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24.02.2010
 

US-Zentralbank

Bernanke verteidigt Niedrigzins

Fed-Chef Bernanke: "Das größte Problem ist die Arbeitslosigkeit"Zur Großansicht
AP

Fed-Chef Bernanke: "Das größte Problem ist die Arbeitslosigkeit"

Der Leitzins soll noch für "längere Zeit" auf dem jetzigen Rekordtief verharren, kündigte US-Notenbankchef Ben Bernanke an. Experten rechnen sogar erst nächstes Jahr mit einer Zinserhöhung. Sorgen bereiten dem Fed-Boss derzeit vor allem die vielen Langzeitarbeitslosen.

Washington - Wenn er spricht, horcht die Wirtschafts- und Finanzwelt auf: Ben Bernanke, Präsident der US-Notenbank Federal Reserve, will trotz einer allmählichen Erholung der amerikanischen Wirtschaft in den kommenden Monaten nicht an der Leitzins-Schraube drehen.

Die aktuelle Konjunkturlage rechtfertige es, den Leitzins "noch für einen längeren Zeitraum" auf dem Rekordtief von knapp über null Prozent zu lassen, sagte Bernanke am Mittwoch vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Für dieses Jahr sei mit einem Wachstum zwischen 3 und 3,5 Prozent zu rechnen, prognostizierte der Fed-Chef bei der Vorlage des halbjährlichen Wirtschaftsberichts.

Die niedrigen Zinssätze seien als Maßnahme für eine dauerhafte Erholung der Wirtschaft notwendig. Nur so könnten die Folgen der hohen Arbeitslosigkeit abgefedert werden, sagte Bernanke. "Die Arbeitslosigkeit ist das größte Problem." Die Notenbank rechnet nur mit einer allmähliche Erholung auf dem Jobmarkt. Die Arbeitslosenquote lag im Januar bei 9,7 Prozent. Die Fed erwartet auch Ende 2012 noch immer eine Quote zwischen 6,5 und 7,5 Prozent.

Fast doppelt so viele Langzeitarbeitslose als vor einem Jahr

Besorgt zeigte sich Bernanke vor allem wegen der steigenden Zahl von Langzeitarbeitslosen: "Mehr als 40 Prozent der Arbeitslosen sind sechs Monate oder länger ohne Job - das ist fast doppelt so viel wie vor einem Jahr", sagte der Fed-Chef. Die Wirtschaftskrise hat bereits 8,4 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz gekostet. Auch zu Jahresbeginn hat sich der Jobabbau fortgesetzt.

Zurzeit liegen die Zinssätze in den USA praktisch bei null. Dies kann Experten zufolge jedoch nicht auf Dauer so bleiben, weil sonst die Inflation davon galoppieren und eine Spekulationsblase entstehen könnte. Werden die Zinsen aber zu früh angehoben, könnte das zarte Konjunkturwachstum im Keim erstickt werden. Hinzu kommt, dass auch die Hilfsprogramme der Regierung für die von der Finanzkrise gebeutelte Wirtschaft allmählich auslaufen.

"Die Federal Reserve wird irgendwann damit beginnen müssen, die Geldpolitik zu straffen, um Inflationsdruck abzuwenden", sagte Bernanke. Für Bernanke ist es wohl ein Drahtseilakt, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen. Fachleute sagen, dass die Zinssätze frühestens in einigen Monaten angehoben werden. Andere rechnen sogar erst im kommenden Jahr damit. Steigende Energiepreise hätten die Inflationsrate etwas nach oben getrieben, sagte Bernanke. Die meisten Indikatoren signalisierten jedoch eine niedrige Inflation für einige Zeit.

Bernankes Prognosen drücken den Dollar - Dax steigt

Das Wirtschaftswachstum wird sich der Prognose zufolge im kommenden Jahr auf 3,5 bis 4,5 Prozent beschleunigen. Die private Nachfrage wachse mit moderatem Tempo, sagte Bernanke. Dies sei auch eine Folge der verbesserten Finanzierungsbedingungen. Der jüngste Anstieg der Konsumausgaben sei vor allem auf höhere real verfügbare Einkommen und die verbesserte Vermögenslage der Haushalte zurückzuführen.

Die Aussicht auf weiterhin niedrige US-Leitzinsen drückte den Dollar etwas. Demgegenüber haben Bernankes Aussagen zur Zinspolitik dem Dax am Mittwoch ins Plus geholfen. Nach einer Berg- und Talfahrt ging der deutsche Leitindex mit Gewinnen von 0,2 Prozent auf 5615 Punkte aus dem Handel. "Das billige Geld bleibt und das wird vom Markt honoriert", sagte ein Händler.

Die US-Notenbank hatte vorige Woche bei der Geldversorgung der Banken die Zügel angezogen und den Zinssatz für Übernachtdarlehen von 0,5 auf 0,75 Prozent heraufgesetzt, womit Notkredite für die Finanzinstitute teurer werden. Bernanke hatte die Erhöhung des sogenannten Diskontsatzes zwar kürzlich angekündigt, der frühe Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung seit Ausbruch der Krise im Jahr 2007 war aber unerwartet. Er hatte bei Marktteilnehmern Sorgen ausgelöst, die Fed könne früher als erwartet an der Zinsschraube drehen.

"Die jüngste Anhebung des Diskontsatzes war kein geldpolitisches Signal", sagte Bernanke am Mittwoch. Es bestehe kein Zusammenhang mit dem Leitzins. Er begründete die Diskontsatzerhöhung nun mit der erklärten Absicht der Notenbank, die Finanzinstitute von den Nothilfen der Zentralbank zu entwöhnen. Die Banken sollten ermutigt werden, sich bei Privatinstituten die benötigten Mittel zu besorgen. Die Fed hatte wie andere Notenbanken auch in der Krise ihre Zinsen massiv gesenkt und zusätzlich Unmengen an Wertpapieren angekauft, um die Bankenbilanzen zu entlasten und die Wirtschaft zu unterstützen.

lgr/dpa/apn/Reuters

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