Von Carsten Volkery, London
London - Jetzt reicht es Terry Smith. Der Chef des Brokerhauses Tullett Prebon hat seinen Londoner Händlern erlaubt, sich in die Auslandsfilialen versetzen zu lassen. Grund: Die Ankündigung von Finanzminister Darling, 50 Prozent Sondersteuer auf die Bonus-Pools der Banken zu erheben.
Guy Hands hatte schon im Mai genug. Der Chef des Private-Equity-Unternehmens Terra Firma Capital verlegte seinen Wohnsitz aus dem Londoner Vorort Sevenoaks auf die Kanalinsel Guernsey. Auch für ihn hielt Alistair Darling als Begründung her. Der hatte damals eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 40 auf 50 Prozent angekündigt.
Die Herren Hands und Smith sind Kronzeugen einer neuen Lobbykampagne der Londoner Finanzbranche. Sie lässt sich mit drei Worten umschreiben: Fliehe, wer kann. Seit der Ankündigung der Boni-Strafsteuer am vergangenen Mittwoch läuft die City Sturm, lautstark macht sie ihrem Unmut in den Medien Luft. Vor allem konservative Zeitungen haben sich vor den Karren der Banker spannen lassen und prophezeien den Exodus der besten Finanztalente aus London.
"Die City hat genug"
"London steht auf Messers Schneide", warnte der frühere Aufsichtsratsvorsitzende von Merrill Lynch Europe, Bob Wigley, in der "Sunday Times". Mehr Firmen, als er es in seinem langen Berufsleben je erlebt habe, dächten darüber nach, ins Ausland zu gehen. "Die City hat genug", kommentierte der "Evening Standard". In den vergangenen zwölf Monaten seien bereits 500 Finanzmanager auf die britischen Kanalinseln geflohen, berichtete der "Daily Telegraph".
Man könne den hochbezahlten Bankern fortan am Terminal 5 in Heathrow Goodbye winken, kommentierte düster die "Times". Londons historische Rolle als Finanzzentrum sei in Gefahr. In das gleiche Horn stieß der konservative Bürgermeister Boris Johnson: Die "Supersteuer" sei vor allem eine "Superstrafe" für seine Stadt.
Das Lamentieren will überhaupt kein Ende nehmen. Täglich sind neue Stimmen zu vernehmen, die angeblich jemanden kennen, der nun wegziehen will. Manche machen ihre Drohung sogar wahr, andere schaffen es über die Absichtserklärung nicht hinaus. Über mangelndes Medienecho können sich die Banker, Anwälte und Steuerberater jedenfalls nicht beklagen.
Doch ist der Finanzplatz London wirklich in Gefahr? Zu Fall gebracht durch eine Einmalsteuer, die im nächsten April schon wieder ausläuft? Nicht nur das Finanzministerium konterte cool, die Hysterie um die einmalige Abgabe wirke etwas irrational. Auch die "Financial Times" beruhigte ihre Leser, der Finanzsektor werde die Supersteuer überleben.
Es ist keine Frage: Die Boni-Steuer ist ein populistischer Schachzug, ausgeheckt von Premierminister Gordon Brown und seinem Schatzkanzler Darling für den anstehenden Wahlkampf. Die beiden wollen kurz vor der Unterhauswahl im Frühjahr keine rauschende Bonussaison der Banker erleben, denn das würde die Wähler nicht zuletzt daran erinnern, dass die Labour-Regierung die Branche jahrelang gehätschelt hat. Wie populistisch der Vorstoß ist, zeigt schon die Tatsache, dass die oppositionellen Tories sich hüten, Kritik daran zu üben. Die Boni-Steuer wird parteiübergreifend als eine Art Ablass für die Milliardenrettung des Bankensektors gesehen.
Kein Anlass zur Panik
In der City wird argumentiert, die Bonisteuer sei ja kein Einzelfall. Zusammen mit dem erhöhten Spitzensteuersatz und den verschärften Steuerregeln für "non-domiciled residents" sorge sie für einen nachhaltigen Imageschaden Londons. "Wenn die nicht aufpassen, gehen hier bald die Lichter aus", sagt der deutsche Hedgefonds-Manager Dietmar Schmitt von Sam Capital Partners.
