Hamburg - Dubai bemüht sich in der Schuldenkrise um Normalität und will den Bau künstlicher Inseln und gigantischer Sportanlagen schon bald wieder aufnehmen. Binnen weniger Monate wolle der Baukonzern Nakheel, eine Tochter der angeschlagenen Dubai World, mit Arbeiten an der Insellandschaft "Die Welt" beginnen, berichtete eine Zeitung am Donnerstag. Zudem soll eine Golfanlage fertiggestellt werden, die nach Tiger Woods benannt ist. Der US-Sportler war zuletzt wegen eines Sexskandals in die Schlagzeilen geraten.
Der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Abdullah bin Sajed al Nahajan, erklärte die Krise am Donnerstag jedenfalls für beendet. Kreisen zufolge wollten zwei hochrangige Vertreter Dubais noch im Lauf des Tages nach New York reisen, um dort für Vertrauen in die Finanzkraft des Glitzeremirats zu werben.
Zwar ist mit der Geldspritze im Volumen von zehn Milliarden Dollar aus dem Nachbaremirat Abu Dhabi zunächst die Zahlungsunfähigkeit der hoch verschuldeten Staatsholding Dubai World abgewendet. Die Sanierung steht aber noch bevor. Dabei will Dubai mit den Gläubigern über die Restrukturierung von Schulden verhandeln, auch der Verkauf von Unternehmensteilen wird geprüft.
Dubai verfügt kaum über Ölvorräte
Mit der Zehn-Milliarden-Spritze kann Dubai World seine Schulden bis April bedienen, zudem kommt Nakheel seinen Anleiheverpflichtungen nach. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge könnte die Regierung von Dubai auch zwei Nakheel-Anleihen zurückzahlen, die 2010 und 2011 anstehen. Die Regierung erwäge, Dubai World zusätzlich unter die Arme zu greifen.
Ende November noch hatte die Regierung die Märkte mit der Ankündigung schockiert, das Emirat garantiere nicht für die Schulden der staatlichen Holding. Banken hatten Dubais Staatskonzerne unter der Annahme mit Geld überschüttet, dass das reiche Emirat Abu Dhabi im Zweifelsfall einschreiten und die Verpflichtungen übernehmen würde.
Die Turbulenzen hatten Sorgen vor einer neuen Welle der Finanzkrise ausgelöst. Dubai und Abu Dhabi sind beide Teil der Vereinigten Arabischen Emirate, dem weltweit drittgrößten Ölexporteur. Dabei kann aber Abu Dhabi auf etwa 90 Prozent der Vorräte zugreifen, während Dubai kaum über eigenes Öl verfügt.
Tiger Woods erhält ganze Siedlung
Das Wüstenemirat arbeitet daher an Alternativen. Dazu gehören unter anderem spektakuläre Bauprojekte wie das höchste Hochhaus der Welt, gigantische Einkaufszentren oder künstliche Inseln. Allerdings sind zuletzt die Bauarbeiten nahezu zum Erliegen gekommen; von drei geplanten Inseln in Palmenform ist nur eine fertiggestellt. Auch bei den Projekten "Die Welt" und "Das Universum" ruhen die Arbeiten derzeit.
Die Zeitung "The National" berichtete jedoch unter Berufung auf eine Nakheel-Sprecherin, dass etwa 70 Prozent der "Welt"-Inseln verkauft seien. "Wir erwarten, dass Entwickler darauf vorbereitet sind, in den kommenden Monaten mit den Arbeiten auf ihren Inseln zu beginnen", sagte sie. Prominentester Inselherr ist der ehemalige Rennfahrer Michael Schumacher, der das Eiland vom Emir geschenkt bekommen hatte.
Der Golfprofi Tiger Woods erhält dagegen gleich eine ganze Siedlung. Trotz der jüngsten Skandale fühle man sich verpflichtet, die Anlage fertigzustellen, teilte die Entwicklungsgesellschaft Dubai Properties mit. Der 33-jährige Sportler war wegen eines Sexskandals in die Schlagzeilen gekommen. Woods hatte eingeräumt, seiner Frau untreu gewesen zu sein. Ehebruch steht in Dubai unter Strafe.
böl/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
Ich lebe und arbeite seit 8 Jahren in Dubai. Zu dem Artikel und den Beitraegen moechte ich folgendes anfuegen: 1. es gibt kein echtes Grundbuch in Dubai! Alle Kaeufe von Immobilien beziehen sich NUR auf die Gebaeude - Grund und [...] mehr...
Dubai ist Teil der VAE, Hilfe kann nur von Abu Dhabi kommen, denn die anderen Emirate der VAE sind auch nicht so reich, um helfen zu können, Abu Dhabi finanziert fast alle, also warum auch nicht Dubai! Zur Schadenfreude gibt [...] mehr...
Sehr geehrter Herr Sokol! Wenn Sie eine Vorstellung von mittelalterlichen Schuldtürmen haben, so dürften die in Dubai alle Vorstellungen von Luxus übertreffen! Kaum ein Sheikh der GCC inclusive Dubai´s wird wohl mit Ihnen [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Dubai-Krise | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH