Hamburg - Pleiterepublik Deutschland: In der Wirtschaftskrise melden immer mehr Unternehmen Insolvenz an - und ziehen so andere Firmen mit in den Abgrund. Experten warnen nun vor einer akuten Finanznot in zahlreichen Betrieben.
Nach neuesten Berechnungen des Kreditversicherers Euler Hermes erreichen die gerichtlich angemeldeten Forderungen von Unternehmen gegen andere Unternehmen 2009 ein Rekordvolumen von 75 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2008 lagen sie noch bei 22 Milliarden Euro.
"Ursache für diese Zunahme sind vor allem die Insolvenzen großer Unternehmen, die in den letzten Monaten zu Buche schlagen", sagt Euler-Hermes-Chefvolkswirt Romeo Grill (zu Insolvenzen 2009 siehe Fotostrecke unten).
Betroffen seien insbesondere mittelständische Unternehmen, die durch die enormen finanziellen Außenstände in große Schwierigkeiten bis zur Zahlungsunfähigkeit geraten könnten. In diesem Jahr erwartet der Kreditversicherer einen Anstieg der Firmenpleiten auf rund 34.000, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2010 wird mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen um rund neun Prozent auf knapp 37.000 gerechnet.
Ein Grund für die Insolvenzen ist die mangelnde Liquidität infolge der allgemeinen Krise. "Die Banken haben die Kreditkonditionen verschärft, und das sorgt bei den Unternehmen für eine angespannte Situation. Auch die schlechte Zahlungsmoral bereitet vielfach Probleme", sagt Grill. Darüber hinaus würden Managementfehler wie falsche Unternehmensstrategien und die Konzentration auf nur wenige Abnehmer maßgeblich zum Scheitern vieler Unternehmen beitragen.
In einer Studie hat der Kreditversicherer Insolvenzverwalter zu den Gründen für den Anstieg der Insolvenzen befragt. Am häufigsten genannt wurde das Ausbleiben beziehungsweise die Verschiebung oder Stornierung von Aufträgen. Außerdem registrierten die Experten einen Dominoeffekt durch Insolvenzen bei Auftraggebern und Lieferanten. Besonders krisenanfällig sind Unternehmen, die von Finanzinvestoren aufgekauft und dann mit hohen Schulden belastet werden.
wal/APD
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