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18.01.2010
 

Billigarbeiter aus Osteuropa

Schwarzbuch prangert Lohndumping bei Bahn an

Bahn-Mitarbeiter (bei Anklam): Aufträge gehen an den billigsten AnbieterZur Großansicht
dpa

Bahn-Mitarbeiter (bei Anklam): Aufträge gehen an den billigsten Anbieter

1,50 Euro pro Stunde, elf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche: Subunternehmen der Deutschen Bahn sollen ihre Mitarbeiter systematisch ausgebeutet haben. Der Konzern distanziert sich von den Billigfirmen - hat von ihnen aber auch profitiert.

Berlin - Schwerer Vorwurf gegen die Deutsche Bahn: Das Staatsunternehmen soll für Lohndumping, illegale Beschäftigungsverhältnisse und Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz mit verantwortlich sein. Das geht aus dem "Schwarzbuch Deutsche Bahn" hervor, das an diesem Montag erscheint.

Demnach vergibt die Bahn ihre Aufträge bei Ausschreibungen oft an den billigsten Anbieter. Entsprechend miserabel seien dann die Bedingungen für die Arbeitnehmer dieser Subunternehmen.

Vor allem im Gleisbau würden Arbeiter aus Osteuropa ohne entsprechende Ausbildung eingesetzt. Dabei würden Arbeitszeiten erheblich überschritten. Die Mitarbeiter arbeiteten teilweise monatelang täglich elf Stunden an sieben Tagen in der Woche. Verbotene Doppelschichten würden nicht in die Arbeitsbücher eingetragen. In anonymisierter Form werden im "Schwarzbuch" drei Beispiele von Firmen genannt, die Stundenlöhne von 1,50 bis 6,50 Euro gezahlt hätten.

Die Autoren des "Schwarzbuchs", die ZDF-Journalisten Christian Esser und Astrid Randerath, berufen sich auf Recherchen des gewerkschaftsnahen Vereins Mobifair, der sich für faire Arbeitsbedingungen in der Verkehrsbranche einsetzt.

Die Bahn droht mit Strafanzeige

Erst am Samstag hatte die Deutsche Bahn zugegeben, dass für das Schneeräumen an Gleisen und Bahnhöfen in diesem Winter osteuropäische Billigarbeiter eingesetzt worden seien. Der Konzern bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Mit dem Winterdienst sei eine externe Firma beauftragt worden, die wiederum ein Subunternehmen eingesetzt habe, sagte ein Bahnsprecher. Dort habe es dann Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften gegeben sowie gegen das Arbeitnehmer-Entsendegesetz, das Mindestlöhne in verschiedenen Branchen festschreibt. Inzwischen habe man sich von dem beanstandeten Subunternehmer getrennt.

"Die Einhaltung von Arbeitsgesetzen und Sicherheitsvorschriften ist Bestandteil der Verträge mit Subunternehmen", betonte DB-Technikvorstand Volker Kefer am Sonntag in einer Mitteilung. "Falls bei Vertragsunternehmen Verstöße festgestellt werden, kündigen wir den betroffenen Unternehmen und stellen Strafanzeige."

Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro

Allerdings macht sich die Auftragsvergabe an Billigunternehmer für die Bahn durchaus bezahlt. Konzernchef Rüdiger Grube erklärte am Wochenende, dass das Unternehmen 2009 trotz der Wirtschaftskrise Gewinne gemacht habe. "Im Geschäftsjahr 2009 schreibt die Deutsche Bahn eine kräftige schwarze Zahl." Für das vergangene Jahr geht Grube von einem Betriebsergebnis von deutlich über einer Milliarde Euro aus. Allein das Sparprogramm "React 2009" habe das Konzernergebnis um 600 Millionen Euro verbessert.

Trotz der guten Zahlen fordert Grube eine Mehrwertsteuersenkung für Zugtickets. Erst kürzlich hatte die schwarz-gelbe Regierung dem Hotelgewerbe einen ermäßigten Satz zugebilligt. Grube verwies darauf, dass viele europäische Bahnen keinen oder einen stark verminderten Mehrwertsteuersatz zahlten. "Auch wir brauchen eine ermäßigte Mehrwertsteuer von sieben Prozent für Fahrscheine."

Vorwürfe gegen Ex-Bahn-Chef Mehdorn

Das "Schwarzbuch Bahn" erhebt auch Vorwürfe gegen den früheren Konzernchef Hartmut Mehdorn. Dabei geht es um die systematische Überwachung von Bahn-Mitarbeitern während seiner Amtszeit.

Mehdorn selbst bestreitet jegliche Schuld an dem Vorgehen. "Da bin ich völlig im Reinen mit mir", gab er den Ermittlern der Beratungsgesellschaft KPMG zu Protokoll. Laut "Schwarzbuch" gab Mehdorn an, von den teils illegalen Praktiken erst im Nachhinein erfahren zu haben. Über diese Erkenntnisse sei er "perplex" gewesen.

Die Autoren des "Schwarzbuchs Bahn" schreiben hingegen, gleich mehrere von der KMPG befragte Personen hätten von regelmäßigen Arbeitstreffen berichtet, bei denen Mehdorn mit den Verantwortlichen für die Bahn-internen Untersuchungen zusammengekommen sei.

Der frühere Bahn-Chef sagt dazu laut "Schwarzbuch", die Gespräche seien "weniger inhaltlich" gewesen. "Da ist nie über Ermittlungstechniken geredet worden." Berichte über den umstrittenen Massenabgleich von Mitarbeiterdaten hätten ihn "nie erreicht".

Die Bahn hatte im Kampf gegen Korruption ihre Mitarbeiter systematisch überprüft und überwacht. So glich das Unternehmen Daten seiner Mitarbeiter und teilweise von deren Angehörigen mit Lieferantendaten ab. Zudem ließ die Bahn über Detekteien Daten über Mitarbeiter beschaffen und spähte E-Mails und Festplatten aus. Bei ihrem Vorgehen verstießen die Bahn-Konzernsicherheit und die für Korruptionsbekämpfung zuständige Konzernrevision nach Erkenntnissen der Ermittler gegen eine ganze Reihe innerbetrieblicher Vorschriften und machten sich teils auch strafbar.

wal/dpa/AFP

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22.01.2010 von Hackel39: Privatbahn und Ethik

Die mir bekannten privaten Konkurrenten der DB Schenker zahlen teilweise ihren Berufseinsteigern bessere Löhne als ihn DB Lokführer mit ca. 10,35 Euro in der damaligen E 8, Stufe 3 nach 25 Dienstjahren bekommen haben. Rail4chem [...] mehr...

22.01.2010 von Hackel39: Zwingend logisch

Den praktischen Ausgang des Tarifstreits 2008 habe ich nur als Zaungast erleben dürfen. Meines Wissens hatten aber von der damaligen Lohnerhöhung die Lrf (Lokrangierführer) überhaupt nicht profitiert, da sie nicht primär mit [...] mehr...

20.01.2010 von jolip:

Ich meine da immer bei einigen Mitforisten eine gewisse Erregung fühlen zu können, wenn endlich mal wieder jemand der Lohn gekürzt werden kann. Ich kann mir garnicht vorstellen, wie solche Menschen eigentlich im Berufsleben [...] mehr...

20.01.2010 von klausab:

In Niedersachsen gab es anfangs ebenfalls Direktvergaben, zunächst an die DB, anschließend an metronom. Die Strecken Uelzen-Hamburg und Bremen-Hamburg wurden nämlich ohne Ausschreibung an metronom vergeben. Und jetzt kriegt eben [...] mehr...

20.01.2010 von rkan:

Es gibt ja doch noch einige weniger, die wissen, wovon sie sprechen. Danke, habe ich nicht mehr mit gerechnet. mehr...

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Späh-Angriff der Bahn: Chronologie einer Affäre

Überblick

Seit Monaten beschäftigt die Datenaffäre die Deutsche Bahn. Der Staatskonzern hat seit 1998 mehrmals in groß angelegten Aktionen Mitarbeiterdaten mit denen von Lieferanten abgeglichen. Offizielle Begründung: Korruptionsbekämpfung. Offensichtlich ging es aber auch darum, Bahn-Kritiker und ihre Informanten aus dem Konzern ausfindig zu machen. Der Betriebsrat und die Beschäftigten waren über die maschinellen Datenscreenings nicht informiert. Das Vorgehen stößt in der Politik, bei Gewerkschaften und in der Öffentlichkeit auf scharfe Kritik. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn selbst will von den Vorgängen nichts gewusst haben.

21. Januar 2009

28. Januar 2009

30. Januar 2009

2. Februar 2009

3. Februar 2009

6. Februar 2009

10. Februar 2009

11. Februar 2009

18. Februar 2009

4. März 2009

27. März 2009


Hintergrund: Die Späh-Projekte bei der Bahn

Überblick - worum es geht

44 Seiten - so lang ist der Zwischenbericht der Bahn über ihre Spitzelaktionen. Eigentlich soll das Papier zur Aufklärung der Affäre beitragen. Tatsächlich hat es wohl ein anderes Ziel: die Zukunft von Konzernchef Hartmut Mehdorn zu sichern.

Insgesamt macht die Bahn zu 17 Spitzelprojekten nähere Angaben, weitere 26 Projekte werden namentlich aufgelistet. Trotzdem bleiben Fragen offen. So sind die Ausführungen des Berichts in vielen Fällen äußerst vage. Bisweilen heißt es lediglich, die Angelegenheit könne noch nicht abschließend bewertet werden.

Besonders bedenklich: Die genauen Recherchemethoden der Bahn und der von ihr beauftragten Detektei Network bleiben oft unklar. Dabei kommt es gerade darauf an, um die strafrechtliche Relevanz der Vorgänge beurteilen zu können.

Was ebenfalls fehlt, ist eine Stellungnahme von Network selbst. In einzelnen Fällen entsteht so der Eindruck, dass die Detektei eigenmächtig ohne Wissen der Bahn gehandelt habe - eine Darstellung, die zumindest fragwürdig ist.

Projekt Twister

Projekt Traviata

Projekt Eichhörnchen

Projekt Babylon

Projekt Theodor Heuss I

Projekt Rubens

Projekt Uhu

Projekt Altmühltal

Projekt Flora

Projekt Midas/Mondlicht

Projekt Bienenstock

Projekt Oregano

Projekt Prometheus

Projekt Theodor Heuss II

Projekt Büroklammer

Projekt Kabeljau

Projekt Minotaurus

Weitere Projekte


Die drei Bahngewerkschaften

Transnet

Die größte Gewerkschaft hat derzeit rund 230.000 Mitglieder aus allen Bereichen der Deutschen Bahn sowie von privaten Bahn- und Busgesellschaften. Sie wurde 1896 als Eisenbahnergewerkschaft gegründet und gehört zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß sie zunächst Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED). Im Jahr 2000 nannte sie sich in Transnet um, was für Transport, Service und Netze steht. Für Dezember 2010 ist eine Fusion mit der GDBA zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geplant.

Verkehrsgewerkschaft GDBA

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GdL)





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