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29.12.2009
 

Börsen-Ausblick

"Es gibt 2010 keine Alternative zu Aktien"

Bildet sich an den Börsen eine neue Blase? Welche Länder werden 2010 boomen, droht uns eine Mega-Inflation? Fondsmanager Klaus Kaldemorgen spricht im Interview über die Chancen nach der Finanzkrise, wieso Gold Rekordpreise erzielen könnte - und was er jetzt rät.


Frage: Was war für Sie die größte Überraschung des Börsenjahres 2009?

Klaus Kaldemorgen: Das Ausmaß und besonders die Geschwindigkeit, in der Anleger wieder bereit gewesen sind, ins Risiko zu gehen. Die Mitte März einsetzende Erholung lief extrem stark über Zykliker und Unternehmen schlechterer Qualität. Es hat den Anschein, dass viele Anleger 2009 anders als 2003 ganz radikal und bewusst auf die Überholspur gewechselt sind.

Frage: Wie nachhaltig ist ein Spurwechsel, wenn billiges Geld schlechte Qualität jagt?

Kaldemorgen: Was wir gesehen haben, war ja zunächst nichts anderes als eine Normalisierung der Märkte. Nachdem klar war, dass die Welt nicht untergeht, hat jeder versucht, seine kurzfristige Performance zu maximieren - zumal der risikolose Zins um 400 Basispunkte nach unten gegangen ist.

Frage: Gibt es künftig nur noch Wirtschaftswachstum, wenn die Zentralbanken genügend Liquidität bereitstellen?

Kaldemorgen: Ich glaube schon. Dieser Zusammenhang lässt sich bereits seit Ende der neunziger Jahre beobachten. Das ist ein weiterer Grund, warum das Geld auch 2010 nicht aus den Aktienmärkten herausfließen wird. Wo soll es auch hin? Es gibt keine Alternative.

Frage: Findet denn wenigstens ein Favoritenwechsel statt, hin zu mehr Qualität?

Kaldemorgen: Ja, da bin ich mir sicher. Die Spanne zwischen guter und schlechter Qualität ist einfach zu groß geworden. Daher werden eher stabile Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite in den Vordergrund rücken. Das ist auch meine Strategie für 2010.

Frage: Wie groß ist die Gefahr, dass dies nicht passiert und sich in einigen Bereichen neue Blasen bilden?

Kaldemorgen: Ausschließen kann ich das nicht. Durch die reichlich zur Verfügung gestellte Liquidität bilden sich Blasen zwangsläufig immer schneller. Früher sahen Fondsmanager im Laufe ihrer Karriere vielleicht eine Blase. Ich bin schon in der vierten.

Frage: Kann das immer so weitergehen?

Kaldemorgen: Früher heizte überschüssige Liquidität zwangsläufig die Inflation an, doch das funktioniert im heutigen Umfeld nicht. Weil Preissteigerungen nicht an die Gütermärkte weitergegeben werden, sondern nur am Kapitalmarkt.

Frage: Inflation ist also auf absehbare Zeit keine Gefahr?

Kaldemorgen: Durch Lohnsteigerungen oder Produktivitätswachstum zumindest ist sie sehr unwahrscheinlich. Es gibt genug Billiglohnländer, und die Produktivität wird mangels Nachfrage nicht ausgebaut. Inflationäre Tendenzen erwarte ich einzig aus dem Rohstoffbereich. Das Angebot lässt sich kaum ausweiten, und die Förderung wird teurer. Doch bis es dazu kommt, kann es noch zwei Jahre dauern.

Frage: Entwarnung also für 2010?

Kaldemorgen: Ich rechne mit einer Vermögensinflation. Das ist unmittelbar plausibler, als dass Milch und Butter teurer werden.

Frage: Werden die Notenbanken 2010 die Zinsen erhöhen?

Kaldemorgen: Ja, aber ganz maßvoll. Es wird keine Abkehr vom billigen Geld stattfinden, lediglich kosmetische Korrekturen.

Frage: Haben Sie damit gerechnet, dass die Schwellenländer 2009 so nahtlos an ihre Erfolgsstory anknüpfen können?

Kaldemorgen: Nein, das habe ich nicht. Deshalb war meine Aufstellung in diesem Segment auch zu vorsichtig.

Frage: Warum sind die Schwellenländer deutlich besser durch die Krise gekommen?

Kaldemorgen: Das liegt zu einem Teil an den enormen Rohstoffvorkommen, über die diese Länder verfügen. Die Rohstoffpreise haben sich nach einem kurzen Abtauchen wieder sehr ordentlich entwickelt. Zudem hat China, das Schwellenland par excellence, eine ausgesprochen kluge Wirtschaftspolitik betrieben. Ein Dreiklang aus Förderung des Exports, Infrastrukturhilfen und Steigerung des Binnenkonsums. China ist allerdings auch das einzige Land, das sich eine solche Politik leisten kann.

