Stuttgart - Die IT-Branche soll es richten: Nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) birgt der Sektor große Chancen für den Arbeitsmarkt. In den kommenden zehn Jahren könnten europaweit eine Million neuer Jobs in der Branche entstehen, sagte Brüderle in Stuttgart beim vierten Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung. Er berief sich auf eine Studie der OECD. Ein Drittel der Stellen könnte demnach in Deutschland geschaffen werden.
Die Branche könne ein "Turbo" für die wirtschaftliche Entwicklung sein, sagte Brüderle. Als Jobmotor könne der IT-Sektor drohende Arbeitsplatzverluste anderer Branchen mehr als ausgleichen.
Möglich werden soll das Job-Wunder durch den Ausbau von schnellen Internetverbindungen. Die Branche werde dafür ein Investitionsvolumen von rund 40 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, kündigte Brüderle in der sogenannten "Stuttgarter Erklärung" auf dem IT-Gipfel an. Nach Angaben des Ministers will die Bundesregierung bis zur Sommerpause eine einheitliche Strategie für die Informations- und Kommunikationstechnologie vorlegen.
Branchenverbände stützen Erwartungen
Nicht nur der Minister träumt vom digitalen Job-Wunder: Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) könnten allein in Deutschland bis Ende 2014 rund 400.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. "Die erfolgreiche Einbindung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Industrie und Gesellschaft entscheidet über unsere Zukunftsfähigkeit", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel.
Der Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer, fügte hinzu, in den Segmenten Software und Consulting seien in den vergangenen fünf Jahren bundesweit 100.000 Arbeitsplätze entstanden. Laut Prognosen seien in den kommenden fünf Jahren ebenso viele zu erwarten. Die Branche habe zudem noch 20.000 offene Stellen. Die Krise habe das Problem des Fachkräftemangels nur gemildert, nicht beseitigt. Scheer fügte hinzu, Deutschland liege an zweiter oder dritter Stelle beim Konsum von Hightech. "Was uns fehlt ist, die gleiche Bedeutung auf der Produzentenseite."
Der Chef von Europas führendem Software-Hersteller SAP, Léo Apotheker, forderte bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation. Außerdem müssten die Ergebnisse der Leuchtturmprojekte marktfähig gemacht werden. Nur dann könne Deutschland auch im IT- Sektor weiter Exportweltmeister sein.
Netzausbau für den Klimaschutz
Die Erwartungen der Experten gehen sogar noch weiter. So sollen die Infrastruktur-Investitionen nicht nur den vorsichtigen Wirtschaftsaufschwung stützen, sondern auch noch das Klima schützen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die passend zur Klimakonferenz in Kopenhagen auf dem IT-Gipfel vorgestellt wurde. Moderne Informations- und Kommunikationstechnik könne bis zum Jahr 2020 dazu beitragen, dass der CO2-Ausstoß um bis zu 25 Prozent sinke, heißt es in der Studie von Boston Consulting.
Die IT-Branche sei zwar nur zu einem geringen Teil für den Ausstoß von CO2 verantwortlich, das als wesentlicher Grund für die weltweite Erwärmung angesehen wird. Die Branche biete aber ein beachtliches Klimaschutzpotential für andere Industriezweige wie Gebäudewirtschaft, Logistik, Stromwirtschaft und Automation, heißt es in der Studie.
ore/ddp/dpa-AFX
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