Frankfurt am Main - Bankaktien gehörten am Freitagmorgen zu den großen Verlierern an den europäischen Börsen. In Zürich gaben Papiere der Credit Suisse
und der UBS
rund vier Prozent nach, Barclays-Aktien
fielen in London zeitweise um 3,4 Prozent.
Papiere der Deutschen Bank
verloren in Frankfurt bis zu 4,5 Prozent auf 44,87 Euro und notierte damit so niedrig wie seit dem Sommer vergangenen Jahres nicht mehr. Der Dax
rutschte bis zum späten Vormittag um 0,6 Prozent auf 5709 Punkte. Der MDax
verlor 0,38 Prozent und notierte bei 7619 Punkte, der TecDax
sank um 0,47 Prozent auf 818 Zähler.
Die Verluste der Finanzpapiere gingen auf Pläne Barack Obamas zurück, die Finanzbranche stärker zu regulieren. Der US-Präsident will de facto risikoreiche Geschäfte der Banken zur Gewinnmaximierung verbieten. "Sollte Obama das durchbringen, würde das den Gewinnen der Banken zusetzen", erklärte ein Händler. Bereits am Vorabend hatten die Pläne an der Wall Street für deutliche Verluste gesorgt und dann in Japan auf die Kurse geschlagen.
"Viele dachten, Obama rettet die Banken und alles ist wieder gut. Aber der Wille, den Instituten richtig auf die Füße zu treten, ist da", sagte ein Händler. Analyst Ben Potter vom Marketmaker IG Markets verwies zudem darauf, dass sich die Aktienmärkte seit Anfang Dezember bereits sehr stark entwickelt hätten und daher eine Korrektur unausweichlich sei. "Sollte Obama das durchbringen, würde das den Gewinnen der Banken zusetzen", erklärte ein anderer Händler.
Händler sind skeptisch
Obama hatte seine Pläne am Donnerstagabend zeitgleich mit dem Handelsschluss in Europa verkündet. Sollten sie wie angekündigt verwirklicht werden, könnte das auch die Geschäfte der Börsenbetreiber schmälern. Die Titel der Deutschen Börse
rutschten um über vier Prozent, die der Londoner Börse um über zwei Prozent und die der Nyse Euronext um gut ein Prozent ab.
Trotz des relativ moderaten Abschlags im Dax waren viele Händler skeptisch. Zwar sei auch eine kurze technische Erholung möglich, doch sprächen im Moment viele Faktoren für schwächere Kurse, hieß es. Eine ganze Reihe von charttechnischen Unterstützungsmarken waren am Vorabend gefallen, als im Vorfeld von Obamas Rede die Börsen rund um den Globus auf Talfahrt gingen. Zugleich warnten Händler aber auch vor einer Überbewertung der Verluste. Schließlich habe der Dax seit seinem Fünfeinhalbjahres-Tief vom März vergangenen Jahres über 60 Prozent Verlust gutgemacht. "Da ist eine Korrektur auch mal angebracht", erklärte ein Händler.
Als direktes Vorbild für Europa eignet sich das US-Modell aber nach Ansicht von Experten nicht, auch die Auswirkungen sollten sich in Grenzen halten. "Einen direkten Effekt der US-Vorschläge für die deutschen und auch die europäischen Banken gibt es eigentlich nicht, da die hiesigen Banken keine eigenen Hedgefonds betreiben. Aber der Boden für eine mögliche schärfere Regulierung wird durch den Vorstoß von Obama schon bereitet", sagt LBBW-Analyst Alexander Groschke. Europa habe bislang mit einer Regulierung gezögert, aus Angst, dass die Banken dann in die USA abwandern könnten. "Nun ist die Situation einmal umgekehrt. Die USA gehen in Vorlage, und die Politiker in Europa, die eine schärfere Regulierung fordern, bekommen mal Rückenwind."
Obamas Pläne stoßen auf Skepsis
Obamas Regulierungspläne stoßen in den eigenen Reihen offenbar auf Skepsis. Finanzminister Timothy Geithner sei besorgt, dass die Beschränkungen die Wettbewerbsfähigkeit der US-Großbanken gefährden könnte, sagten Personen aus der Finanzbranche am Donnerstag.
Außerdem gehe Geithner nicht davon aus, dass die anvisierten Grenzen für den Banken-Eigenhandel das Problem an der Wurzel packen und künftige Exzesse verhindern könnten. Ein Sprecher Obamas erklärte dagegen, dass Geithner hinter den Vorschlägen des Präsidenten stehe.
"Würden diese Pläne umgesetzt, käme es zu einem massiven Strukturbruch sowohl in der US- als auch in der internationalen Finanzwirtschaft", sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Obamas Pläne dürften im Gesetzgebungsverfahren noch ordentlich an Schärfe verlieren. "Wer die Lobbyistengruppen in Amerika kennt, der weiß, dass sie wie Spechte das Holz bearbeiten. Die Finanzindustrie ist doch eigentlich die Wachstumsbranche in den USA - mit diesen Plänen würde Amerika seinen finanz- und geldwirtschaftlichen Einfluss auf die Welt verlieren. Das kann ich mir nicht vorstellen." Mit einer einfachen Bonus-Steuer wie in Großbritannien wäre das Problem nach Meinung von Halver einfacher in den Griff zu bekommen. "In diesem Fall kann man von England lernen", so Halver.
sam/dpa/Reuters
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