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27.11.2009
 

Emirat in Finanznöten

Wall Street reagiert mit Ausverkauf

Shopping Mall in Dubai: "Wenn es in Dubai geschieht, wer ist dann nicht anfällig?"Zur Großansicht
REUTERS

Shopping Mall in Dubai: "Wenn es in Dubai geschieht, wer ist dann nicht anfällig?"

Das Dubai-Beben setzt sich auch an der Wall Street fort: Wegen Thanksgiving mussten US-Investoren einen Tag zusehen, wie die Börsen weltweit in den Keller rauschten - jetzt holen sie alles in den ersten Handelsstunden nach. Am schlimmsten ist die Unsicherheit, was noch kommen könnte.

New York/Frankfurt am Main/Tokio - Wegen der Geldnöte des Emirats Dubai sind die Aktienmärkte in New York am Freitag mit deutlichen Kurseinbußen in den Handel gestartet. Vor allem Finanz-, Bau- und Autowerte gerieten unter Druck. Der Dow Jones Chart zeigen gab in den ersten Handelsminuten 2,1 Prozent auf 10.248 Zähler nach. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 2,3 Prozent auf 1084 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq Composite Chart zeigen büßte gar 2,6 Prozent auf 2119 Punkte ein.

Da die US-Börsen wegen des Feiertags Thanksgiving am Donnerstag geschlossen waren, konnten sie noch nicht auf die am Mittwoch bekanntgewordenen Zahlungsschwierigkeiten des einstigen Boom-Emirats reagieren wie andere Märkte, die zuvor tief ins Minus gerutscht waren.

Dubais Zahlungskrise könnte die Märkte noch lange in Atem halten, warnte der Analyst Peter Kenny von Knight Equity Markets. "Was sich niemand ausmalen mag, ist die Frage, ob die Zahlungsschwierigkeiten ansteckend sind. Wenn es in Dubai geschieht, wer ist dann nicht anfällig?" Zu den größten Verlierern gehörten die Geldhäuser Bank of America Chart zeigen und JP Morgan Chase Chart zeigen. BoA-Titel gaben mehr als vier Prozent ab, die von JP Morgan mehr als drei. Der Branchenindex Select Sector SPDR Financial ETF fiel ebenfalls um mehr als drei Prozent.

In Japan, China und Korea hatten die Börsen den Handelstag mit neuerlichen Kursverlusten eingeleitet. In Tokio rutschte der Nikkei Chart zeigen am Freitag um 3,2 Prozent auf 9081,52 Zähler. So tief lag er seit vier Monaten nicht mehr. Der Hang-Seng-Index in Hongkong und der südkoreanische Aktienindex Kospi fielen jeweils um fast fünf Prozent. Der Shanghaier Composite Index verlor 2,36 Prozent.

In Europa beruhigten sich Kurse dagegen wieder, nachdem sie nach Bekanntwerden der Schreckensnachricht deutlich nachgegeben hatten. Zu Börsenbeginn fiel der Dax Chart zeigen zunächst um 1,34 Prozent auf 5539 Zähler, am Mittag hatte er sich etwas erholt und lag sogar leicht im Plus.

Am Vortag war der deutsche Leitindex bereits um 3,25 Prozent abgerutscht.Die Nachricht von den massiven Geldproblemen im Luxusparadies Dubai hatte die Finanzwelt am Donnerstag wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Nach dem Beginn der Finanzkrise hatte sich die Führung des Landes noch bemüht, die Probleme geheim zu halten. Jetzt musste das arabische Emirat die Gläubiger der Holding-Gesellschaft Dubai World und ihrer Tochterfirma Nakheel um Zahlungsaufschub bitten. Damit wurde klar: Dem Staatsunternehmen steht das Wasser bis zum Hals, die Scheichs haben sich übernommen.

Insgesamt soll Dubai World Schulden von rund 60 Milliarden Dollar angesammelt haben. Hauptgrund für die aktuellen Zahlungsschwierigkeiten Dubais ist nach Experteneinschätzung der Niedergang des Immobiliensektors - eine Folge der Finanzkrise.

Deutsche Unternehmen scheinen bislang nur wenig von der Krise betroffen zu sein. ThyssenKrupp Chart zeigen und Hochtief Chart zeigen machen sich nach eigenen Angaben wenig Sorgen, obwohl das Geld bei den Scheichs knapp wird. "Wir gehen davon aus, dass sich aus der Finanzkrise in Dubai keine nennenswerten Auswirkungen auf Hochtief ergeben", sagte ein Hochtief-Sprecher am Freitag in Essen.

Auch die beiden größten deutsche Banken sind nach Angaben aus Finanzkreisen nur wenig von der Krise betroffen. Die Deutsche Bank Chart zeigen habe überhaupt kein Engagement bei Dubai World, hieß es. Das der Commerzbank Chart zeigen sei zu vernachlässigen. Auch der Immobilienfinanzierer Aareal Bank Chart zeigen ist einem Sprecher zufolge überhaupt nicht von den Problemen am Golf tangiert.

In Dubai habe das lokale Bauunternehmen Al Habtoor, an dem die Hochtief-Tochter Leighton einen Anteil von 45 Prozent hält, nur zwei "vergleichsweise marginale Projekte". Die ausstehenden Forderungen liegen laut dem Sprecher unterhalb von 20 Millionen australischen Dollar. In Euro liege der effektive Wert bei nahezu Null, ziehe man in Betracht, dass Hochtief wiederum nur 55 Prozent Anteil an Leighton halte.

Die Nachrichten aus Dubai hatten auch Auswirkungen auf den Ölpreis. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) sank am Freitagmittag auf 73,88 Dollar und lag damit um 4,08 Dollar unter dem Preis zum Handelsschluss am Donnerstag.

mik/dpa-AFX/Reuters/AFP

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