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26.11.2009
 

Emirat in der Krise

Golfstaaten fürchten Folgen des Dubai-Schocks

Die Nachricht von massiven Geldproblemen des Emirats Dubai hat die Finanzmärkte weltweit tief ins Minus gerissen. Das Ende des Booms könnte fatale Folgen haben: Analysten warnen vor einem Übergreifen der Krise auf andere Golfstaaten - und einem globalen Dominoeffekt.

Dubai/Frankfurt am Main - Es war nur eine Bitte um Zahlungsaufschub, aber die Folgen sind nicht nur katastrophal, sondern auch global zu spüren: Die Geldnöte des einst boomenden Golfemirats Dubai haben am Donnerstag weltweit die Börsen auf Talfahrt geschickt. Der Deutsche Aktienindex Dax brach genau wie der FTSE 100 in London und der französische CAC 40 um mehr als drei Prozent ein. Auch die asiatischen Börsen schlossen deutlich schwächer. Der Index in Schanghai verzeichnete seinen höchsten Tagesverlust seit fast drei Monaten. Islamische Finanzprodukte in Asien fielen im Schnitt sogar um 15 Prozent.

Der Dax sackte bis zum Handelsschluss um 3,25 Prozent auf 5.614 Punkte ab und erlitt damit die heftigsten Kursverluste seit Wochen. Kein einziger Wert des Leitindexes konnte zulegen. Besonders litten die Anteilsscheine von Volkswagen Chart zeigen (minus 6,2 Prozent), an dem das Emirat Katar Anteile hält, und von Daimler Chart zeigen (-4,6 Prozent), an dem das Emirat Dubai beteiligt ist. Größter Verlierer des Tages waren Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen, die um fast 6,4 Prozent nachgaben. Das größte deutsche Finanzinstitut ist offenbar stark in der Golfregion engagiert. Da die US-Börsen wegen des Feiertags "Thanksgiving" geschlossen blieben und auch keine Konjunkturdaten auf der Agenda standen, war der Handel aber ruhig. Allerdings gaben auch die Ölpreise deutlich nach.

"Die Nachrichten aus Dubai sind heute morgen wie aus heiterem Himmel gekommen", sagte der Frankfurter Händler Norbert Empting von der Schnigge Wertpapierhandelsbank. "Sie haben uns die Finanzkrise wieder in Erinnerung gerufen, die wir schon zur Seite geschoben hatten." Entsprechend schlecht sei die Stimmung am verunsicherten Markt, der wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen sei.

Staatsfonds hat fast 40 Milliarden Euro Schulden

Empting warnte davor, die Tragweite der Nachrichten zu unterschätzen: "Dubai hat bisher als eine der ersten Adressen gegolten - jetzt kommen alle Unternehmen wie etwa Daimler ins Gespräch, bei denen es Beteiligungen aus Nahost gibt." Auch internationale Analysten beurteilten das Ausmaß der Entwicklung ähnlich. "Das Schuldendebakel von Dubai und die daraus entstandene Unsicherheit hat einen starken Dominoeffekt gehabt", sagte David Buik von BCG Partners in London.

Dubai wurde vor einem Jahr am härtesten von allen Golfstaaten von der Finanzkrise gebeutelt. Inzwischen liegen Dutzende Bauprojekte in dem einstigen Boom-Staat auf Eis, und Gastarbeiter verließen in Massen das Land. Das staatseigene Konglomerat Dubai World und seine Immobilientochter Nakheel, die die berühmte künstliche Insel "Palm Jumeirah" baut, sind besonders stark betroffen.

Am Mittwoch hatte der mit etwa 60 Milliarden Dollar (knapp 40 Milliarden Euro) verschuldete Staatsfonds Dubai World seine Gläubiger um einen mindestens sechsmonatigen Zahlungsaufschub gebeten und damit die internationalen Finanzmärkte geschockt. Die Regierung des Emirats begründete die Bitte um Zahlungsaufschub mit einer notwendigen Restrukturierung des Fonds.

Experten fürchten Übergreifen auf andere Golfstaaten

Insgesamt hatte das Emirat 2008 Außenstände in Höhe von schätzungsweise 80 Milliarden Dollar. Nach Ansicht von Experten könnte es nun Jahrzehnte dauern, bis die Begeisterung der Investoren an Geschäften in und mit dem Wüstenstaat zurückkehrt. Denn bislang gingen Investoren und Analysten davon aus, dass Dubai seine hohen Schulden fristgemäß begleichen würde.

Fraglich ist nun, ob auch weitere Gläubiger der Firmenkonsortien des Emirats auf die Rückzahlung ihres Geldes werden warten müssen. Dubai muss im kommenden Jahr Schulden in Höhe von 13 Milliarden Dollar begleichen, 2011 sind es sogar 19,5 Milliarden Dollar. Nach Schätzungen der Schweizer Bank Crédit Suisse sind auch europäische Banken mit 13 Milliarden Euro in dem Golfstaat engagiert. Unter ihnen ist demnach auch die Deutsche Bank.

Was die Entwicklung Dubais besorgniserregend macht, ist die Tatsache, dass viele Investoren ein mögliches Übergreifen der Finanznöte auf andere Golfstaaten fürchten. Auch Dubais Ruf als Magnet für internationale Investitionen wurde erschüttert. In einer Einschätzung der Washingtoner Eurasia Group hieß es, falls Dubai World tatsächlich seine Zahlungen einstellen müsse, werde dies "sehr ernste negative Auswirkungen auf die Staatsverschuldung von Dubai, auf Dubai World und das Vertrauen in die Märkte in den gesamten Vereinigten Arabischen Emiraten haben".

böl/AP/AFP/dpa-AFX

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