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25.11.2009
 

Sanierungsplan für Opel

GM streicht mehr als 5000 Jobs in Deutschland

Der Sanierungsplan steht: General Motors will die Kapazitäten bei Opel um 20 Prozent senken, sagte GM-Europa-Chef Nick Reilly auf einer Pressekonferenz. In Europa fallen knapp 9000 Stellen weg, 50 bis 60 Prozent davon in Deutschland. Laut Opel-Betriebsratschef Franz sind 5100 Stellen bedroht.

Wiesbaden - Auf die Opel-Belegschaft kommen harte Einschnitte zu: Bis zu 9000 Stellen will der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) in Europa streichen. Das gab GM-Europa-Chef Nick Reilly am Mittwochnachmittag auf einer Pressekonferenz in Rüsselsheim bekannt.

50 bis 60 Prozent dieser Stellen sollen den derzeitigen Plänen zufolge in Deutschland wegfallen - das wären schlimmstenfalls 5400 Jobs. Einen Bericht der Nachrichtenagentur dpa, dass in Deutschland 5300 Jobs wegfallen, bestätigte der Manager nicht direkt. Er sagte nur, der Wert entspreche ungefähr den Rechnungen des Unternehmens.

Sehr konkrete Zahlen nannte dagegen Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Seinen Angaben zufolge fallen in Deutschland rund 5100 Jobs weg und in Europa insgesamt genau 8684 Stellen.

  • In Rüsselsheim werden seinen Angaben zufolge 862 Jobs in der Fertigung wegfallen, dazu 1300 in der Administration und 548 im Engineering.
  • In Bochum seien 1799 Stellen bedroht.
  • In Eisenach stünden 300 Arbeitsplätze zur Disposition.
  • In Kaiserslautern seien es ebenfalls 300.

Laut Reilly sind alle Angaben zum Arbeitsplatzabbau vorläufig. Viele Details müssten noch geklärt werden. Dafür solle es aber weitere Beratungen mit den Beschäftigten geben. Mit einem endgültigen Ergebnis rechne er "in zwei bis drei Wochen".

Durch Umstrukturierungen im Konzern wolle GM die Kapazitäten um 20 Prozent verringern, sagte Reilly weiter. Der Wettbewerb am Automarkt sei stark gestiegen. Dazu müsse man einen Geschäftsplan entwickeln, der Opel langfristig wettbewerbsfähig mache. Restrukturierungen seien nötig. GM erwarte sowohl von der Belegschaft als von den europäischen Regierungen von Ländern mit GM-Standorten Sanierungsbeiträge, betonte Reilly. Laut Franz verlangt GM rund 265 Millionen Euro jährlich von den Arbeitnehmern.

GM hatte seinen Sanierungsplan zunächst den Arbeitnehmern präsentiert. In weiten Teilen baut das GM-Konzept auf dem Plan des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna auf, der Opel übernehmen wollte.


Franz zeigte sich über Reillys Äußerungen erbost. Mit rauen Worten kommentierte er den Umstrukturierungsplan auf einer zweiten Pressekonferenz in Rüsselsheim. "Die Form der Information war sowas von chaotisch", sagte er über die Verhandlungen mit GM. Man wolle sich jetzt "anwaltlich vertreten lassen", weil die Informationsrichtlinien der EU "in keinster Weise" eingehalten worden seien.

Alle deutschen Standorte vorerst gerettet

Immerhin: Standortschließungen drohen in Deutschland vorerst nicht. Bereits am Vormittag hatte Reilly garantiert, alle vier deutschen Werke weiterbetreiben zu wollen. Die Existenz des Werks in Antwerpen (siehe Karte linke Spalte) ist dagegen gefährdet. Bis zu 2100 Stellen sind dort laut Franz bedroht.

