München - Der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) entwickelt sich immer mehr zum Milliardengrab: Erst zwang er den Handy-Riesen Nokia zu gewaltigen Abschreibungen - jetzt reißt er auch Siemens ein Loch in die Bilanz. Der Elektronikkonzern Siemens hat durch Abschreibungen auf NSN im vierten Quartal einen Verlust von gut 1,1 Milliarden Euro eingefahren, nach einem Minus von 2,42 Milliarden im Vorjahr. Das teilte Siemens am Donnerstag mit.
Dabei belastete das verlustbringende Joint-Venture das Ergebnis im vierten Quartal mit 1,96 Milliarden Euro. Auch vor einem Jahr hatten Sonderbelastungen in Höhe vier Milliarden Euro, insbesondere aus dem Konzernumbau, Siemens tief in die roten Zahlen gedrückt.
Dieses Ergebnis ist doppelt bitter, denn operativ schlug sich Siemens in der Wirtschaftskrise sogar etwas besser als erwartet. Das Ergebnis der Sektoren kletterte im Schlussquartal 2008/09 dank Einsparungen um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Der Auftragseingang gab um 16 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro nach, und der Umsatz fiel um neun Prozent auf 19,7 Milliarden Euro.
Im gesamten Geschäftsjahr verdiente Siemens rund 2,5 Milliarden Euro, gut 58 Prozent weniger als 2008. Das Ergebnis der Sektoren betrug rund 7,5 Milliarden Euro. Der Umsatz blieb mit 76,7 Milliarden Euro nahezu stabil, die Aufträge brachen um 16 Prozent auf rund 79 Milliarden Euro ein. Das Unternehmen will für 2008/09 dieselbe Dividende ausschütten wie im Vorjahr: 1,60 Euro je Aktie.
Konzernchef Peter Löscher deutete die Zahlen positiv. "In schwierigstem Umfeld hat Siemens im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern 2009 sehr gut abgeschnitten", sagte er. Analysten teilen diese Ansicht: Sie hatten mit einem weit schlechteren Ergebnis gerechnet.
Sein Ausblick für 2010 fiel dennoch verhalten aus: "Insgesamt bleibt das Marktumfeld herausfordernd", sagte Löscher. Für das kommende Jahr rechnet er mit einem Sektorenergebnis zwischen sechs und 6,5 Milliarden Euro. Der Umsatz 2010 dürfte nach Angaben des Unternehmens im mittleren einstelligen Prozentbereich schrumpfen. "Um die Geschäfte nachhaltig zu sichern, die von der Krise besonders betroffen sind, führen wir notwendige Maßnahmen konsequent fort", sagte Löscher.
Nokia Siemens Networks unterliegt im Rennen um Nortel-Sparte
Beim Joint Venture NSN zumindest ist vorerst keine Besserung in Sicht. Im Streit über die Übernahme einer Sparte für optische Netzwerke des insolventen kanadischen Netzwerkausrüsters Nortel hat NSN gerade eine Niederlage erlitten. Nach langwierigen Debatten vor einem Konkursgericht in New York zogen die Gläubiger am Mittwoch ihre Einsprüche zurück und ermöglichten so den Verkauf der Sparte an den Nokia-Siemens-Rivalen Ciena.
Ciena übernimmt die Sparte für 769 Millionen Dollar. Zuvor hatte Nokia Siemens gerade sein Angebot auf 810 Millionen Dollar für den Fall erhöht, dass das Bieterverfahren noch einmal eröffnet wird und beim zuständigen Konkursgericht Einspruch gegen den Verkauf der Sparte an Ciena eingelegt. Zu einer Wiedereröffnung des Bieterverfahrens kommt es nun aber nicht mehr.
Ciena hat Nokia Siemens am 22. November mit dem Gebot über insgesamt 769 Millionen Dollar ausgestochen. Dabei wollte der US-Konzern 239 Millionen Dollar Schulden übernehmen. Nokia Siemens war gemeinsam mit dem Finanzinvestor One Equity Partners angetreten und hatte zuletzt 770 Millionen Dollar geboten. Der kanadische Netzwerkausrüster Nortel ging im Januar im Sog der Wirtschaftskrise in Konkurs.
ssu/AP/dpa/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Siemens | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH