Auto-Allianz
Volkswagen haucht Karman neues Leben ein
ddp
Embleme von Volkwagen und Porsche: Baldige Verschmelzung
Bei Volkswagen werden wichtige Entscheidungen in Serie gefällt: Der Aufsichtsrat des Autoriesen hat zentrale Details zur Übernahme von Porsche abgesegnet und Audi-Chef Rupert Stadler in den Vorstand berufen. Zudem steigt der Konzern beim insolventen Zulieferer Karmann ein.
Wolfsburg - Volkswagen hat einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Übernahme von Porsche gemacht. Der VW-Aufsichtsrat segnete das Vertragswerk ab, das organisatorische, strukturelle und rechtliche Einzelheiten des Zusammenschlusses regelt, wie VW in der Nacht zum Freitag mitteilte. Der Vorstand habe ein überzeugendes Konzept vorgelegt, hieß es dazu aus Arbeitnehmerkreisen. Der bekam am Freitag ein neues Mitglied:
Nach der Sitzung des VW-Kontrollgremiums soll sich am Freitag in Wolfsburg auch der Porsche-Aufsichtsrat mit den Durchführungsverträgen zur Bildung eines integrierten Autokonzerns befassen. Es wird erwartet, dass auch der Aufsichtsrat des Stuttgarter Sportwagenbauers zustimmt.
Im VW-Vorstand gibt es außerdem einige personelle Veränderungen: Der VW-Aufsichtsrat berief den 46-jährigen Audi-Chef Rupert Stadler in die oberste Konzernspitze. Außerdem soll
VW-Markenvorstand Christian Klingler in das Gremium aufrücken. Außerdem wurde der Vorstandsvertrag von Arbeitsdirektor Horst Neumann verlängert. Der bisherige Vertriebschef Detlef Wittig übernimmt internationale Beteiligungsprojekte.
VW will noch in diesem Jahr für rund vier Milliarden Euro mit knapp 50 Prozent beim Sportwagengeschäft von Porsche einsteigen. Dazu plant VW eine Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr 2010. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Dezember sollen die Aktionäre zustimmen. Im Laufe des Jahres 2011 sollen Volkswagen und Porsche miteinander verschmelzen. Porsche wird als zehnte Marke in den VW-Konzern eingegliedert.
Einstieg bei Karmann besiegelt
Porsche hatte sich mit der ursprünglich geplanten Übernahme von VW massiv verhoben und einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter mussten Ende Juli wegen der Belastungen durch die missglückte Übernahme von VW ihren Hut nehmen.
Nach einem zähen Machtkampf hatten sich die beiden Autokonzerne Mitte August auf eine Verschmelzung geeinigt. Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von VW übernommen und war in massive finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Neben der Verschmelzung mit Porsche hat Volkswagen auch den Einstieg beim insolventen Zulieferer Karman besiegelt. VW kauft Maschinen und Immobilien von Karmann und will in Osnabrück ab 2011 eine Fahrzeugproduktion starten. Dazu will der Konzern innerhalb der kommenden Wochen eine neue Tochtergesellschaft gründen, wie VW am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte.
Bis 2014 sollen dabei über 1000 Arbeitsplätze entstehen. "Die Mitarbeiter und ehemaligen Mitarbeiter der Firma Karmann verfügen über langjährige Erfahrung in der Produktion von Kleinserienmodellen, auf die entsprechend des Bedarfs zurückgegriffen werden soll", so das Unternehmen.
ssu/AFP/dpa/Reuters
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ZWEI KONZERNE IM VERGLEICH
Fahrzeugproduktion: 6,35 Millionen
Umsatz: 113,8 Milliarden Euro
Nettogewinn: 4,69 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 370.000
Marken: 9
Werke: 61
Fahrzeugproduktion: 0,105 Millionen
Umsatz: 7,47 Milliarden Euro
Nettogewinn: 6,39 Milliarden
Mitarbeiter: 12.200
Marken: 1
Werke: 2
PORSCHE VERSUS VOLKSWAGEN - CHRONIK EINES MACHTKAMPFS
25. September: Porsche beteiligt sich mit rund 20 Prozent an VW. Porsche begründet den Einstieg mit gemeinsamen Projekten beider Firmen wie etwa dem Bau des Geländewagens Cayenne.
15. November: Porsche stockt den Anteil auf bis zu 29,9 Prozent auf.
24. März: Der Sportwagenbauer stockt seinen Anteil für knapp eine Milliarde Euro erneut auf und hält 31 Prozent.
3. August: Der Volkswagen-Betriebsrat will die Mitbestimmungsvereinbarung der Porsche-Holding kippen, weil sie nach seiner Ansicht zu Lasten der VW-Belegschaft geht. Die 12.000 Beschäftigten des Sportwagenbauers sollen in der Holding in wichtigen Fragen die gleichen Rechte haben wie die rund 360.000 VW-Mitarbeiter.
16. September: Porsche übernimmt die Kontrolle bei Volkswagen. Mit der Aufstockung der VW-Anteile auf 35,14 Prozent erlangen die Stuttgarter die faktische Kontrolle über Europas größten Fahrzeughersteller.
26. Oktober: Porsche kündigt an, seinen Anteil an VW im Jahr 2008 auf 50 Prozent und im Jahr 2009 auf 75 Prozent aufstocken zu wollen und einen Beherrschungsvertrag anzustreben. Der Sportwagenbauer hält zu diesem Zeitpunkt 42,6 Prozent der VW-Stammaktien sowie zusätzliche 31,5 Prozent in Optionen.
27. Oktober: Der Kurs der VW-Aktie schießt in die Höhe. Offenbar hat die Porsche-Mitteilung Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt, die nun gegen ihren Willen zum Aktienkauf gezwungen sind.
29. Oktober: Porsche gibt VW-Optionen frei, um die Spekulationsblase platzen zu lassen. Der Kurs sinkt.
5. Januar: Porsche baut seinen Anteil an Volkswagen auf 50,76 Prozent aus.
28. Januar: Die Konzernbetriebsräte von Porsche und Volkswagen erklären ihren Streit über die Mitbestimmung für beendet.
25. März: Porsche sichert sich zur Aufstockung seiner Anteile bei Volkswagen eine neue Kreditlinie von zehn Milliarden Euro. Der Kreditrahmenvertrag erlaubt sogar ein Volumen von 12,5 Milliarden Euro.
6. Mai: Nach einem Treffen der Eigentümerfamilien verzichtet der überschuldete Sportwagenbauer Porsche auf eine Übernahme von Volkswagen und will mit dem Wolfsburger Unternehmen stattdessen einen gemeinsamen Konzern gründen. Näheres wie zur Gesellschaftsform, dem Firmensitz oder dem Führungspersonal soll in den nächsten vier Wochen geklärt werden.
11. Mai: Auf Arbeitsebene finden erste Gespräche zwischen Porsche und Volkswagen statt.
12. Mai: Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech sorgt mit Äußerungen über den mutmaßlichen Unternehmenssitz sowie einen möglichen Preis bei Porsche für Empörung.
13. Mai: Porsche-Betriebsratschef Hück kritisiert Piech scharf.
15. Mai: Auf einer Porsche-Betriebsversammlung werden Protestaktionen gegen Piech für Montag, den 18. Mai, beschlossen.
17. Mai: Volkswagen sagt die für tags darauf angesetzte nächste Gesprächsrunde auf Arbeitsebene ab.