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17.02.2010
 

Lufthansa-Streik

Ab Montag herrscht an Flughäfen das Chaos

Stimmenauszählung der Pilotenvereinigung Cockpit: Mehr als 90 Prozent für StreikZur Großansicht
Reuters

Stimmenauszählung der Pilotenvereinigung Cockpit: Mehr als 90 Prozent für Streik

Die Lufthansa steht vor einem harten Streik: Die Piloten der Airline wollen die Arbeit niederlegen, mehr als 90 Prozent stimmten dafür. Schon am Montag soll der Ausstand beginnen - auf den Flughäfen droht Chaos, die Airline rechnet mit massiven Erlösverlusten.

Frankfurt am Main - Die Entscheidung hatte sich bereits abgezeichnet: Die Piloten der Fluggesellschaft Lufthansa wollen streiken. Die Mitglieder der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) stimmten in einer Urabstimmung mit über 90 Prozent für einen Arbeitskampf bei der größten deutschen Fluglinie, wie die Gewerkschaft am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Damit wurde die erforderliche Mehrheit von 70 Prozent deutlich überschritten.

Cockpit hat die Lufthansa-Piloten nun für die kommende Woche zu einem viertägigen Streik aufgerufen. Der bundesweite Ausstand soll am Montag um Mitternacht beginnen und bis einschließlich Donnerstag dauern. "Wir rufen alle auf, die an dem Tag im Einsatz sind", sagte Tarifexpertin Ilona Ritter.

Eine Chance, den Streik abzuwenden, gibt es aber noch: Cockpit hält sich weiter eine Tür zu Gesprächen mit der Arbeitgeberseite offen. Noch habe die Lufthansa Zeit, mit einem substantiellen Angebot an den Verhandlungstisch zurückzukehren, betonte von Thomas von Sturm, Verhandlungsführer von Cockpit.

Welche Flüge im Falles eines Ausstands konkret ausfallen, sei derzeit noch unklar, so von Sturm. Die Gewerkschaft erwarte jedoch massive Auswirkungen auf den Flugverkehr. Maschinen, die sich zu Streikbeginn im Ausland befänden, sollten aber noch nach Deutschland zurückfliegen. Betroffene Passagiere könnten ihre Flüge stornieren oder umbuchen. Reisende innerhalb von Deutschland sollten die Bahn nehmen und erhielten später die Differenz zum Preis des Flugtickets zurück.

Lufthansa bezeichnete den Streik in einer ersten Reaktion als "unverhältnismäßig". "Ein Streik schadet dem Unternehmen, seinen Kunden und Mitarbeitern in hohem Maße", erklärte der Konzern.

Tarifverhandlungen bereits im Dezember gescheitert

Von dem Streik betroffen sind etwa 4500 Piloten bei der Lufthansa selbst, der Frachttochter Lufthansa Cargo und bei Germanwings. Die Piloten werfen dem Konzern vor, auf angestammten Lufthansa-Strecken zunehmend Flugzeuge ihrer dazugekauften Tochtergesellschaften wie Brussels Airlines oder Austrian Airlines einzusetzen. Die Piloten dort verdienten bis zu einem Viertel weniger als ihre Kollegen bei der Konzernmutter. "Das haben wir uns zwei Jahre angeschaut, irgendwann ist Schluss", sagte von Sturm.

Die Piloten fordern nun von der Lufthansa die Auslagerung der Stellen zu stoppen. Für eine derartige Zusage wären sie auch zu einer Nullrunde beim Gehalt bereit. Außerdem wollen sie mehr Mitbestimmung und eine Arbeitsplatzgarantie unter dem bestehenden Konzerntarifvertrag.

Die Lufthansa bezeichnete die Forderungen von Cockpit als inakzeptabel. Eine Sicherung der Arbeitsplätze in Verbindung mit weitgehenden Mitspracherechten bei unternehmerischen Grundsatzfragen sei ein Eingriff in die Geschäftsführung.

Die Tarifverhandlungen waren bereits im Dezember 2009 von der Gewerkschaft für gescheitert erklärt worden. Cockpit hatte 6,4 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert.

"Wir müssen jeden Tag mit massiven Erlösausfällen rechnen"

Die Gewerkschaft, die als gut organisiert gilt, könnte die Lufthansa mit einer Arbeitsniederlegung ähnlich hart treffen wie beim großen Pilotenstreik 2001. Damals hatten die Piloten die Arbeit für drei Tag niedergelegt und sorgten für chaotische Zustände auf deutschen Flughäfen. Die Lufthansa musste Hunderte Flüge streichen, was die Airline rund 200 Millionen Euro kostete. Seitdem gab es auch Ausstände bei der günstigeren Tochter CityLine, die aber keine Interkontinentalverbindungen anbietet.

Auch dieses Mal rechnet die Lufthansa mit deutlichen Belastungen. Nach Einschätzung der LBBW könnte der Pilotenstreik für die Fluggesellschaft täglich einen Verlust von zehn Millionen Euro oder mehr bedeuten. Allein die Streikdrohung habe bereits zu einem Rückgang der Buchungen geführt, sagte der für die Tarifverhandlungen zuständige Passagiervorstand Roland Busch Anfang des Monats. "Wenn dann tatsächlich gestreikt würde, dann müssen wir jeden Tag mit massiven Erlösausfällen rechnen." Die Einsparziele der Gesellschaft wären dadurch "massiv gefährdet". Die Fluggesellschaft will ihre Kosten bis 2011 jährlich um eine Milliarde Euro senken.

Die Lufthansa hat seit der Finanzkrise mit gesunkenen Passagierzahlen und einem Gewinnrückgang zu kämpfen, weil immer mehr Geschäftsreisende die lukrativen First- und Business-Klassen meiden und Economy fliegen. Eine Besserung ist nach Ansicht des Unternehmens nicht in Sicht.

fro/apn/Reuters

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insgesamt 44 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
18.02.2010 von chatanika: LH Pilotenstreik

Was wissen Sie den bitte über die Pilotengehälter der von Ihnen angeführten Airlines. Es geht darum, die besten Pilotenarbeitsplätze in Deutschland zu behalten. Nicht darum mehr zu verdienen, sondern darum den hohen [...] mehr...

17.02.2010 von Freyss: Schlechter vergleich!

Auch der typische Äpfel und Birnenvergleich. Hast ja recht: Die sind "billiger" aber nicht günstiger.... mehr...

17.02.2010 von james592: Lufthansa-Piloten stimmen für Streik

Ja, riecht nach Westerwave & Co. Die Besserverdienenden müssen jetzt noch mal richtig einsacken, bevor der Sack leer ist. Gruezi Schwyzer! Sollen die doch mal Ihren Sack aufmachen- dann rennt wahrscheinlich die ganze [...] mehr...

17.02.2010 von olana: It's a global world baby!

Ich habe fast 10 Jahre in Deutschland gearbeitet und arbeite seit nun fast 3 Jahren in den USA. Mir fällt immer wieder auf, dass deutsche Arbeitnehmer nicht schätzen was sie haben, sondern sich immer nur beschweren was sie nicht [...] mehr...

17.02.2010 von darkn8: Gegen Auslagerung

Wenn man einmal von der Neid Debatte absieht, habe ich gelesen dass eine Nullrunde akzeptiert wird gegen eine "belastbare Arbeitsplatzgarantie". Ich finde das ist ein legitimes Ziel und sollte nicht von einer Neiddebatte [...] mehr...

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Rechte der Fluggäste bei Streiks

Umbuchung

Auch nach der Aussetzung des Streiks versucht die Lufthansa betroffene Passagiere auf alternative Flüge umzubuchen. Bei Zielen in Deutschland können Fluggäste ihren Flugschein am Ticketschalter auch gegen einen Reisegutschein der Deutschen Bahn eintauschen. Eine spätere Erstattung des Bahntickets ist ebenso möglich, dafür muss der Kunde einen Kaufbeleg für das Flugticket einreichen.

Wer fürchtet, dass sein schon gebuchter Lufthansa-Flug zwischen dem 22. und 25. Februar ausfällt und nun seine Reisepläne ändern will, kann schon jetzt kostenlos einen anderen Flug mit gleichem Start und Ziel wählen. Das neue Reisedatum muss aber vor dem 31. Mai liegen.

Stornierung

Leistungen bei Verspätung

Entschädigung


Der Lufthansa-Konzern

Austrian Airlines

war einst die nationale Fluggesellschaft von Österreich und wurde stark angeschlagen von Lufthansa übernommen.

British Midland

Swiss

German Wings

Die Pilotengewerkschaft Cockpit

Die 1969 als Berufsverband gegründete Vereinigung Cockpit (VC) hat ihre gewerkschaftliche Kraft erst vor zehn Jahren entdeckt. Damals schockte die kleine Pilotengewerkschaft die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa mit einer Forderung nach 30 Prozent mehr Geld, die sie 2001 in einem harten Streik auch weitgehend durchsetzte.

Bis dahin hatte die Vereinigung zusammen mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) eine Tarifgemeinschaft gebildet und eine im internationalen Vergleich eher niedrige Pilotenbezahlung zugelassen. Den Weg der DAG in die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di machten die Piloten nicht mit und wurden lieber eigenständig.

Inzwischen sieht sich die in Frankfurt sitzende Vereinigung zumindest bei der Lufthansa auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern. Die VC vertritt nach eigenen Angaben rund 8200 Besatzungsmitglieder von Verkehrsflugzeugen und Verkehrshubschraubern.

Der größte Teil arbeitet bei der Lufthansa, aber auch in allen anderen deutschen Luftfahrtgesellschaften hat die VC nach eigenen Angaben Mitglieder. Neben der Tarifpolitik sieht die VC die soziale Absicherung ihrer Mitglieder und die Sicherheit des Luftverkehrs als wichtige Aufgaben.




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