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09.03.2010
 

Geplatzter Tankflugzeug-Auftrag

Regierung wirft USA Protektionismus vor

Tankflugzeug vom Typ Airbus KC-30 (Simulation): Unfairer WettbewerbZur Großansicht
ddp

Tankflugzeug vom Typ Airbus KC-30 (Simulation): Unfairer Wettbewerb

Transatlantischer Krach mit Ansage: Nach dem Ausstieg des Airbus-Konsortiums aus dem Wettbewerb um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Air-Force sind die Europäer verstimmt. Sie werfen der US-Regierung Protektionismus und mangelnde Fairness vor.

Berlin - Das US-Verteidigungsministerium sorgt mit seiner neuen Ausschreibung eines Auftrags für Tankflugzeuge für Verärgerung in Europa. "Die EU-Kommission wäre extrem besorgt, falls sich herausstellen sollte, dass die Ausschreibungsbedingungen einen offenen Wettbewerb verhindert haben", erklärte Handelskommissar Karel De Gucht am Dienstag in Brüssel. "Es ist höchst bedauerlich, wenn ein wichtiger potentieller Anbieter sich außerstande fühlt, für einen Vertrag dieser Art zu bieten." Die Kommission werde "weitere Entwicklungen in dem Fall sehr genau verfolgen".

Am Montagabend hatten die EADS-Tochter Airbus und ihr US-Partner Northrop Grumman ihren Ausstieg aus dem Riesenprojekt erklärt. Die Ende Februar vorgelegten Ausschreibungsbedingungen für den 35 Milliarden Dollar schweren Auftrag würden den Wettbewerber Boeing klar bevorzugen, hatten Northrop Grumman und EADS North America am Montagabend mitgeteilt. Nach dem Rückzug ist Boeing der einzige Bieter.

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle zeigte sich enttäuscht über die Vorgehensweise des US-Verteidigungsministeriums bei der erneuten Ausschreibung des Auftrags. Nach der ursprünglichen Auswahl des Airbus A330 MRTT durch die US-Luftwaffe werde jetzt der US-Konzern Boeing deutlich bevorzugt, sagte der FDP-Politiker.

"Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden", fügte der Minister hinzu. "Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus." Auch der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, forderte die US-Regierung auf, ihre Entscheidung zu überdenken.

Vergabeverfahren auch in den USA umstritten

Schon vor drei Monaten hatte NGC gedroht, das Handtuch zu werfen, weil mit gezinkten Karten gespielt werde. So hatte Boeing Einsicht in das Airbus-Preisangebot erhalten und konnte sein Angebot darauf abstimmen. NGC/EADS hatte den Tankerauftrag 2008 bereits gewonnen, auf Protest von Boeing aber wieder aberkannt bekommen.

Der Rechnungshof des Kongresses erklärte das Vergabeverfahren für fehlerhaft und empfahl dem Pentagon die Neuausschreibung. Nach der Neuausschreibung des US-Auftrags hatten Northrop Grumman und Airbus über die Bevorzugung von Boeing im Pentagon geklagt.

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hatten vier europäische Regierungschefs im Dezember zudem US-Präsident Barack Obama schriftlich um einen fairen Wettbewerb bei der Tanker-Neuausschreibung gebeten. Doch "der Präsident hat noch nicht einmal eine Antwort für erforderlich erachtet", sagte ein Insider der Zeitung. "Das ist einmalig in der Geschichte der Nato und die Botschaft ist, dass diese US-Regierung nicht an einer offenen und fairen Zusammenarbeit in der Rüstungsbeschaffung interessiert ist."

Die neue Ausschreibung ist auch unter US-Politikern heftig umstritten. Die Ausschreibung sei eine Farce, sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley, am Montag. Northrop habe keine Chance auf echten Wettbewerb gehabt. Ein Zuschlag für das Unternehmen hätte in Alabama Tausende neue Arbeitsplätze geschaffen.

Der demokratische Abgeordnete Norm Dicks aus dem US-Staat Washington zeigte sich dagegen zufrieden, dass EADS als ausländisches Unternehmen nach dem Rückzug von NGC außen vor bleibt. Der Auftrag werde an "ein amerikanisches Unternehmen mit amerikanischen Arbeitern" gehen, erklärte Dicks.

Airbus-Chef Thomas Enders warf der US-Regierung in der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland" "Voreingenommenheit" sowie unfaire Wettbewerbsbedingungen bei der Neuausschreibung des Milliardenauftrags für US-Betankungsflugzeuge vor. Dies seien die Hauptgründe für den Rückzug.

Zweitbeste Lösung für die Air Force

Der Airbus-Chef verwies darauf, dass der Rückzug eine Entscheidung des US-Partners Northrop Grumman als Anführer des Konsortiums sei. Anders als die erste Ausschreibung sei die jetzige Ausschreibung "maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz. Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb", sagte Enders. Die eigentlichen Verlierer seien aber die US-Luftwaffe und die US-Steuerzahler. Die Luftwaffe sei nun gezwungen, "die zweitbeste Lösung zu akzeptieren, und der US-Steuerzahler wird am Ende mehr zahlen für die kleineren und weniger leistungsstarken Modelle".

Der EADS-Tanker KC-45 ist vom Großraumflugzeug Airbus A330 abgeleitet und hat bisher alle internationalen Wettbewerbe gegen Boeings KC-767 gewonnen. Die KC-767 basiert auf dem alten Verkehrsjet B767, der von Airbus völlig vom Markt verdrängt wurde.

Nach dem Verlust der ersten US-Ausschreibung hat Boeing sein Modell überarbeitet. Die KC-767 "New Generation" hat Cockpit-Displays wie der neue Dreamliner 787, doch den engeren 767-Rumpf. Boeing wirbt für die KC-767 mit dem Argument, die Produktion jederzeit auf jedem von der Air Force gewünschten Niveau garantieren zu können. Außerdem verbrauche der Flieger 24 Prozent weniger Treibstoff als der größere und schwerere Airbus-Tanker.

Lediglich Japan und Italien kauften Boeing-Tanker

Die KC-767 wurde bisher nur nach Japan und Italien verkauft, wo Boeing Teile fertigen lässt. Wo sie offen mit dem Airbus-Tanker konkurrierte wie in Australien, Großbritannien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und 2008 in den USA, hatten stets die Europäer die Nase vorn.

EADS wollte mit dem US-Werk auch seine Abhängigkeit vom Euro-Raum mindern. Der Konzern hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A330-Frachter montiert werden sollten. NGC sollte die militärischen Komponenten zuliefern. Northrop warb damit, das Projekt würde 48.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen, mehr als Boeings KC-767.

Enders sagte, "EADS werde trotz des Debakels "weiter in den USA aktiv bleiben". Er verwies dabei auf die jüngst erfolgte 100. Auslieferung eines Hubschraubers an die US Army und das Airbus Engineering Center in Mobile, Alabama.

mik/apn/AFP/dpa-AFX/ddp

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30.04.2010 von wowirom: Jammern hilft nicht

Sie vergessen, 1) daß wir Juniorpartner bei EADS sind, 2) daß wir WW II verloren haben, 3) daß erst ca. 10 Jahre nach Kriegsende in Deutschland wieder Luftfahrtechnik-Lehrstühle erlaubt waren, 4) daß deutsche Spezialisten [...] mehr...

30.04.2010 von wowirom: Nein

Nein, es handelt sich um eine Neuentwicklung, deren Steuerung sicher gegen jede Form von Elektro-Smog ist. mehr...

29.04.2010 von sitiwati: na klar

immer nach dem Motto: nehmen ist seliger, denn geben! mehr...

29.04.2010 von peterman:

Das sehen die Nachbarländer sicher anders. Die finden die Deutschen Politiker prima. Fragen Sie mal die Pigs Länder. mehr...

29.04.2010 von sitiwati: warum sollen

dies ich krumm machen, das ist das selbe wie mit den deutschen Botschaften, ein Herz für Landsleute, ja was noch alles ! mehr...

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