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24.12.2009
 

Insolvenzen

Wirtschaft kämpft mit Multimilliarden-Pleitewelle

Deutschlands Firmen drohen akute Finanzprobleme. Nach neuen Schätzungen haben sie wegen zahlreicher Insolvenzen Forderungen von 75 Milliarden Euro angemeldet, um Außenstände einzutreiben - das ist Rekord, gut dreimal so viel wie 2008. Viele Mittelständler könnten nun selbst in Zahlungsnot kommen.

Hamburg - Pleiterepublik Deutschland: In der Wirtschaftskrise melden immer mehr Unternehmen Insolvenz an - und ziehen so andere Firmen mit in den Abgrund. Experten warnen nun vor einer akuten Finanznot in zahlreichen Betrieben.

Nach neuesten Berechnungen des Kreditversicherers Euler Hermes erreichen die gerichtlich angemeldeten Forderungen von Unternehmen gegen andere Unternehmen 2009 ein Rekordvolumen von 75 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2008 lagen sie noch bei 22 Milliarden Euro.

"Ursache für diese Zunahme sind vor allem die Insolvenzen großer Unternehmen, die in den letzten Monaten zu Buche schlagen", sagt Euler-Hermes-Chefvolkswirt Romeo Grill (zu Insolvenzen 2009 siehe Fotostrecke unten).

Betroffen seien insbesondere mittelständische Unternehmen, die durch die enormen finanziellen Außenstände in große Schwierigkeiten bis zur Zahlungsunfähigkeit geraten könnten. In diesem Jahr erwartet der Kreditversicherer einen Anstieg der Firmenpleiten auf rund 34.000, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2010 wird mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen um rund neun Prozent auf knapp 37.000 gerechnet.


Ein erhöhtes Pleiterisiko besteht laut Grill insbesondere für den Maschinenbau, die Stahlbranche und den EDV-Bereich sowie Chemie- und Textilunternehmen. Ein schwieriges Jahr stehe nach dem Auslaufen der Abwrackprämie auch den rund 1500 Unternehmen der Kfz-Zulieferindustrie mit ihren rund 330.000 Beschäftigten und den Automobilhändlern bevor. Allerdings gibt es auch Branchen, die das nächste Jahr relativ gut überstehen dürften. Dazu zählen vor allem Lebensmittelhersteller, Unternehmen aus der Umweltbranche und der Bausektor.

Ein Grund für die Insolvenzen ist die mangelnde Liquidität infolge der allgemeinen Krise. "Die Banken haben die Kreditkonditionen verschärft, und das sorgt bei den Unternehmen für eine angespannte Situation. Auch die schlechte Zahlungsmoral bereitet vielfach Probleme", sagt Grill. Darüber hinaus würden Managementfehler wie falsche Unternehmensstrategien und die Konzentration auf nur wenige Abnehmer maßgeblich zum Scheitern vieler Unternehmen beitragen.

In einer Studie hat der Kreditversicherer Insolvenzverwalter zu den Gründen für den Anstieg der Insolvenzen befragt. Am häufigsten genannt wurde das Ausbleiben beziehungsweise die Verschiebung oder Stornierung von Aufträgen. Außerdem registrierten die Experten einen Dominoeffekt durch Insolvenzen bei Auftraggebern und Lieferanten. Besonders krisenanfällig sind Unternehmen, die von Finanzinvestoren aufgekauft und dann mit hohen Schulden belastet werden.

wal/APD

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