Von Stefan Schultz
Hamburg - Die Krise hat Deutschland voll erfasst. Um fünf Prozent ist die Konjunktur im ablaufenden Jahr geschrumpft. Schlüsselindustrien - etwa die Autobranche, der Maschinenbau, die Metall- und Elektrofertigung - verzeichneten trotz staatlicher Konjunkturmaßnahmen gewaltige Auftragseinbrüche. Die Warentransporte sanken entsprechend: In den ersten neun Monaten des Jahres beförderte die Bahn 226,4 Millionen Tonnen Rohstoffe und Industrieerzeugnisse - ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum.
Inzwischen ist der konjunkturelle Abschwung zwar gestoppt, Deutschlands Wirtschaft verzeichnet sogar ein leichtes Plus. Auf dem Arbeitsmarkt sieht es dennoch düster aus. Schon in den kommenden Monaten rechnen Experten mit einem deutlichen Stellenabbau. "Das Tempo der wirtschaftlichen Erholung reicht nicht aus, um die Beschäftigung stabil zu halten", sagte DIW-Konjunkturchef Christian Dreger kürzlich.
Nach 2008, dem Jahr der Finanzkrise, und 2009, dem Jahr der Konjunkturkrise, rüstet sich Deutschland nun für 2010, für das Jahr der Jobkrise.
Wie eine
SPIEGEL-ONLINE-Umfrage zeigt, zeichnet sich diese Entwicklung bereits ab: Allein die Dax-Konzerne haben in den vergangenen Monaten 116.385 Arbeitsplätze abgebaut, davon 45.354 in Deutschland (siehe Tabellen links). Der Kahlschlag zieht sich quer durch alle Branchen: Der Autokonzern Daimler
hat hierzulande 4200 Stellen gestrichen, der Handelsriese Metro
3800, beim Stahlkonzern ThyssenKrupp
fielen 3200 Jobs weg, beim Industriegiganten Siemens
3000.
Arbeitsmarktexperten zufolge war das erst der Anfang. Unter ihnen gilt die Devise: 2009 war schlimm, 2010 wird schlimmer. Die Regierung und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erwarten, dass die Zahl der Arbeitslosen von derzeit rund 3,2 Millionen auf 4,1 Millionen im kommenden Jahr empor schnellt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sagt für das kommende Jahr rund 3,9 Millionen Erwerbslose vorher. "Das Schlimmste steht am Arbeitsmarkt noch bevor", sagt DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy.
Warum der Arbeitsmarkt unter Druck gerät
Die Mechanik des Abschwungs ist schnell erklärt: Durch die Wirtschaftskrise schwächeln die Geschäfte der Unternehmen, zudem werden aufgrund der Vertrauenskrise am Finanzmarkt die Spielräume bei den Krediten geringer. In der Folge werden weniger Aufträge vergeben, was dazu führt, dass in vielen Branchen Produktion und Absatz einbrechen. Weltweit werden weniger Produkte nachgefragt. Die deutsche Wirtschaft trifft das ins Mark: Ihr Bruttoinlandsprodukt wird zu 47 Prozent durch Ausfuhren generiert.
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, rechnet daher für 2010 vor allem in Schlüsselindustrien, die vom Außenhandel besonders abhängig sind, mit einem radikalen Jobabbau. "Diese Rezession ist eine Industrierezession", sagt auch Roland Dörn, Arbeitsmarktexperte am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).
Experten wie Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, erwarten zudem einen massiven Anstieg der Firmeninsolvenzen, vor allem in der Autoindustrie und im Maschinenbau. Dadurch geraten auch gesunde Unternehmen in Geldnöte: Zahlungen klammer Kunden und Auftraggeber verzögern sich.
Auch Banken geraten durch Kreditausfälle unter Druck, die Lage am Geldmarkt verschärft sich. Durch Liquiditätsprobleme der Unternehmen drohe schlimmstenfalls ein konjunktureller Rückschlag, sagte Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), am Montag dem "Handelsblatt".
Kurzarbeit stößt an ihre Grenzen
Erschwerend kommt hinzu: Die Maßnahmen, die am Jobmarkt bisher das Schlimmste verhindert haben, verlieren ihre Wirksamkeit. "Da findet gerade ein Rennen gegen die Zeit statt", sagt Henrik Enderlein, Ökonom an der Berliner Hertie School of Governance. Das gilt vor allem für die Kurzarbeit, jene weltweit einmalige Joberhaltungsmaßnahme, die Massenentlassungen in Deutschland bisher vermieden hat.
Derzeit arbeiten 1,1 Millionen Menschen kurz. In den betroffenen Unternehmen steigen dadurch die Lohnstückkosten, also die Lohnkosten im Vergleich zur Produktionsleistung der Beschäftigten. In der Metall- und Elektroindustrie etwa legten die Lohnstückkosten im ersten Halbjahr 2009 laut einer IW-Erhebung um 29 Prozent zu. Vielen wird das Instrument zur Fachkräfteerhaltung allmählich zu teuer. Personalabbau scheine 2010 vielerorts unvermeidlich, warnte dann auch der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Das sehen auch unabhängige Experten so. "Die Produktivität in den Betrieben ist stark gesunken, die Lohnstückkosten dagegen sind stark gestiegen", sagt Joachim Scheide, Leiter des Prognose-Zentrums im Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Wir rechnen damit, dass sich die Lage am Jobmarkt in den kommenden Monaten rapide verschlechtert."
Wann genau der große Absturz erfolgt, lässt sich allerdings kaum prognostizieren. "Viele Firmen sind seit Monaten nicht voll ausgelastet. Wir haben keine Informationen, wie lange sie das noch durchhalten, ohne Mitarbeiter zu entlassen", sagte Sabine Klinger, Konjunkturexpertin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Montag der Nachrichtenagentur dpa.
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Und Ihr Beitrag besteht nur aus Pseudo-Flames! Shame on you. mehr...
mein Job ist schon lange weg ! So einen finde ich auch nicht wieder, weil sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse mit einflussreichen Betriebsräten, Anspruch auf Sonderurlaub, Sonderzahlungen und [...] mehr...
Heute Hüh, morgen hott. Gestern Aufschwung, heute schrumpfende Löhne. Wer liest diesen Unsinn eigentlich noch? Zum Glück steht der Link zum Forum schon auf der Titelseite. So erspar ich mir den Umweg über den Artikel. mehr...
WOher haben Sie die Zahl "10.000" und woher die Sicherheit, dass es nicht 10.001 oder 9.999 sind? Sind Sie der Eliteverwalter? Niemals, denn wir schreiben nun mal das Jahr 2011. Sie können aber zum Islam [...] mehr...
Es wird Zeit, dass die Gewerkschaften wieder den Job machen für den sie bezahlt werden. Andernfalls ist der Wutbürger gefragt, wie man weiss, können die Rahmenbedingungen, wie Mindestlöhne sehr wohl von der Politik festgelegt [...] mehr...
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