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06.02.2010
 

Dax-Geflüster

Börsianern graut vor Lehman 2.0

Von Kai Lange

Die Griechenland-Krise lässt den Dax stürzen. Anleger fürchten Kreditausfälle, einen Staatsbankrott in Europa und dass der gesamte Bankensektor ins Rutschen gerät. Die Parallelen zum Lehman-Debakel sind beunruhigend: Nur steht diesmal noch viel mehr Geld auf dem Spiel.

Hamburg - Als Déjà-vu bezeichnen Psychologen das Gefühl, man habe eine neue Situation schon einmal erlebt oder gesehen. Anleger haben dieser Tage ein höchst unangenehmes Déjà-vu: Wieder ist die Rede von Dingen, von denen sie bereits im Herbst 2008 gehört haben. Wieder beschleicht sie dieses Lehman-Gefühl.

Als im September 2008 die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, eskalierte die Finanzkrise zu einem Flächenbrand. Der Geldfluss zwischen den Banken fror ein, die Angst vor weiteren Zahlungsausfällen ließ die Anleihemärkte kollabieren. Wie Dominosteine gerieten Banken ins Wanken: Sie mussten nicht nur Wertpapiere ihres Handelspartners Lehman abschreiben, sondern auf Grund illiquider Märkte immer neue Milliardenlöcher melden.

Nun, 17 Monate später, geht es erneut um drohende Kreditausfälle und darum, dass ein in Not geratener Schuldner möglicherweise keine neuen Geldgeber findet. "Griechenland hat Wertpapiere in Höhe von 290 Milliarden Dollar ausstehen - das ist mehr als doppelt so viel wie die 140 Milliarden Dollar, mit denen Lehman im Herbst 2008 in der Kreide stand", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Zwölf Milliarden Euro Schulden muss Athen bis April zurückzahlen und neue Anleihen ausgeben - ob sich dafür genug Investoren finden, ist offen.

Gelingt dies nicht, wäre Griechenland zahlungsunfähig. Der Wert griechischer Staatsanleihen würde kollabieren. "Dann müssten europäische Banken massive Abschreibungen vornehmen. Zusätzlich dürften ihre Kreditbeziehungen zu griechischen Banken leiden", sagt Krämer. Griechische Banken halten heimische Staatsanleihen in Höhe von knapp 40 Milliarden Euro, was etwa ihrem Eigenkapital entspricht.

"Schlimmstenfalls geraten die Kreditgeber Griechenlands dadurch selbst ins Wanken, so dass eine Kette fallender Dominosteine entstünde", warnt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die Indizes fallen bereits: Der Dax Chart zeigen hat binnen vier Wochen rund 10 Prozent nachgegeben, angeführt von Finanzwerten wie der Deutschen Bank Chart zeigen, die rund 20 Prozent an Wert verloren hat. Auch das kennen Anleger schon.

Der Handel mit Kreditrisiken blüht wieder auf

Wieder sind komplexe Kreditderivate, Credit Default Swaps (CDS), Teil eines riskanten Spiels. Hedgefonds jagen die Preise für diese Kreditausfallversicherungen immer weiter in die Höhe. Sie wetten darauf, dass der griechische Staat seine Schulden nicht zurückzahlen kann und die CDS-Kurse damit weiter steigen.

Déjà-vu: Vor Ausbruch der Finanzkrise betrug das Handelsvolumen mit CDS rund 50 Billionen Dollar. Ausfallrisiken wurden hin- und hergeschoben, für die am Ende niemand aufkommen konnte. Nun blüht erneut der Handel mit Kreditrisiken.

Dabei haben die EU-Staaten verschiedene Möglichkeiten, die Notbremse zu ziehen, erläutert Krämer. Sie könnten eine Garantie für griechische Anleihen geben. Sie könnten eine EU-Gemeinschaftsanleihe herausgeben und damit dem klammen Staat die dringend benötigte Liquidität verschaffen. Sie könnten den Weltwährungsfonds zu Hilfe rufen oder nach dem Vorbild des IWF einen europäischen Währungsfonds aufbauen, um strauchelnde Mitgliedstaaten im Notfall mit Geld zu versorgen. Sie könnten damit das Gespenst einer Staatspleite vertreiben.

Angst vor Kreditausfällen in den PIIGS-Staaten

Doch es geht nicht mehr nur um Griechenland, sondern um eine Vielzahl von Wackelkandidaten. Anleger, die eben noch auf die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) gehofft hatten, fürchten sich nun vor den PIIGS-Staaten. Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien. Dort schießen die Staatsdefizite in die Höhe, explodieren die Risikoaufschläge für Kreditausfallversicherungen. Händler sprechen von "stark steigenden CDS-Spreads" - und erinnern sich mit Gruseln.

Wenn die Angst vor einem Staatsbankrott in diesen Staaten weiter um sich greift, könnte sich auch diese Krise zu einem Flächenbrand entwickeln, meint Ulrich Leuchtmann, Devisenanalyst bei der Commerzbank. Dies hätte Auswirkungen auf andere Länder, auf Bankensysteme und auf die Konjunktur. Auch das hat man schon gesehen. "Doch diesmal gibt es möglicherweise keinen Staat, keine Zentralbank und keine Institution, die stark genug wäre einzugreifen", warnt Leuchtmann.

Ein ungemütliches Gebräu aus Angst, Spekulation und der Furcht vor einer neuen Kettenreaktion. Derweil hat sich der Jobabbau in den USA im Januar fortgesetzt, von der Wall Street ist derzeit keine Hilfe zu erwarten. Hoffnung kann ein Anleger dieser Tage lediglich daraus ziehen, dass ein Déjà-vu letztlich als Täuschungsphänomen gilt: Das Gefühl, etwas Bekanntes erneut zu durchleben, trügt, denn am Ende ist nichts genau so, wie es schon einmal war. Es könnte also noch mal gut gehen mit den PIIGS. Oder noch viel schlimmer kommen.

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Wir sind seit den 80ern im finalen Countdown. Wir stehen jetzt nur kurz vor dem Höhepunkt. mehr...

14.04.2010 von nr6527: 600.000 Mrd $

Hier ein Zitat aus einem FTD Artikel. ---Zitat--- ...Als Lehre aus der Finanzkrise wollen Politiker und Aufseher auf beiden Seiten des Atlantiks den über 600.000 Mrd. $ schweren außerbörslichen Handel mit Derivaten stärker [...] mehr...

13.04.2010 von japan10:

Ja, der war das. Dieser Mann verdient 100.000$ im Jahr und zahlt sein Porto und Telefon selbst. Sein Vermögen hat er gestiftet. mehr...

08.04.2010 von tom_hwi:

Sehr gut, der Ausdruck hochgezogen trifft die Sache am besten. Mit den Fundamentaldaten hat der Ölpreis nur sehr begrenzt etwas zu tun. War das nicht der, der Finanzderivate als Massenvernichtungswaffen bezeichnet hat? In [...] mehr...

07.04.2010 von japan10:

Die Rohstoffe ziehen nicht an, sie werden hochgezogen. Die Preise an den Börsen haben nichts mit der Realität zu tun. Wieder kommt eine gute Nachricht aus den USA. Die Bürger bewerten die US-Unternehmen. Nur 18% sagen, sie sind [...] mehr...

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