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16.12.2009
 

Ausblick auf 2010

Ökonomen sagen Mini-Aufschwung voraus

Stahlwerk in Duisburg: "Die Konjunktur ist wieder aufwärts gerichtet"Zur Großansicht
dpa

Stahlwerk in Duisburg: "Die Konjunktur ist wieder aufwärts gerichtet"

Immerhin geht es nicht weiter abwärts - doch richtiger Optimismus sieht anders aus. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für 2010 leicht angehoben. Trotzdem warnen die Ökonomen deutlich: Einen kräftigen Aufschwung werde es noch lange nicht geben.

Kiel/Berlin - Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr vor sich hindümpeln: So sieht die magere Prognose aus, die das Institut für Weltwirtschaft (IfW) an diesem Mittwoch in Kiel vorlegte. Immerhin ist die Entwicklung aber nicht ganz so düster wie bisher angenommen. So haben die Forscher ihre Konjunkturerwartung für 2010 leicht angehoben. Sie rechnen nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland um 1,2 Prozent. Im September hatte das IfW noch ein Wachstum von nur 1,0 Prozent erwartet.

"Die Konjunktur in Deutschland ist nach dem schweren Einbruch wieder aufwärts gerichtet. Bis ein kräftiger Aufschwung einsetzt, wird jedoch noch Zeit vergehen", heißt es in der Prognose. Für das zu Ende gehende Jahr rechnen die Kieler Forscher mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent.

Bei der Arbeitslosigkeit wird es 2010 laut Herbstprognose aus Kiel nicht so schlimm kommen wie befürchtet. Die Arbeitslosigkeit werde im Jahresdurchschnitt bei 3,8 Millionen oder 9,2 Prozent liegen. Ursachen für die verbesserte Jobmarkt-Prognose sei, dass der Lagerabbau bei den Firmen sich dem Ende neige. Sobald neue Warenbestände nachgefragt werden, dürfte die Produktion in ganz verschiedenen Branchen wieder anziehen.

IMK hält Aufschwung für instabil

Merklich anziehen wird die Konjunktur laut IfW erst wieder 2011. Für das übernächste Jahr erwarten die Forscher ein BIP-Wachstum von zwei Prozent. Sie sind damit optimistischer als ihre Kollegen beim Münchner Ifo-Institut, die 2011 nur ein Wachstum von 1,2 Prozent erwarten. Vor allem die Konsumausgaben dürften in den kommenden Jahren spürbar anziehen, begründeten die Kieler Forscher ihren Optimismus, gestützt von den Steuererleichterungen für Arbeitnehmer. Zudem dürften die Investitionen wieder anziehen.

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sieht im nächsten Jahr trotz eines Wirtschaftswachstums von zwei Prozent noch keinen stabilen Aufschwung in Deutschland. "Die Zahlen sind erfreulich, aber leider auch ein bisschen trügerisch", sagte IMK-Direktor Gustav Horn am Mittwoch in Berlin. Denn der Eindruck täusche, dass sich die Wirtschaft schon in einem kräftigen Aufschwung befinde. "Die Krise ist noch nicht überwunden." Die Daten spiegelten vielmehr die erfolgreiche weltweite staatliche Stabilisierungspolitik seit Beginn der Finanzkrise vor eineinhalb Jahren wider.

Die deutsche Wirtschaft werde den Konjunktureinbruch von 4,9 Prozent im Rezessionsjahr 2009 auf absehbare Zeit nicht wettmachen können, erklärte Horn. Zudem werde die konjunkturelle Dynamik im Verlauf des kommenden Jahres wieder abnehmen. Die Zahl der Arbeitslosen werde 2010 im Jahresschnitt von 3,42 auf 3,6 Millionen steigen. Im kommenden Jahr dürften die Konsumausgaben der Bürger bei leicht sinkenden real verfügbaren Einkommen und steigender Sparquote um 0,5 Prozent zurückgehen.

Vorsichtiger Optimismus herrscht beim Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Für 2010 rechnen die Ökonomen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,9 Prozent. Bislang hatten die Forscher nur einen Zuwachs um 0,9 Prozent erwartet. Die Experten sprechen gleichwohl nur von einer "zögerlichen Erholung".

Bürger wieder optimistischer

Obwohl die Prognosen der Wirtschaftsexperten noch durchwachsen sind, wächst in der Bevölkerung schon wieder die Zuversicht. Vor allem die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands sehen sie deutlich positiver als noch vor einem Jahr, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Allianz und der Universität Hohenheim hervorgeht. Der Anteil der Optimisten stieg hier von 13 auf 22 Prozent. Vor zwei Jahren waren es allerdings noch 39 Prozent.

Auch die Erwartungen an die gesamtgesellschaftliche Entwicklung Deutschlands haben sich der Umfrage zufolge verbessert. Der Anteil der Zuversichtlichen stieg von 21 auf 26 Prozent. 35 Prozent der Befragten äußerten sich besorgt, acht Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Deutlich positiver als die allgemeine Lage schätzen die Bundesbürger ihre persönliche Situation ein. Hier zeigten sich 53 Prozent zuversichtlich, nur 15 Prozent sorgenvoll. Vor einem Jahr waren allerdings noch 56 Prozent zuversichtlich. Dabei ist Stimmung in Westdeutschland mit 55 Prozent Optimisten deutlich positiver als im Osten (42 Prozent).

"Derzeit wirken besonders zwei Effekte auf die Stimmung der Menschen in Deutschland", erklärte Professor Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim. "Zum einen die positiven Impulse der Konjunkturpakete für die Wirtschaft und zum anderen die Hoffnung, dass die neue Regierung den Wirtschaftsaufschwung dauerhaft unterstützen wird. Nicht zuletzt hat Bundeskanzlerin Merkel im Wahlkampf mit der Zuversicht geworben."

Für die Studie befragten Allianz und Universität Hohenheim im vierten Quartal 1504 Bundesbürger.

wal/ssu/AP/ddp/Reuters

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Das erwarten die Institute für 2010
IfW IMK IWH
Bruttoinlandsprodukt * 1,2 2,0 1,9
private Konsumausgaben * 1,8 -0,5 0,0
staatliche Konsumausgaben * 1,5 1,7 1,5
Anlageinvestitionen * 4,2 3,0 2,3
Export * 8,4 8,1 8,4
Import * 11,7 5,6 6,2
Erwerbstätige in Mio. 39,6 - 39,5
Arbeitslose in Mio. 3,8 - 4,0
Arbeitslosenquote in % 9,2 8,3 9,1
Inflation in % - 0,8 0,4
Staatsdefizit in % des BIP 5,2 5,2 5,0
* Veränderung zum Vorjahr in Prozent, Quelle: Reuters






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