Frankfurt am Main - Die Unternehmen in Deutschland sollen mehr Frauen in ihre Aufsichtsräte holen. Diese Empfehlung will die Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) nach ihrer Sitzung im Mai aussprechen, wie sie am Donnerstag in Frankfurt am Main ankündigte. Insbesondere die 30 größten börsennotierten Unternehmen und die 50 mittelgroßen im MDax notierten Firmen müssten eine "den Gegebenheiten des Unternehmens angemessene Vertretung von Frauen und ausländischen Experten" im Aufsichtsrat planen.
Eine Quote wie in Norwegen - hier müssen alle börsennotierten Unternehmen mindestens 40 Prozent ihrer Aufsichtsratssitze an Frauen vergeben - wird von der Kommission nicht erwähnt. Ihre Empfehlungen können die Unternehmen freiwillig umsetzen.
Der Chef der Regierungskommission, der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank Klaus-Peter Müller, sagte der "Financial Times Deutschland": "Wir haben so viele kompetente Frauen in allen möglichen Feldern - Wissenschaft, Politik, Kunst, überall - nur in Aufsichtsräten nicht." Er wolle und könne es einfach nicht akzeptieren, dass ein Land wie Deutschland es nicht schaffe, einen angemessenen Anteil von Frauen in Aufsichtsräten zu haben. Bislang gibt es in Deutschland nur in einem Dax-Konzern eine Aufsichtsratschefin: Simone Bagel-Trah bei der Henkel AG.
Die Initiative Frauen in die Aufsichtsräte begrüßte die Initiative der Kommission. Aber: "Wir bleiben dabei, dass nur eine gesetzlich verbindliche Quotenregelung tatsächlich ein spürbares Umdenken einleiten kann", erklärte die Präsidentin Monika Schulz-Strelow. Durch die Ankündigung der Kommission wachse jedoch der Druck auf die Unternehmen, die Forderung nach mehr Gleichberechtigung ernst zu nehmen.
Die Regierungskommission will zudem empfehlen, dass Aufsichtsräte für ihre Aufgabe, das Unternehmen zu kontrollieren, besser ausgebildet werden - vor allem in den Bereichen rechtliche Grundlagen, Konzernrechnungslegung und Risikocontrolling. Die jeweiligen Unternehmen müssten zudem ein spezielles unternehmens- und branchenspezifisches Einführungsprogamm anbieten.
fro/AFP
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