Frage: Wenn Sie diese Entwicklung erwartet hätten, wie hätten Sie mit Ihren Fonds darauf reagiert?

Kaldemorgen: Dann hätte ich alles richtig gemacht.

Frage: Den Anteil der Schwellenländer von derzeit zaghaften 2 Prozent auf 5 Prozent erhöht oder so richtig rein in die Märkte?

Kaldemorgen: Ich wäre eine kombinierte Wette aus Rohstoffen und Schwellenländern eingegangen. Ich habe ein zu hohes Marktrisiko in den Schwellenländern gesehen und wollte zugleich eine hohe Korrelation zwischen Rohstoffen und Schwellenländern vermeiden. Das war im Nachhinein zu defensiv.

Frage: Werden die Schwellenländer auch 2010 überzeugen?

Kaldemorgen: Die Chancen dafür stehen wegen der Liquidität gut. Sie wird der Treibsatz für die Börsen bleiben. Weniger das Wirtschaftswachstum. Die Chancen werden jedoch eher gleich verteilt sein zwischen den reifen Ländern und den Schwellenländern.

Frage: Eilt der Goldpreis auch 2010 weiter von Rekord zu Rekord?

Kaldemorgen: Davon bin ich überzeugt. Anleger sehen Gold zunehmend als alternative Währung, weniger zum Schutz vor Inflation. Gold kann man nicht drucken, das ist der entscheidende Vorteil.

Frage: Steigt der Ölpreis auf über 100 Dollar?

Kaldemorgen: Ja. Weniger wegen wirtschaftlicher Aktivitäten, als vielmehr angesichts der erneut steigenden Nachfrage seitens der Finanzmärkte. Für die Realwirtschaft muss das nicht negativ sein, im Gegenteil. Steigende Rohstoffpreise können durchaus wie ein Konjunkturpaket wirken, weil dann ganze Industrien und Verbraucher sparsame Güter nachfragen. Da wird ein Umdenken stattfinden.

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insgesamt 16 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.12.2009 von alsibra: Für welche Bank arbeiten Sie

Frau Ferkel ? Ist der Name jetzt Zufall oder doch nicht ... diese Unmöglichkeit hat schon für einige den Ruin bedeutet. Aber klar, langfristig, so in 1000 Jahren gehören die dann auch wieder zu den Gewinnern ... man muss halt [...] mehr...

29.12.2009 von drausch: Ja und Nein

Prinzipiell ist die Aussage richtig, dass Aktien die sinnvollste Anlageform ist, abgesehen von einem Eigenheim. Aber nur wenn auch der kleine Privatanleger direkt in Aktien investiert, zuallererst in die des eigenen Arbeitgebers. [...] mehr...

29.12.2009 von rabenkrähe: Manipulierte Kurse

....... Na, ich glaube eher, daß bei den aktuellen, unfundiert hochgetriebenen Börsenkursen Put-Zertifikate auf die Indices angebrachter wären, als in hochmanipulierten Aktien auf den nächsten crash zu warten. rabenkrähe mehr...

29.12.2009 von louis1453: Danke SPON

"Frage: Steigt der Ölpreis auf über 100 Dollar? Kaldemorgen: Ja. Weniger wegen wirtschaftlicher Aktivitäten, als vielmehr angesichts der erneut steigenden Nachfrage seitens der Finanzmärkte. Für die Realwirtschaft muss das [...] mehr...

29.12.2009 von README.TXT: Börse=Casino

Eher das Gegenteil ist der Fall. ---Zitat--- Insbesondere für - sogenannte - untere bzw. auch mittlere Einkommensschichten wäre eine Aktienveranlagung äußerst wünschenswert. ---Zitatende--- Ja klar, denen muss man auch noch [...] mehr...

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Zur Person

DPA

Klaus Kaldemorgen gehört zur Geschäftsführung der DWS, seit 2006 leitet er sie als Sprecher. Die DWS ist die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Kaldemorgen ist seit 1982 bei dem Unternehmen. Seit 1994 ist er für den DWS-Vermögensbildungsfonds I verantwortlich, den mit einem Volumen von 4,8 Milliarden Euro größten Aktienfonds der Gesellschaft. Ebenfalls managt er den Traditionsfonds Akkumulata (aufgelegt 1961) sowie vier weitere Aktienfonds. Kaldemorgen studierte Volkswirtschaftslehre an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.

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Heft 1/2010

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