Stockholm/Berlin - GM-Chef Fritz Henderson in der Rolle des Brüskierten: Der Verkauf der defizitären schwedischen Konzerntochter Saab schien längst beschlossen - doch am späten Dienstagnachmittag kam die ernüchternde Nachricht. Im Zuge eines "plötzlichen Kurswechsels" (Henderson) habe der schwedische Sportwagenbauer Koenigsegg sein Angebot zurückgezogen, teilte General Motors in Detroit mit. Henderson blieb nicht mehr, als seine "Enttäuschung" kundzutun. Sein Konzern werde nun in den kommenden Tagen über das weitere Vorgehen mit Saab beraten.
Zu den Gründen für die Absage machte GM zunächst keine Angaben. Der 1947 gegründete Autobauer Saab hatte im Februar Insolvenz angemeldet. Der schwedische Luxus-Sportwagenbauer Koenigsegg wollte Saab kaufen und sanieren. Im September hatte Koenigsegg bekanntgegeben, dass sich der chinesische Autobauer BAIC an dem Geschäft beteiligen wolle, weil der Kaufinteressent alleine nicht genug Geld für den Kauf von Saab habe.
Damit steht die Zukunft von Saab aufs Neue in Frage. Das Unternehmen beschäftigt in Schweden 3400 Mitarbeiter, bei Zulieferern sind weitere 12.000 Menschen tätig. 2008 erwirtschafteten die Schweden einen Verlust von 293 Millionen Euro.
Erleichterung in Bochum und Kaiserslautern
Derweil können die Beschäftigten der Opel-Werke in Bochum und Kaiserslautern - zumindest vorübergehend - aufatmen. Nach einem Treffen mit dem nordrhein-westfälischen Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) sagte GM-Europa-Chef Nick Reilly am Dienstag, dass das Opel-Werk Bochum ein "wichtiger Standort" von GM bleibe. Auch Kaiserslautern werde "eine wichtige Rolle in der Zukunft von Opel spielen", sagte er nach einem Gespräch mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) in Mainz. GM wolle europaweit aber bis zu 9500 der insgesamt rund 50.000 Stellen streichen. Zudem müsse ein Fünftel der Produktionskapazitäten abgebaut werden. Details will Reilly am Mittwoch mit dem Opel-Gesamtbetriebsrat besprechen.
Mit Blick auf Kaiserslautern verwies Reilly auf eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat, die noch aus Zeiten vor den Verhandlungen mit Magna stamme. Dieser sogenannte Zehn-Jahres-Plan müsse umgesetzt werden, damit der Standort "weltweit konkurrenzfähig" werde.
Kredite zurückgezahlt
Ministerpräsidenten Beck sagte, dass die Überprüfung des Motorenwerks Powertrain "die größere Herausforderung" darstelle. Reilly habe aber zugesagt, ein Gesamtkonzept vorzulegen. Wenn dies gesehen sei, könne man auch über eventuell benötigte staatliche Hilfen reden. Die Landesregierung sei jedenfalls "bereit und willens, alles zu tun", was in ihrer Macht stehe, um die Standorte zu retten. In Kaiserslautern sind rund 2300 Menschen im Komponentenwerk und 1100 im Motorenwerk beschäftigt.
Derweil sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Deutschen Arbeitgebertag, dass mit der Rückzahlung der letzten Tranche der Steuerzahler "bis zum heutigen Tag keinen Cent an all den Opel-Operationen verloren" habe. Dabei verteidigte sie erneut die Staatshilfe. "Es war absolut richtig in der Zeit, in der General Motors überhaupt nicht in der Lage war, sich um Opel in Europa zu kümmern, hier eine Brücke zu bauen", sagte die Kanzlerin.
Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" unter Berufung auf Regierungs- und Konzernkreise hat GM in der Spitze 1,2 Milliarden Euro des Kreditrahmens in Anspruch genommen. Dafür seien 28 Millionen Euro an Zinsen fällig geworden. Die letzte Rate habe sich auf 400 Millionen Euro belaufen. Damit könne nun auch die Opel-Treuhand aufgelöst werden, bei der 65 Prozent der Firmenanteile für einen Investor geparkt worden waren.
mik/AFP/Reuters/ddp/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
Den belgischen Medien zufolge waren es an die 30.000 Demonstranten, die heute in Brüssel für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Strasse gingen. Da sieht das Bild schon ein wenig anders aus... mehr...
So ticken halt Amerikaner. Alles toll, alles super, aber keine Entscheidungen. GM ist das Beispiel für Größenwahn. Jetzt will GM noch Mrd-Zuschüsse für Opel. Wie wird wohl der Überflussminister der FDP wohl darauf antworten. [...] mehr...
Zitat von Rainer Daeschler Genau das passiert im Prinzip, nur eben auf GMs Kosten, statt die des Steuerzahlers. Ich sprach ja auch nicht von der üblichen Grundversorgung von Automobilunternehmen in Deutschland durch die [...] mehr...
Ach so, und ich hab gedacht die Abwrackpraemie, Harz4 und Kurzarbeit das bezahlt der der Steuerzahler. Aber wenn ja nun GM die Ueberkapazitaeten bezahlt, dann koennen wir ja weitermachen wie bisher. mehr...
verursacht durch den Spinner Lopez vom Opus dei,dessen Mitarbeiter die Uhr am rechten Arm tragen MUSSTEN, hat Opel noch nicht zurückgefunden zur Anerkennung als solide Qualitätsmarke.Das ist auch berechtigt nach meinen [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Opel-Krise | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH