Wirtschaft


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24.01.2010
 

Ökologische Produkte

Biobranche trotzt der Krise

Von Friederike Ott

Gemüse auf der Grünen Woche in Berlin: "Kunden wollen nachhaltige Produkte"Zur Großansicht
AFP

Gemüse auf der Grünen Woche in Berlin: "Kunden wollen nachhaltige Produkte"

Die Lebensmittelindustrie leidet unter der Wirtschaftskrise, die Umsätze schrumpfen - nicht aber bei Bioprodukten. Die neuesten Zahlen zeigen: Käufer von Ökoware sind extrem treu, die Krise heizt ihre Lust aufs Nachhaltige angeblich sogar an. Zumal die Preise fallen.

Hamburg - Die Nachricht schockierte Freunde der ökologischen Kost: "Die Biobranche wächst nicht mehr", titelte die "taz". "Bild" schrieb: "Bio ist plötzlich out." Die Basis für den Abgesang aufs Ökoessen: Schätzungen der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI), die vor der Grünen Woche veröffentlicht wurden. Ihnen zufolge stagnierte der Jahresumsatz des gesamten Biomarktes 2009 bei 5,9 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau.

Ein harter Schlag also für die Vorzeigebranche, die in den vergangenen Jahren konstant gewachsen war?

Eher nicht. Denn der Umsatz stagnierte nur deshalb, weil die Preise gesunken sind. Von Januar bis November 2009 kosteten Bioprodukte 3,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. "Daraus schließen wir, dass 2009 insgesamt mehr Bioprodukte verkauft wurden als noch 2008", sagt Diana Schaack, Ökolandbau-Expertin bei der AMI. "Das Interesse an Bio ist ungebrochen."

Dass die Preise zurückgegangen sind, liegt nach Meinung von Experten vor allem an schlechten Ernten in den Jahren 2007 und 2008 - die trieben damals die Preise hoch. "Bestimmte Bioprodukte waren auf breiter Front ausverkauft", sagt Ulrich Hamm, Agrarwissenschaftler an der Universität Kassel. "Es gab Lieferschwierigkeiten bei Dinkel, Roggen und Weizen, aber auch bei Käse, Eiern und Butter." Die Biobranche treffen Ernteprobleme besonders, weil sie keinen synthetischen Dünger nutzt - sie muss die Preise stärker hochsetzen.

2009 war die Ernte wieder besser. Gelitten hat die Ökoindustrie lediglich darunter, dass ihre Waren bei Discountern weniger Käufer fanden. "Wenn Bio- und konventionelle Produkte nebeneinander stehen, akzeptieren die Kunden nur einen gewissen Preisaufschlag", sagt AMI-Expertin Schaack. Selbst die Preissenkungen halfen dort nicht, den Absatz zu steigern. Dazu kam die Übernahme von Tengelmanns Supermarktkette Plus durch Edeka, wegen der viele Bioprodukte aus dem Sortiment flogen - was den Gesamtumsatz der Ökobranche drückte. Gerade angesichts dieser Rahmenbedingungen ist es erstaunlich, dass sie insgesamt bloß stagnierte. Zumal der Lebensmittelmarkt 2009 insgesamt im Jahresvergleich um 2,4 Prozent schrumpfte.

"Die Motive, Bio zu kaufen, sind stärker geworden"

Im Biofachhandel, also in reinen Öko-Supermärkten und -läden, ist der Umsatz im Vergleich zum Jahr 2008 um vier Prozent gestiegen. Der Ökolandbau verzeichnete gar Zuwächse von fünf bis sechs Prozent. AMI-Expertin Schaack hat dafür eine einfache Erklärung: "Den meisten Umsatz machen die Stammkunden, und die sind Überzeugungstäter. Sie lassen sich von der Krise nicht beeinflussen."

Tatsächlich machen etwa acht Prozent der Kunden über 60 Prozent des Umsatzes aus. "Diese Stammkäufer schränken ihren Konsum auch in der Krise nicht ein", sagt Forscher Hamm.

Auch Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bunds Ökologischer Lebensmittelwirtschaft, sieht die Treue der Kunden als großes Plus - gerade in Krisenzeiten. "Die Motive, Bio zu kaufen, sind stärker geworden. Viele Kunden wollen Produkte, die nachhaltig produziert werden", sagt er.

Die Experten sehen die Zukunft für die Branche optimistisch. "Wir sind weit von einer Sättigung des Marktes entfernt", sagt Hamm. "Wenn die Wirtschaft sich schnell wieder erholt, werden wir sogar überdurchschnittlich zulegen."

Schaack von der AMI drückt sich zwar ein bisschen vorsichtiger aus, aber trotzdem zuversichtlich: "Es wird nicht mehr zweistellige Wachstumsraten geben", glaubt sie. "Aber der Markt wird sicher weiter wachsen."

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insgesamt 12 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.01.2010 von lilak: Bio, ja, aber dann auch richtig

Also ich habe viel gelesen und mich umfassen informiert. Dann habe ich beschlossen meine Ernaehrung komplett auf Bio Produkte um zu stellen. Denn ich brauche keine Pestizide, gen manipuliertes und andere feine Sachen in meinem [...] mehr...

25.01.2010 von mooksberlin: Bio

Ich finde es interessant, das gesunde Ernährung in Deutschland meist mit einem Glaubenskrieg gleichgesetzt wird. Ich kann nicht bestätigen, dass Bio und konventionelle Produkte gleichlang haltbar sind, Bio-Brot schimmelt viel [...] mehr...

24.01.2010 von ischrock: Wo Bio draufsteht

ist nicht immer Bio drin. Aber der Glaube richtet's, wie ich im Bioladen immer wieder erlebe. Alleine das Einkaufen dort ist eine Tortur, weil man mit so vielen unglaublich bewußten und unglaublich tollen Menschen [...] mehr...

24.01.2010 von TommIT: Trotzende Branche?

Das Bio nichts anderes ist als ein Refake, der inzwischen weltweit angebaut wird , dessen Preise inzwischen ebenso von 4-6 Grossimporteuren diktiert wird. Es inzwischen das ganze Jahr im Markt Bio-Erdbeeren??? gibt. Sind Bio [...] mehr...

24.01.2010 von hajoschneider: ?

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