Berlin - Mehr als ein Jahr lang hat der Maschinenbau die Wirtschaftswelt mit immer neuen Horrornachrichten geschockt. Monat für Monat verbuchte die Branche gewaltige Auftragseinbrüche, schlitterte immer tiefer in die Krise. Jetzt mehren sich die Zeichen, dass die Talsohle endlich erreicht ist.
Zwar lag der Eingang von Bestellungen im November 2009 real um zwölf Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) an diesem Dienstag in Frankfurt mitteilte. Doch dieses Ergebnis war deutlich besser als die Zahlen in den Vormonaten. Im April hatte die Branche noch Einbrüche von bis zu 58 Prozent zu beklagen gehabt. Die Novemberzahlen nähren nun laut VDMA die Hoffnung, "dass sich nach 13 Monaten tiefen Falls jetzt endlich eine zaghafte Besserung einstellt".
Auch die Bundesregierung kann wieder optimistischer in die Zukunft blicken. Das Statistische Bundesamt wird am Mittwoch seine erste Schätzung zum Wirtschaftswachstum 2009 veröffentlichen. In der Folge wird die Regierung ihre Wachstumsprognose für 2010 laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters auf rund anderthalb Prozent anheben. Bislang geht sie noch von 1,2 Prozent aus. Die neue Prognose soll offiziell im neuen Jahreswirtschaftsbericht Ende Januar veröffentlicht werden.
Zahl der Insolvenzen schnellt auf Rekordhoch
Doch trotz dieser positiven Entwicklung - noch sind die Anzeichen für eine Verbesserung der Wirtschaftslage spärlich. Zum Jahresende hat sich das deutsche Wirtschaftswachstum laut Reuters leicht abgeschwächt. Für das vierte Quartal werde mit einem Zuwachs von maximal 0,5 Prozent gerechnet. Das Plus werde damit geringer sein als im dritten Quartal mit 0,7 Prozent.
Deutsche Unternehmen spüren die Folgen der Rezession derzeit noch immer mit voller Kraft. Trotz des Endes der Rezession erklären sich immer mehr Firmen für zahlungsunfähig. 2848 Unternehmen mussten im Oktober Insolvenz anmelden - 15,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist der größte Anstieg seit März, wie das Statistische Bundesamt an diesem Dienstag mitteilte.
In den ersten zehn Monaten 2009 gingen demzufolge 27.565 Firmen pleite, 11,7 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die Statistiker gehen davon aus, dass sich die Zahl bis Jahresende auf 34.000 erhöht hat. Das wären so viele Pleiten wie seit 2006 nicht mehr.
Wegen der Wirtschaftskrise mussten auch viele bekannte Firmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten, darunter der einst größte deutsche Versandhändler Quelle, der Porzellanhersteller Rosenthal und die Unterwäschefirma Schiesser. Deutlich geringer schlägt die Wirtschaftskrise bislang auf die Verbraucherinsolvenzen durch. Deren Zahl erhöhte sich im Oktober um 4,2 Prozent auf 8929. Die offenen Forderungen der Gläubiger gegenüber Firmen, Verbrauchern sowie anderen privaten Schuldnern und Nachlässen bezifferten die Gerichte für Oktober auf 3,4 Milliarden Euro. Das waren 300 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor.
ssu/apn/dpa/Reuters
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