Von Sven Böll und Anne Seith
Hamburg - Die Häme der Konkurrenz lässt nicht lange auf sich warten. Der drohende Megastreik der Piloten bei der Lufthansa
ist eine prima Vorlage für schöne Extra-Werbung - und vielleicht auch für einen hübschen Zuverdienst.
"Was tun, wenn mein Lufthansa-Pilot streikt?", fragt der Billigflieger Ryanair in einer Pressemitteilung also und liefert die vermeintliche Antwort gleich mit: "Ryanair
bietet verlässliche und preiswerte Alternativen." Mit dem am Montag beginnenden Streik lasse die Lufthansa "Passagiere in Deutschland, aber auch Tausende von Kilometern fernab der Heimat, auf dem Trockenen sitzen", hämt die für Deutschland zuständige Sales Managerin Henrike Schmidt in dem Schreiben.
Natürlich stellt sich die Frage, ob der Billigflieger mit abgelegenen Flughäfen wie Düsseldorf-Weeze und Frankfurt-Hahn tatsächlich die passende Alternative für die verwöhnte Lufthansa-Kundschaft ist, die immerhin zu rund 70 Prozent aus Geschäftsleuten besteht.
Streiks könnten glimpflich ausgehen
So geht auch ein Sprecher von Siemens
davon aus, dass es "für den einen oder anderen" Manager des Konzerns in der kommenden Woche unangenehm werden könnte. Gerade bei Langstrecken etwa nach Asien greife man gerne auf die Direktflüge der Lufthansa zurück. Wenn man jetzt auf eine Fluggesellschaft umbuchen müsse, die ab Frankfurt fliegt, "wird es schon alleine zeitlich schwierig, weil sich der ganze Reiseverlauf ändert".
Alles in allem aber ist man bei Siemens gelassen. Der Vorstand kann im Notfall mit dem Privatjet fliegen. Und für alle anderen Mitarbeiter sei der Vorlauf ausreichend lange, um entsprechend umzuplanen, so der Sprecher. Es gebe ja genügend Alternativen.
Ähnlich wie Siemens haben sich auch andere Konzerne vorbereitet. So gibt es etwa bei der Allianz
eine Aufforderung im Internet, rechtzeitig auf direkte Lufthansa-Konkurrenten umzubuchen oder gleich auf die Bahn umzusteigen. Von Chaos oder gar Panik ist auch in der Zentrale des Finanzkonzerns nichts zu hören. Ein repräsentatives Bild: "Fast alle Unternehmen gehen mit der Situation entspannt um, angesichts der vielen Reisealternativen wird die Welt ja auch nicht zusammenbrechen", sagt René Zymni von BCD Travel. Das Unternehmen betreut 7000 deutsche Firmen bei ihren Geschäftsreisen.
Und so könnten die Folgen des Streiks ab Montag zumindest für die Reisenden sehr viel glimpflicher ausfallen, als es sich die Lufthansa-Piloten erhoffen. Denn neben Ryanair bieten auch viele andere Konkurrenten Alternativen. So fliegen etwa Air Berlin
und Tuifly auch die zentral gelegenen Airports in Deutschland an. Und am Freitagmittag gab es für die kommende Woche auf wichtigen Strecken fast noch durchweg Tickets - wenn auch überwiegend in den teuren Preiskategorien.
Lufthansa will Image-Katastrophe begrenzen
Doch nicht nur andere Fluggesellschaften und die Bahn freuen sich auf das Geschenk eines Zusatzgeschäfts. Beim Autovermieter Europcar werden schon jede Menge Extra-Fahrzeuge an Bahnhöfe und Flughäfen gebracht, falls tatsächlich viele Fluggäste stranden und spontan ein Auto mieten wollen.
Auch der Anbieter Sixt
nutzt die Gelegenheit und verspricht, dass ein möglicher Anstieg der Nachfrage an Bahnhöfen und Airports leicht geschultert werden könnte. "Streikopfer können ganz einfach von der Gangway in einen unserer komfortabel ausgestatteten Mietwagen umsteigen", lockt Detlev Pätsch, Vorstand Operations der Sixt AG, im besten Werber-Sprech.
Und dann ist da ja auch noch die Lufthansa selbst. Das Unternehmen versucht, den streikbedingten Image-Schaden und die finanziellen Einbußen zu begrenzen. Alle vom Streik betroffenen Kunden können deshalb ihr Ticket kostenlos umbuchen (siehe Kasten links:"Rechte der Fluggäste bei Streiks"). Ein Angebot, das nach Unternehmensangaben bereits gut angenommen wird.
Für die kommende Woche will man zudem Flugzeuge mitsamt Besatzung bei der Konkurrenz mieten, Führungskräfte mit Pilotenschein an den Steuerknüppel schicken - und einen Sonderflugplan erstellen. "Es wird niemand am Montag am Flughafen stehen, dessen Flug nicht geht", beteuert ein Lufthansa-Sprecher.
Bahnfahrt ist auch mit Flugticket möglich
Außerdem plant die Lufthansa die Bündelung von Flügen. Das könnte so aussehen: An normalen Montagen fliegt die Airline 15 Mal die Strecke Hamburg-Frankfurt - allein zwischen 6 und 10 Uhr gibt es sechs Flieger. Wahrscheinlich ist, dass es am kommenden Montag vormittags jedoch nur zwei bis drei Flüge gibt. Weil diese aber statt mit kleinen mit großen Flugzeugen bedient werden, könnte trotzdem ein beträchtlicher Teil der Passagiere mitreisen.
Auch auf innereuropäischen Strecken dürfte die Lufthansa ähnlich vorgehen. So ist damit zu rechnen, dass Flüge vor allem dort ausfallen, wo es gute Alternativen mit der Bahn gibt - etwa zwischen Köln oder Düsseldorf und Paris.
Zudem kooperiert die Airline mit der Deutschen Bahn. Flugreisende, deren innerdeutsche Flüge ausfallen, können mit dem Flugschein oder dem Flugcoupon auf der eingetragenen Strecke den Zug nehmen. Lufthansa-Kunden mit elektronischem Ticket müssen sich allerdings am Flughafen oder einem Lufthansa-Schalter einen Reise-Voucher holen.
Megastreik schadet Ruf der Lufthansa
So dürfte die Zahl der Reisenden, die verzweifelt am Flughafen warten, gering sein. Und trotzdem: Zwischen Montag und Donnerstag werden wohl bis zu 70 Prozent der täglich rund 1800 Lufthansa-Flüge ausfallen. Das wären mehr als 1200 pro Tag. Immerhin finden fast 500 Flüge täglich auf innerdeutschen Strecken statt, so dass die Ausweichmöglichkeiten entsprechend gut sein dürften.
Besonders hilfreich für den Ruf des Unternehmens ist der Megastreik dennoch nicht. Zumal sich die Zahl der Business-Class-Kunden, die besonders wichtig für das Geschäft sind, schon in den vergangenen Jahren nicht immer hocherfreulich entwickelt hat. Galt es in der Anzugträger-Fraktion lange Zeit als schick, in der Business Class der einstigen Staatslinie zu Terminen in aller Welt zu fliegen, hat die Lufthansa viel von ihrer früheren Exklusivität verloren.
Denn fast alle Unternehmen haben im Laufe der diversen Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre ihre Reisevorschriften verschärft. Egal, ob Klitsche oder Konzern - in der Regel müssen selbst Führungskräfte heute auf Europastrecken Economy fliegen.
Und in der Holzklasse der Lufthansa ist es nicht wirklich gemütlicher als bei Air Berlin, Tuifly oder anderen Billigkonkurrenten. Bei manch einem Wettbewerber ist der Service mittlerweile sogar besser. Und somit könnte der Pilotenstreik am Ende vor allem eins sein: eine Werbung für die Konkurrenz.
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Das ist ja wieder eine Umfrage! Kopfgeschüttel! Jede Arbeit hat seinen Preis - und ob die Piloten zu "wenig verdienen" - kann man doch nicht beurteilen - jedenfalls kaum einer der Foristen - sonst müssten Unerlagen [...] mehr...
Die Lufthansa hat hierzulande nicht (mehr) das Beförderungsmonopol beim Luftverkehr. Deshalb dürfen die auch streiken. Aber bitte: wenn die LH in finanzielle Turbulenzen gerät: dann geht sie im Zweifelsfall bitte auch Pleite! mehr...
Sie können ja die Maschinen der Lufthansa, von "Aufstocker" fliegen lassen. mehr...
Lokführere schon recht, aber die LH Piloten sind halt eine Glaubensgemeinschaft, sie glauben, das das Beste gerade gut genug ist ! mehr...
Bevor Sie sich erdreisten, alle unter einen Hut bringen zu wollen: Als die Kollegen streikten, wollten Sie nur das haben, was vor dem ganzen Privatisierungswahn bezahlt wurde. Und das war schon lächerlich wenig. Durch die [...] mehr...
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