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27.02.2010
 

Teure Edelfeder

Inder schimpfen über Gandhi-Füller aus Deutschland

Von Hasnain Kazim, Islamabad

Montblanc-Füller: "Verspottung dieses großartigen Mannes"Zur Großansicht
AP

Montblanc-Füller: "Verspottung dieses großartigen Mannes"

Die Luxusmarke Montblanc hat einen Füllhalter zu Ehren Mahatma Gandhis auf den Markt gebracht - für 22.000 Euro das Stück. Viele Inder sind verärgert, denn der Staatsmann verabscheute Luxus und Produkte aus dem Ausland. Nun gibt die deutsche Firma klein bei.

Es sind große Worte, die Lutz Bethge für Mahatma Gandhi findet: Er sei "vielleicht einer der größten Figuren unserer Zeit", lobt der Chef von Montblanc International den Mann, der auf vorbildliche Weise für Indiens Unabhängigkeit kämpfte. Und: "Frieden, Gewaltlosigkeit, Toleranz, Gleichheit und Schlichtheit sind Werte, die Gandhi verkörperte."

Dass Montblanc sich überhaupt öffentlich über das Vorbild Gandhi äußern muss, hat einen einfachen Grund: Es gibt mächtig Ärger. Seit das zum Luxusgüterkonzern Richemont Chart zeigen gehörende Unternehmen im Oktober 2009 einen Füllhalter zu Mahatma Gandhis 140. Geburtstag herausgebracht hat, sind viele Inder verwirrt bis verärgert über das Schreibgerät aus Silber und Gold, versehen mit einem Edelstein. Es kostet immerhin 1,4 Millionen indische Rupien, umgerechnet mehr als 22.000 Euro.

"Mahatma Gandhi trat für einen einfachen Lebensstil ein", sagte Dijo Kappen von der Nichtregierungsorganisation Center for Consumer Education im südindischen Unionsstaat Kerala, als der Füller der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Kritiker sehen Beleidigung der indischen Nation

Im Ringen um die Unabhängigkeit Indiens von der britischen Krone habe er natürlich stets dafür geworben, ausschließlich indische Produkte zu nutzen. "Es ist eine Verspottung dieses großartigen Mannes und eine Beleidigung der indischen Nation, ihn als Reklamehelden zu nutzen", schimpfte Kappen. Gandhi zu benutzen, um einen Luxusfüllhalter zu verkaufen, sei ein Verrat von Gandhis Werten.

Montblanc nahm die Kritik zunächst gelassen hin. Denn das Hamburger Unternehmen hatte den Urenkel Gandhis, Tushar Gandhi, und die indische Regierung um Erlaubnis gefragt, das Konterfei Gandhis für Plakate und Broschüren zur Bewerbung des Füllhalters nutzen zu dürfen.

Doch die Verbraucherorganisation aus Kerala klagte wegen Herabwürdigung Gandhis und Beleidigung der indischen Nation. Sie argumentierte, der Füller sei ein Verstoß gegen ein indisches Gesetz von 1950, das den Missbrauch von nationalen Emblemen und Namen unter Strafe stellt.

Stückzahl soll an Gandhis Salzmarsch erinnern

Montblanc lenkte spät ein, aber immerhin noch bevor das Gericht im südindischen Thiruvananthapuram zu einer Entscheidung kam. Das Unternehmen teilte Mitte der Woche mit, man werde den Verkauf der Edelfüller stoppen, bis die Angelegenheit geklärt sei.

Nach Angaben eines Firmensprechers sind bisher 42 der 70 für den indischen Markt vorgesehenen Schreibgeräte verkauft worden. Die von Tushar Gandhi geführte Stiftung habe bislang 145.000 Dollar aus den Erlösen erhalten und werde zusätzlich 200 bis 1000 Dollar für jeden verkauften Stift bekommen. Und da Mahatma Gandhi sich immer für mehr Bildung und bessere Ernährung von Kindern eingesetzt habe, habe man bereits 900.000 Dollar für diese Zwecke in Indien gespendet.

Montblanc bringt regelmäßig teure Schreibgeräte in limitierter Edition zu Ehren von historisch bedeutsamen Persönlichkeiten heraus. Zu den bisher Bedachten zählen unter anderem Oscar Wilde, Greta Garbo und Marlene Dietrich. Aber auch George Washington und Papst Julius II.

Montblanc produziert auch eine preiswertere Version

Von dem von Hand gefertigten Gandhi-Stift, mit dessen Unterschrift als Gravur, kamen nur 241 Stück auf den Markt - in Erinnerung an die 241 Meilen, die Gandhi während seines berühmten Salzmarsches im Jahr 1930 zurücklegte, um gegen die britische Besteuerung des einheimischen Salzes zu protestieren.

Jedes Exemplar wird mit einem acht Meter langen, um den Stift gewickelten goldenen Faden ausgeliefert, eine Anspielung an eine Spindel. Gandhi trug nur ein einfaches Tuch, das er aus selbst gesponnenem Faden webte und sich um den Körper schlang. Winston Churchill, dem zu Ehren es auch einen Montblanc-Stift gibt, nannte Gandhi deshalb einmal verächtlich einen "aufrührerischen Fakir", der es wage, "halb nackt" auf Augenhöhe mit dem Vertreter der englischen Krone zu verhandeln.

Offensichtlich ist man sich bei Montblanc aber bewusst, dass die Firma Gandhi-Stifte nicht nur ausschließlich für mehr als 20.000 Euro verkaufen kann. Deshalb gibt es auch eine preiswertere Version - in einer Auflage von immerhin 3000 Stück für rund 2200 Euro. Wer allerdings einen Stift wie Gandhi nutzen will, sollte ihn am besten in einem indischen Schreibwarenladen kaufen. Ein Bleistift aus indischer Produktion dort kostet umgerechnet etwa acht Cent.

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Werde meinen neuen Boxer Gandhi nennen mehr...

28.02.2010 von stanis laus: Salzstreuer unter 1 USD

Wenn Montblanc noch einen Marketingmenschen haben sollte, sollte der eine Idee eines geschmackvollen und hochwertigen Salzstreuers mit Unterschriftsgravur von Mahatma Ghandi draufsetzen, der ausschliesslich in Indien gefertigt [...] mehr...

27.02.2010 von habo10: tolle Ehrung

Also bitte. Gandhi führte ein Leben das im ganz im Zeichen des Fastens, der Askese und der Meditation stand, er lehnte materiellen Besitz rundherum ab. Wenn man das bedenkt könnte ich mir sehr gut vorstellen, das er eine [...] mehr...

27.02.2010 von w.a.mozart: Freude, ...

W. A. Mozart wußte was unbekümmerte Freude am Dasein ist, sonst hätte er diese Musik nicht schreiben können. Er sollte Ihnen Vorbild sein. Zur Nachhilfe: Freude besteht nicht darin die immer gleiche, oberflächliche Leier der [...] mehr...

27.02.2010 von anders_denker: schuss ins eigene bein

schon peinlich, denn der eindruck das herr g. eben nicht auf selber höhe wie andere historisch bedeutende personen steht, zu deren ehren eine sonderedition gefertigt wird bleibt nun. mehr...

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