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15.01.2010
 

Börsen in Fernost

Gerücht über Merkel-Rücktritt belastet Euro

Es war reine Spekulation, aber sie reichte, um die Währung unter Druck zu setzen: Gerüchte über einen Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben am Freitag den Euro in Fernost belastet - und wurden von der Bundesregierung umgehend zurückgewiesen.

Tokio - So richtig glauben wollte es niemand - und dennoch reagierten die Märkte in Fernost: Marktspekulationen über einen Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben am Freitag den Euro in Fernost belastet. "Das Gerücht über Merkel hat den Euro tiefer gezogen, aber für mich klingt das wie Blödsinn", sagte ein Händler in Hongkong. Auch andere Beobachter schenkten der Spekulation keinen Glauben.

Die Bundesregierung beeilte sich denn auch, die Spekulationen zurückzuweisen. "Die Gerüchte sind absolut frei erfunden", sagte Regierungssprecher Christoph Steegmans. Er reagiere mit Unverständnis auf die Mutmaßungen. In Deutschland gab es bislang trotz einiger kritischer Stimmen aus den eigenen Reihen in den letzten Wochen über die Führungsqualitäten der Kanzlerin keinerlei derartige Spekulationen.

In Asien hatte das Gerücht dennoch den Euro belastet. Dort war der Kurs nach Reuters-Daten bis auf 1,4407 Dollar gefallen von 1,45 Dollar im späten New Yorker Handel. Nach dem Dementi der Bundesregierung erholte sich die Gemeinschaftswährung zwar, blieb aber unter dem Niveau vom späten Vortagesgeschäft. "Dem Gerücht sind schon viele gefolgt. Der Euro ist runtergekommen und hat sich seitdem nicht wirklich wieder erholt", sagte ein anderer Händler. Zum Handelsstart an den Aktienmärkten lag die Gemeinschaftswährung bei 1,4390 Dollar.

"Das ist natürlich kompletter Blödsinn"

An den europäischen Devisenmärkten sorgte der Vorgang für Kopfschütteln: "Das ist natürlich kompletter Blödsinn. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen", sagte ein Händler in Frankfurt. "Irgendwelche Händler in Fernost, die überhaupt keine Ahnung von Europa haben, haben wohl darauf spekuliert", fügte er hinzu.

Merkel hatte am Mittwochabend laut Agenturberichten erklärt, sie rechne mit schwierigen Jahren für den Euro. Grund dafür sei die Schuldenpolitik einiger Staaten der Euro-Zone, besonders von Griechenland, sagte die CDU-Politikerin den Angaben mehrerer Medien zufolge beim Wirtschaftsgipfel der "Welt"-Verlagsgruppe. Kein anderes Land auf der Welt habe sich während der Krise in seine Verfassung eine solch klare Maßregelung zur Verschuldung geschrieben wie Deutschland, erklärte Merkel den Berichten zufolge weiter.

Die Bundesregierung wollte die Aussagen nicht bestätigen. Der Auftritt bei der "Welt" sei intern gewesen. Wie es hieß, war der Redetext am Donnerstag kurzzeitig versehentlich auf der Internetseite des Bundespresseamtes veröffentlicht, dann aber wieder entfernt worden.

sam/Reuters

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