Doch mutet das Alarmgeheul der Finanzgemeinde reichlich übertrieben an. In der City arbeiten über eine Million Menschen - und Ökonomen erwarten laut "Financial Times" in den nächsten zwei Jahrzehnten eine Verdopplung dieser Zahl. Selbst wenn nun einige hundert vor der Steuer fliehen sollten, was längst nicht sicher ist, macht das keinen großen Unterschied. Nun wird sich zeigen, ob Banker wirklich so "extrem mobil" sind, wie der Chef der Investmentbank Barclays Capital, Bob Diamond, vergangene Woche behauptete.
Nimmt man die jüngsten Erfahrungen mit der EU-Richtlinie zu Hedgefonds zum Maßstab, besteht kein Anlass zur Panik. Auch dieses verhasste Regelwerk sorgte für wütende Rhetorik und einige Umzüge in die Schweiz - doch die allermeisten Hedgefonds-Manager blieben ihrer vertrauten Umgebung von Mayfair und Square Mile treu.
Es gibt schließlich Gründe, warum London zum größten Finanzzentrum der Welt geworden ist - und die Steuersätze stehen nicht ganz oben auf der Liste. All die natürlichen Vorteile Londons, von der günstigen Zeitzone zwischen Asien und den USA bis hin zur Verkehrssprache Englisch, bleiben bestehen. Auch das einzigartig dichte Geflecht der Banken, Händler und Dienstleister, welches über Jahrhunderte gewachsen ist, findet sich nicht an jedem beliebigen Finanzplatz der Welt.
Der Ruf der Banker ist ruiniert
Nicht zu unterschätzen ist auch der menschliche Faktor: Entgegen dem Wunschdenken von Leuten wie Diamond sind die meisten Banker keine bedürfnislosen Roboter. Sie haben Partner und Kinder, die sie an einem Umzug hindern. Das Leben in Dubai oder Hongkong ist nicht jedermanns Sache. Und selbst die ledigen Nachwuchsbanker, die in der Arbeit aufgehen, ziehen die Weltstadt London im Zweifelsfall immer noch dem Provinzkaff Genf vor.
Für die Adresse in London waren die meisten schon in der Vergangenheit bereit, einen hohen Preis zu zahlen - angefangen bei der Miete. Viel spricht dafür, dass eine zusätzliche Steuer, zumal eine einmalige Sonderabgabe, an dieser Bereitschaft nichts grundlegend ändern wird. Es dürfte sogar welche geben, die die Forderung der Regierung, wegen der Finanzkrise ein Jahr Bonusverzicht zu üben, nachvollziehen können.
Das Pech der Banker ist, dass Politik und Öffentlichkeit ihnen nicht mehr zuhören wollen. Drohungen, den Standort zu verlassen, sind nichts Neues. Der Londoner Bürgermeister kann sie ebenso herunterbeten wie sein New Yorker Kollege. Doch was früher Wunder wirkte, löst inzwischen nur noch Gähnen aus. So schwach ist die Verhandlungsposition der Banker inzwischen: Ihr Ruf ist durch die Finanzkrise dermaßen ruiniert, dass das Protestgeschrei schlicht nicht ernstgenommen wird.
Das ist das eigentlich Erstaunliche an der laufenden Lobbykampagne gegen die Boni-Steuer: Der Bluff der Banker ist durchschaut.
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Anders ausgedrückt: Die seit fast 40 Jahren fallende Lohnquote muss wieder steigen, d.h. der Anteil am BIP, den die Kapitalseite bekommt, wieder fallen. Aber bis wir das hinbekommen, wird der Merapi wohl noch ein paar mal [...] mehr...
Jetzt stelle man sich vor nicht Bankster bekommen die Boni, sondern H4er, was waer das fuer ein Geschrei, aber der Wirtschaft taet das gut - mehr Nachfrage, die Bankster lassen das da wo die ohnehin sitzen, auf der Bank, auf das [...] mehr...
Wie lautet noch einmal das Unwort des Jahres 1994? Ach ja - peanuts! mehr...
Sie müssen eine Wiedergeburt vom Heiligen Franziskus sein ! Oder bringe ich da etwas durcheinander? Sehen Sie `s mir nach, ich bin Agnostiker ! ;-) mehr...
Na, Na..... kro, wenn Sie hier durch die Seiten fegen, wie es Platzhirschen eigen ist, dann unterbinden Sie den Austausch von Wissen und Erfahrungen und verhindern den Gewinn von Erkenntnis-werten. Bedenken Sie bitte [...] mehr...
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