächlich durch die Gebühren /Aufschläge bei Verkauf und Verwaltung der Fondsanteile, wie bei jedem anderen Fonds. Und wenn sich dies in Grenzen hält sei es ihr gegönnt. Durch die [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Deutsche Bank | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH