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17.02.2010
 

Aktientipps in China

Spekulanten wetten auf das Jahr des Tigers

Von Claudia Wanner, Hongkong

Chinesisches Neujahrsfest (an der Börse im philippinischen Manila): Verbreiteter AberglaubeZur Großansicht
REUTERS

Chinesisches Neujahrsfest (an der Börse im philippinischen Manila): Verbreiteter Aberglaube

Aktionäre aufgepasst! Das Jahr des Ochsen ist vorbei, nun steht die Welt im Zeichen des Tigers. Für Chinesen ein markanter Einschnitt: Im großen Stil schichten sie ihr Vermögen um. Selbst seriöse Analysten beschäftigt die Sterndeutung - an der Börse in Hongkong gibt es sogar einen Feng-Shui-Index.

Dringende Warnung an alle Investoren! An folgenden Tagen droht Ihren Aktien besonderes Unheil: 7., 16., 25. Mai und 3. Juni.

Dafür lockt später das Glück. Feng-Shui-Experten sehen den 17. November, den 8. Dezember und den 16. Januar als besonders vielversprechende Börsentage.

Das gilt zumindest dann, wenn die chinesischen Sterne recht behalten. Nach dem Mondkalender hat das neue Jahr am Sonntag, 14. Februar, begonnen. Für Chinesen in aller Welt ist dies das größte Fest des Jahres. Und es ist ein willkommener Anlass, Investments zu überprüfen und umzuschichten. Denn das Jahr des Ochsen ist zu Ende, dafür befinden wir uns nun im Jahr des Tigers - und in dessen Zeichen florieren ganz andere Branchen als bisher.

"Der chinesische Volksglaube geht davon aus, dass die zwölf Tierzeichen des Horoskops einen Einfluss auf das Investmentklima haben", schreiben Analysten der Credit Suisse in einem Bericht. "Kung hei fat choy" rufen sich die Hongkonger in diesen Tagen zu. "Möge sich Dein Vermögen mehren."

Auch Finanzdienstleister nehmen den Tiger ernst. Gerade hat der Broker CLSA in Hongkong einen Feng-Shui-Index veröffentlicht. Neben den Tierkreiszeichen spielen die eng damit verbundenen fünf Elemente Erde, Feuer, Holz, Metall und Wasser bei der Sterndeutung eine zentrale Rolle. Feng Shui, wörtlich "Wind Wasser", beschäftigt sich mit der richtigen Ausrichtung von Gegenständen und Gebäuden, soll für Harmonie sorgen und die Geister von Luft und Wasser wohlwollend stimmen - und damit auch den freien Fluss des Geldes ermöglichen. Der Index sei perfekt für "diese Stadt, in der Gerüchte die entscheidende Kauf- und Verkaufsgrundlage bilden", sagt der Händler einer europäischen Großbank.

Die Analyse, für die die Anlageexperten um Vonnie Chan mehrere Feng-Shui-Experten hinzuziehen, ist regelmäßig nach wenigen Tagen vergriffen - trotz der nachdrücklichen Hinweise auf das "Augenzwinkern" bei der Zusammenstellung des Heftes.

Typische Tiger-Jahre sind durch Umstürze gekennzeichnet

Gelassenheit ist im Angesicht des Tigers nicht angesagt. "Tiger-Jahre sind typischerweise durch dramatische Veränderungen oder sogar Umstürze gekennzeichnet", warnt Analystin Chan. Das hätten die vergangenen Tiger-Jahre gezeigt: die Finanzkrise 1998 in Russland, Nixons Rücktritt nach dem Watergate-Skandal 1974 oder der Einmarsch Nordkoreas in den Süden des Landes 1950.

Andererseits kennzeichnen den Tiger neben Impulsivität und Unruhe auch Energie, Kraft und Optimismus, sagt Chan. So dürfen sich eine ganze Reihe von Prominenten auf eine Glückssträhne freuen - je nach Geburtsjahr. Dazu gehören die Investmentlegende Warren Buffett, Hongkongs reichster Tycoon Li Ka Shing, die IT-Größen Steve Jobs und Bill Gates, Chinas Premier Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao. Allen Menschen, die in den Jahren des Drachens, des Pferdes oder des Schafes geboren wurden, bringt der Tiger Glück.