Nach den Standortgarantien für Deutschland dürften GMs Chancen auf Staatshilfen gestiegen sein. Am weitesten in seinen Äußerungen ging bisher der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering. Er sagte im SWR, man könne anbieten, was man "auch beim Magna-Konzept gemacht" habe. Auch die Ministerpräsidenten der anderen Bundesländer mit Opel-Werken schlossen Hilfen nicht aus.

Der Umfang möglicher Unterstützungsleistungen ist allerdings noch völlig offen. Reilly bezifferte die Sanierungskosten erneut auf rund 3,3 Milliarden Euro. Laut einer Studie der Rating-Agentur Moody's muss General Motors dagegen bis zu 8,5 Milliarden Dollar aufbringen.

Autoexperte hält Werkschließung für unausweichlich

GMs Restrukturierungspläne sieht der Autoexperte Willi Diez kritisch. Die massiven Stellenstreichungen bei Opel reichen seiner Ansicht nach zur Rettung des Autobauers nicht aus. "General Motors müsste ein Werk schließen", sagte der Spezialist vom Institut für Automobilwirtschaft. "Jobs nach dem Rasenmäherprinzip zu streichen, ist der falsche Weg." Mit dieser defensiven Strategie verschlechtere GM die Auslastung und den Ausstoß der Werke, während die Kosten hoch blieben.

Um Opel zu sanieren, will GM nicht nur Jobs abbauen. Laut Reilly plant der Konzern zudem, die Managementstrukturen in der künftigen Zentrale Rüsselsheim radikal zu vereinfachen. Derzeit wird das Deutschland-Geschäft von GM auf zwei Managementebenen geführt, künftig soll es nur noch eine geben. Reilly bekräftigte außerdem die Bedeutung Rüsselsheims mit dem technischen Entwicklungszentrum: Wie wichtig der Standort für GM sei, zeige der geplante Umzug der Europazentrale von Zürich an den Opel-Stammsitz, sagte er.

Mit der Rückzahlung der letzten Rate eines deutschen Überbrückungskredits liegt Opel seit Dienstag wieder ganz in der Hand des US-Mutterkonzerns GM. Dadurch kann die Opel-Treuhand aufgelöst werden, bei der 65 Prozent der Firmenanteile für einen möglichen Käufer geparkt worden waren. Insgesamt belief sich der Kreditrahmen auf 1,5 Milliarden Euro.

ssu/ase/AP/dpa/Reuters

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29.01.2010 von quibus48: Nur einige Hundert?

Den belgischen Medien zufolge waren es an die 30.000 Demonstranten, die heute in Brüssel für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Strasse gingen. Da sieht das Bild schon ein wenig anders aus... mehr...

19.01.2010 von japan10:

So ticken halt Amerikaner. Alles toll, alles super, aber keine Entscheidungen. GM ist das Beispiel für Größenwahn. Jetzt will GM noch Mrd-Zuschüsse für Opel. Wie wird wohl der Überflussminister der FDP wohl darauf antworten. [...] mehr...

19.01.2010 von Rainer Daeschler:

Zitat von Rainer Daeschler Genau das passiert im Prinzip, nur eben auf GMs Kosten, statt die des Steuerzahlers. Ich sprach ja auch nicht von der üblichen Grundversorgung von Automobilunternehmen in Deutschland durch die [...] mehr...

19.01.2010 von caheid: ..

Ach so, und ich hab gedacht die Abwrackpraemie, Harz4 und Kurzarbeit das bezahlt der der Steuerzahler. Aber wenn ja nun GM die Ueberkapazitaeten bezahlt, dann koennen wir ja weitermachen wie bisher. mehr...

18.01.2010 von Kampfbuckler: Nach dem Qualitätseinbruch

verursacht durch den Spinner Lopez vom Opus dei,dessen Mitarbeiter die Uhr am rechten Arm tragen MUSSTEN, hat Opel noch nicht zurückgefunden zur Anerkennung als solide Qualitätsmarke.Das ist auch berechtigt nach meinen [...] mehr...

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