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22.02.2010
 

Neue Flugbegleiter-Forderung

Lufthansa droht Doppel-Streik

Foto: DPA

Erst die Piloten - und bald die Stewardessen? Für die Lufthansa wird es eng, denn jetzt drohen auch die Flugbegleiter mit Streik. Dabei sorgt schon der Ausstand des Cockpit-Personals für erhebliches Chaos, das Arbeitsgericht Frankfurt drängt die Parteien nun zu einer gütlichen Einigung.


Frankfurt am Main - Ein Unglück kommt selten allein - das dürften sich die Manager der Lufthansa Chart zeigen an diesem Montag sagen. Denn neben dem Streik der Piloten drohen jetzt auch Arbeitsniederlegungen von Stewards und Stewardessen.

Die Lufthansa habe für die anstehende Tarifrunde noch kein Verhandlungsangebot vorgelegt und weigere sich Gespräche aufzunehmen, sagte Nicoley Baublies, Sprecher der Tarifkommission Lufthansa Kabine bei der Flugbegleitergewerkschaft UFO am Montag. Die Gewerkschaft werde den Konzern deshalb "nötigenfalls durch Warnstreiks" zu Verhandlungen drängen. Sollten Einschnitte bei den Flugbegleitern geplant sein, müsse der Konzern seine Pläne offenlegen.

Für die Lufthansa kommt dies zu einem denkbar ungeeigneten Zeitpunkt. Schließlich streiken seit diesem Montag schon die Piloten der Airline und legen damit den Luftverkehr in Deutschland in weiten Teilen lahm. Die Kosten des Streiks sollen sich auf 25 Millionen Euro belaufen - pro Tag. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat bis Donnerstag zu einem viertägigen Arbeitskampf aufgerufen.

Termin vor dem Arbeitsgericht

Die Lufthansa versucht, gegen den Pilotenstreik gerichtlich vorzugehen. Am Montagabend trafen sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht Frankfurt - vorerst aber ohne Ergebnis. Richterin Silke Kohlschitter schlug eine Aussetzung des Arbeitskampfs vor: "Es hilft nicht, Sie müssen in irgendeiner Form wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren." Tatsächlich zogen sich Vertreter der Lufthansa und der Piloten zu Beratungen zurück. Am frühen Abend war aber noch nicht klar, ob dies zu einer Einigung führen könnte.

Fest steht dagegen, dass nun auch die Flugbereitergewerkschaft UFO ihren Druck auf das Unternehmen erhöht. Sie fordert für die 16.000 Stewards und Stewardessen der Lufthansa eine 40-Stunden-Woche, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und im Urlaub sowie einen Anspruch auf geregelte Pausen.

Für Pausen gebe es bisher keine eindeutige Regelung, erklärte Baublies. Die Lohnfortzahlungen bei Urlaub oder Krankheit lägen 25 Prozent unter der regulären Nettovergütung, und für Fortbildungen fielen teils erhebliche Überstunden an. Im Gegenzug wolle die Gewerkschaft in den Tarifverhandlungen auf eine prozentuale Lohnerhöhung verzichten.

"Der reinste Psycho-Quatsch"

Der Tarifvertrag zwischen Lufthansa und UFO läuft am 28. Februar aus. Nach Angaben der Gewerkschaft hatte die Fluggesellschaft nach Kündigung des Vertrags im November keine Gespräche angeboten.

Mit den Piloten zeigten sich die Flugbegleiter solidarisch. Deren Streikziele zur Arbeitsplatzsicherung seien auf "jeden Fall richtig", sagte UFO-Tarifexperte Joachim Müller. Auch in der Kabine kämpfe man mit ähnlichen Problemen der "schleichenden Verlagerung von Arbeitsplätzen". "Da wird ein neues Drehkreuz in Zürich aufgemacht, und das wächst und wächst, und irgendwann fehlen uns hier die Arbeitsplätze."

Besondere Kritik übte UFO an monatlichen "Corporate Identity"-Seminare, an denen die Flugbegleiter in ihrer Freizeit teilnehmen müssten. "Das ist der reinste Psycho-Quatsch. Viele Kollegen würden viel lieber fliegen, als diese Veranstaltungen abzusitzen", sagte Müller.

Der Streik kostet den Flughafen Frankfurt bis zu 1,5 Millionen Euro täglich

Wie schwerwiegend bereits der Pilotenstreik für die Lufthansa ist, machen aktuelle Zahlen der Deutschen Flugsicherung (DFS) deutlich. Demnach hat sich die Zahl der Lufthansa-Flüge in Deutschland an diesem Montag fast halbiert. Zwischen 0 Uhr und 11 Uhr seien 633 Flüge der Lufthansa im deutschen Luftraum gezählt worden. An einem vergleichbaren Montag, dem 8. Februar, seien es im selben Zeitraum 1106 Lufthansa-Flüge gewesen. Mit anderen Worten: Fast jede zweite Maschine blieb streikbedingt am Boden.

Optimistischere Zahlen gab das Unternehmen selbst bekannt. So hätten bei der Lufthansa-Tochter Germanwings am Montag trotz des Pilotenstreiks drei Viertel aller Flüge stattgefunden. 120 von bundesweit 160 geplanten Flügen konnten demnach ausgeführt werden. "Bei uns läuft bisher alles wie geplant", sagte Germanwings-Sprecher Heinz Joachim Schöttes.

Die Folgen bekommt auch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Chart zeigen zu spüren. Nach eigenen Angaben verliert das Unternehmen täglich bis zu 1,5 Millionen Euro - nur aufgrund des Pilotenstreiks bei der Lufthansa. In der Zahl seien entgangene Gebühren für Starts und Landungen enthalten, ebenso wie sinkende Einzelhandelsumsätze am Flughafen, erklärte ein Unternehmenssprecher am Montag. Auch müsse wegen des Streiks zusätzliches Personal in allen Bereichen vorgehalten werden.

Arbeitskämpfe auch in Frankreich, Großbritannien und Griechenland

In Europa ist die Lufthansa nicht das einzige Luftfahrtunternehmen, das gegenwärtig Ärger mit seinen Mitarbeitern hat. Sowohl in Frankreich als auch in Griechenland und Großbritannien müssen sich Fluggäste auf Unannehmlichkeiten einstellen. In Frankreich will ein Teil der Fluglotsen die Arbeit niederlegen. An den beiden Pariser Flughäfen Charles de Gaulle und Orly dürften deshalb am Dienstag ein Viertel beziehungsweise die Hälfte der Flüge ausfallen, teilte ein Sprecher der Luftfahrtbehörden am Montag mit.

Die französischen Lotsen wollen ihre Arbeit bis Samstag ruhen lassen. Sie protestieren damit gegen ein Vorhaben der französischen Regierung, die Luftfahrtaufsichtsbehörde DGAC mit den Behörden in Deutschland, der Schweiz und den Benelux-Ländern zu verschmelzen.

Auch in Griechenland sollen Streiks den Flugverkehr lahmlegen. Darüber informierten die Fluglinien in Athen am Montag die Öffentlichkeit. Der Streik soll Dienstagnacht um 23 Uhr MEZ (0 Uhr Ortszeit) beginnen und um 23 Uhr MEZ am Mittwoch (24 Uhr Ortszeit) enden. In dieser Zeit werde es in ganz Griechenland weder Starts noch Landungen geben. Grund ist ein Ausstand der Fluglotsen. Der Arbeitskampf ist Teil eines Generalstreiks, der sich gegen das von der EU verordnete Sparprogramm der Regierung richtet.

Darüber hinaus müssen sich auch Passagiere von British Airways auf Ungemach einstellen. Das Kabinenpersonal der Fluggesellschaft stimmte am Montag mit einer Mehrheit von 80 Prozent für einen Streik. Mögliche Termine stünden aber nicht fest, noch werde weiter verhandelt, teilte die Gewerkschaft mit. Ende der Woche soll Näheres bekanntgegeben werden. Den Mitarbeitern geht es um die Sicherung ihrer Jobs und bessere Arbeitsbedingungen.

wal/AFP/dpa

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insgesamt 91 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.02.2010 von carlo1402:

Das sind ja unglaubliche Zustände. Was Sie so alles rausfinden... Hier können Sie Ihr Wissen ein wenig vertiefen: http://de.wikipedia.org/wiki/Crew_Rest_Area mehr...

23.02.2010 von sitiwati: naja, wir hattens

zwar schon mal aber der Service in den betagten 747 ist schon so minimal, dei nächste Stufe wären wohl Stehplätze! ich hate mich immer gewundert, was die Türe hinten ist, in der 747, bis ich dahinter kam, dass da Schlafplätze [...] mehr...

23.02.2010 von woscho: Viele Lufthansa-Flüge fallen aus

Den Denkzettel für seine Sturheit hat sich der überhebliche, bislang erfolgreiche Carrier trotzdem unnötig eingehandelt. Imageverlust inklusive. Die Zuverlässigkeit des bisher kaum bestreikten Unternehmens hat gelitten. Monetärer [...] mehr...

23.02.2010 von Leuchtturm: Und noch eine Frage

wie verbringt der Pilot denn die 70 Flugstunden, wenn es sich um Langstecke handelt? Mitnichten indem er 70 Stunden hochkonzentriert auf seine Instrumente schaut. Also bitte sprechen Sie in diesem Zusammenhang nicht von [...] mehr...

23.02.2010 von regentag1:

Sehe ich genau so. Glasklare Bruchlandung für Herrn von Sturm. Sehr clever von LH den ersten Tag des Streiks abzuwarten - denn die Schadensersatzforderungen waren nun wohl das Drohpotential, das sie zur Vernunft gebracht hat. [...] mehr...

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Rechte der Fluggäste bei Streiks

Umbuchung

Auch nach der Aussetzung des Streiks versucht die Lufthansa betroffene Passagiere auf alternative Flüge umzubuchen. Bei Zielen in Deutschland können Fluggäste ihren Flugschein am Ticketschalter auch gegen einen Reisegutschein der Deutschen Bahn eintauschen. Eine spätere Erstattung des Bahntickets ist ebenso möglich, dafür muss der Kunde einen Kaufbeleg für das Flugticket einreichen.

Wer fürchtet, dass sein schon gebuchter Lufthansa-Flug zwischen dem 22. und 25. Februar ausfällt und nun seine Reisepläne ändern will, kann schon jetzt kostenlos einen anderen Flug mit gleichem Start und Ziel wählen. Das neue Reisedatum muss aber vor dem 31. Mai liegen.

Stornierung

Leistungen bei Verspätung

Entschädigung


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Reuters

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Vote

Streik in Krisenzeiten - berechtigt?

Die Piloten der Lufthansa streiken. Passt das zum Krisenjahr 2010?

  • Auf jeden Fall. Gerade in Krisenzeiten müssen sich die Arbeitnehmer wehren.
  • Ja. Piloten machen einen extrem wichtigen Job, ihre Anliegen sind berechtigt.
  • Weiß nicht.
  • Nein. Piloten gehören ohnehin zu den Besserverdienern.
  • Auf keinen Fall. In Krisenzeiten müssen die Arbeitnehmer auf ihr Unternehmen Rücksicht nehmen.

Was die Streitparteien wollen

Die Verhandlungslinie der Piloten

Die Gewerkschaft Cockpit befürchtet einen sukzessiven Abbau der hochbezahlten Piloten im Konzerntarifvertrag. Sie will eine Verlagerung von Arbeitsplätzen auf neu übernommene oder neugegründete Töchter vermeiden und fordert daher eine "belastbare Beschäftigungsgarantie" für die Flugzeugführer. Im Gegenzug für diese Arbeitsplatzgarantie hatte sich die Gewerkschaft bereiterklärt, auf ihre zu Beginn der Verhandlungen im Mai geforderte Lohnerhöhung von 6,4 Prozent für zwölf Monate zu verzichten und eine Nullrunde zu akzeptieren. Der Konzerntarifvertrag umfasst neben der Lufthansa Passage die Töchter Lufthansa Cargo und Germanwings.

Die Verhandlungslinie der Lufthansa

Knackpunkt eins: Internationale Zukäufe

Knackpunkt zwei: Lufthansa Italia

Knackpunkt drei: Logistiktochter Aerologic

Knackpunkt vier: Größere Regionalmaschinen





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