Von Matthias Schepp und Wladimir Pyljow, Moskau
Es ist ein unrühmliches Ende für den ehemaligen Besitzer der Wadan-Werften in Mecklenburg-Vorpommern: Der russische Geschäftsmann Andrej Burlakow ist nach Informationen von SPIEGEL ONLINE in der vergangenen Woche in Moskau festgenommen worden und sitzt im Untersuchungsgefängnis "Butyrka". Ihm und seinem Geschäftspartner wird Betrug vorgeworfen.
Burlakow hatte die ehemaligen Wadan-Werften (heute Nordic Yards) in Wismar und Rostock-Warnemünde im Juli 2008 für 249 Millionen Euro vom norwegischen Konzern Aker Yards gekauft und in Wadan Yards umbenannt. Er versprach Aufträge in Milliardenhöhe, konnte diese aber nicht an Land ziehen - im Gegenteil: Das Unternehmen mit 2400 Arbeitern musste Insolvenz anmelden.
Danach übernahm ein anderer Moskauer Geschäftsmann die Werften für 40 Millionen Euro: Witalij Jussufow, Sohn des Gazprom-Vorstandes und Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten für Energiezusammenarbeit, Igor Jussofow. Der junge Jussufow hatte zuvor als Moskauer Büroleiter des Ostsee-Pipeline Konsortiums Nordstream gearbeitet. Immer wenn Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Gazprom-Chef Alexej Miller im Nordstream-Aktionärsausschuss zusammentrafen, führte Jussufow Protokoll.
Ursprünglich 240 Millionen Euro Staatshilfen
Nach dem Erwerb der Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde durch Burlakow hatte der SPIEGEL enthüllt, dass für den Kauf und über ein Geflecht von Briefkastenfirmen in Luxemburg sowie den Steueroasen British Virgin Islands und Zypern offenkundig Gelder aus dem russischen Staatsunternehmen FLC abgezweigt worden waren.
Moskauer Strafermittlungsbehörden hatten Anfang Juni Ermittlungen wegen "Betrugs in besonders großer Höhe" eingeleitet. Dem Management von FLC, zu dem Burlakow und sein Geschäftspartner Jewgenij Saritzki gehörten, werfen sie vor "von Februar bis August 2008 mit Scheinfirmen Kreditverträge ohne Deckung abgeschlossen zu haben".
Die Bundesregierung hatte die Werften mit einem vom Bund verbürgten Kredit über 180 Millionen unterstützt, die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern war mit einem Darlehen von 60 Millionen Euro eingesprungen.
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