Berlin - Das Ergebnis ist niederschmetternd: Nach Einschätzung der Stiftung Warentest ist die Beratung der Banken "so schlecht wie ihr Ruf". Von 21 auf ihre Anlageberatung getesteten Banken habe nicht eine einzige die Note "gut" erhalten, berichtet die Zeitschrift "Finanztest". Dafür hätten zwei Banken "mangelhaft" und 16 "ausreichend" abgeschnitten. Die drei Testsieger seien lediglich "befriedigend" bewertet worden.
Das Ergebnis falle so schlecht aus, weil die Banken ihren Kunden in den meisten der verdeckt geführten Testgespräche gesetzlich vorgeschriebene Informationen vorenthalten hätten, berichtete "Finanztest". "Schockiert hat uns die nach wie vor laxe Auffassung der Banken davon, was 'sicher' bedeutet." Als "grobe Nachlässigkeiten" kritisierten die Tester, dass viele Bankberater den Kunden nicht einmal "elementare", vom Wertpapierhandelsgesetz vorgeschriebene Fragen stellten, wie etwa nach deren finanziellen Verhältnissen.
Die Tester haben "Finanztest" zufolge beim Beratungsgespräch angegeben, 30.000 Euro auf fünf Jahre bei einer Rendite von vier Prozent sicher anlegen zu wollen. Die eingebaute "Hürde" für die Berater habe darin bestanden, dass es zur Zeit der Tests von Juli bis September für eine sichere Geldanlage über fünf Jahre keine vier Prozent Rendite gegeben habe. Das hätten die Banker erkennen und den Kunden fragen sollen, ob ihm die Rendite oder die Sicherheit wichtiger sei. Bereits diese gestellte Aufgabe hätten viele Anlageberater nicht lösen können.
Testsieger sind dem Verbrauchermagazin zufolge mit "befriedigend" die Commerzbank, die Kreissparkasse Köln und die Berliner Sparkasse. Mangelhaft sei die Anlageberatung der BW Bank und der Ostsächsischen Sparkasse gewesen.
Als besonders "krasse Fehlleistungen" kritisierten die Tester Empfehlungen der Berater, in Aktien- oder Rohstofffonds zu investieren, die nicht zu sicherheitsorientierten Anlegern passten. Bemängelt wurde auch, dass einigen Bankern die eigene Abschlussprovision wichtiger zu sein schien als die korrekte Beratung der Kunden.
Dass bei der Beratung dringender Verbesserungsbedarf besteht, hat auch die Regierung erkannt: Verbraucherministerin Ilse Aigner hat im "Hamburger Abendblatt" von den Banken eine bessere Beratung eingefordert. Notfalls will sie die Bankenbranche mit einem Gesetz dazu zwingen, damit Anleger nicht auf Risiko-Anlagen hereinfallen. Bisher hatte sie eine Gesetzesinitiative abgelehnt und auf den Transparenzwillen der Banken gesetzt.
ore/AFP/ddp
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