Der Börse dagegen droht angeblich bis zum Sommer eine Achterbahnfahrt. Mit bestimmten Aktien sollen Anleger aber auf der sicheren Seite sein - vor allem bei Sektoren, die mit den Elementen Metall und Holz in Verbindung stehen. Dazu zählt Feng Shui Stahl, Maschinenbau und Rohstoffe, aber auch Bekleidung und Pharmazie. "Branchen, die mit Wasser in Verbindung stehen, schätzt der Tiger dagegen gar nicht", sagt Chan. Reedereien, Fluggesellschaften, Logistik und der Automobilbranche stünden Kursverluste bevor.

Kumquatbäumchen bringen Glück

Bei zahlreichen Traditionen rund um Neujahr geht es vor allem um eines: die Mehrung des Vermögens. In Hongkong gilt dies vor allem für die omnipräsenten Orangen. Rick Tang hat vor dem Fest für seine Etagenwohnung sechs Töpfe mit Kumquatbäumchen angeschafft, einer chinesischen Mini-Orange. Übervoll hängen die kleinen Büsche mit den Früchten. "Das bringt Glück, besagt die Tradition."

"Gut" heißt die Frucht auf kantonesisch, genau wie das Wort für Vermögen. Ein ähnliches Wortspiel erklärt die Beliebtheit von Fischgerichten als Neujahrsmahlzeit. "Yu", wie der Fisch, heißt auch der Überfluss.

Selbst für den Nachwuchs stehen die Feiertage im Zeichen des Geldes. Kinder, aber auch alle Ledigen dürfen sich über rote, kunstvoll verzierte Umschläge (auf kantonesisch "Lai See") mit einer Geldgabe freuen. "Laut Tradition geben Verheiratete Lai See an ihre unverheirateten Bekannten und an Kinder", sagt die gerade verheiratete Lehrerin Kwan Lai Yin. Als Grundstock des Vermögens werden meist kleine Beträge verschenkt. Üblich sind 20 oder 50 Hongkong-Dollar (umgerechnet 1,90 oder 4,70 Euro), gelegentlich liegen in den Tütchen auch ein Hunderter oder Fünfhunderter. Tabu sind zwei Zwanziger oder vier Hunderter, klingt doch das kantonesische Wort für "Vier" wie "Tod".

Und was sollte man mit den Geldgeschenken machen? Am besten in Aktien stecken, raten die Sterndeuter von CLSA. Im Jahr des Tigers werden die Indizes in Hongkong und Shanghai nach einem schwierigen Frühling zum Jahresende ein deutliches Plus anzeigen.

Doch Vorsicht! Wer auf dem Rücken des Tigers sitzt, kommt schwerlich wieder herunter, besagt ein altes chinesisches Sprichwort. Chans Rat an alle Anleger: "Seien Sie nicht habgierig!"

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insgesamt 8 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.02.2010 von spaetzlemitsoss: 1972?

Jetzt tun Sie dem Spiegel Redakteur aber Unrecht. Nur eins der drei zitierten Jahre war kein Tigerjahr. Und mit einer Fehlerquote von <50% ist der Artikel auch wieder im Rahmen der Spiegel Online Zielvorgaben :-) Schöne [...] mehr...

17.02.2010 von psalm91: Tigerjahre

Tigerjahre waren 1950, 1974, 1998. Watergate fand zwar 1972 im Jahr der Ratte statt, aber der Rücktritt Nixons erst 1974. Hoffentlich verjagt der Tiger 2010 auch die deutschen Politiker-Ratten! mehr...

17.02.2010 von skeptizistiker: Mal nach Sheng-Fui googlen!

Drei "Umstürze" in drei Tiger-Jahren? Alle anderen Umstürze, Katastrophen usw. in Nicht-Tiger-Jahren? Für wirklich seriöse und kompetente Informationen empfehle ich die ursprüngliche, wirklich wahre Lehre des [...] mehr...

17.02.2010 von bässerwisser: 2010,1998,1972,1950

Schwere Aufgabe für Mensa..?Oder nur sehr oberflächig recherchiert?Wenn 2 von 3 Beispieljahren keine Tigerjahre waren...was will uns der Rest des Artikels sagen..? mehr...

17.02.2010 von Sintra: Oettinger goes Feng-Shui

"ein wahrlich ernuechternder eye-opener fuer alle,..." Wieder was gelernt. mehr...

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