Von Kai Lange
Hamburg - Mit Schwung hat der Dax
in dieser Woche die Marke von 6000 Zählern überschritten. Mehr als 60 Prozent Kursplus in zwölf Monaten, das Niveau vor dem Lehman-Kollaps im Herbst 2008 ist fast wieder erreicht. An der Wall Street erreichte der Dow Jones
den höchsten Stand seit 18 Monaten. Wenn Bewertungen so unbeirrt nach oben klettern, sollte die Krise überstanden sein - doch die aktuelle Lage passt so gar nicht zum Sorglos-Szenario. Im Gegenteil.
Der drohende Staatsbankrott Griechenlands könnte die Währungsunion zerreißen. In China fließt immer mehr Geld in den überhitzten Immobilienmarkt. Großbanken wie HSBC
müssen ihre Abschreibungen auf faule Kredite sowie die Risikovorsorge drastisch erhöhen - vor allem in Spanien dürften Großbanken unter Druck geraten, wenn die Hauspreise noch tiefer fallen.
In den USA und in Japan bleiben die Zentralbanken im Notfallmodus. Die Bank of Japan hat die Leitzinsen bei 0,1 Prozent belassen und ihr Kreditprogramm verdoppelt, um Banken in Bedrängnis zu stützen. Auch die US-Notenbank verleiht weiterhin Geld praktisch zum Nulltarif und begründet die Fortsetzung der Geldschwemme damit, dass die Wirtschaftslage ein "außergewöhnlich niedriges Zinsniveau über einen längeren Zeitraum" erfordere. Entspannung klingt anders - doch Anleger kaufen Aktien, als liefe der Wirtschaftsmotor wieder rund.
"Die Löhne legen kaum noch zu"
"Im Moment sind die Zinsen extrem niedrig", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Das ist ein günstiges Umfeld für Aktien." Als Anlagealternativen fallen Sparbuch und Festgeld auf Grund ihrer Minizinsen aus. Auch Staatsanleihen sind wenig attraktiv. "Schließlich sind die am Markt gehandelten, aktuellen Inflationserwartungen niedrig, da die Löhne in den meisten westlichen Ländern kaum noch zulegen", ergänzt Krämer. Aktien profitieren auch davon, dass es Unternehmen derzeit gelingt, ihre Gewinne zu steigern.
Viele Anleger dürfte derzeit weniger die Aussicht auf sprudelnde Unternehmensgewinne zum Aktienkauf bewegen, sondern eher die blanke Not. Auf dem Zinskonto tut sich nichts, die Kurse von Anleihen fallen - auf dem Aktienmarkt geht es dagegen dank staatlicher Geldschwemme aufwärts. Warum nicht noch eine Weile auf Risiko spielen, wenn in einigen Jahren doch Geldentwertung droht und Sparguthaben zu schmelzen drohen?
Olivier Blanchard, Chefökonom des Weltwährungsfonds IWF, hat die Angst vor steigenden Verbraucherpreisen weiter angeheizt. Vier Prozent Inflation pro Jahr könnten angemessen sein, schrieb Blanchard in einem viel beachteten Aufsatz. Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff warb sogar für " mindestens einige Jahre mit sechs Prozent Inflation" - denn nur so hätten Staaten die Möglichkeit, ihre gigantischen Schuldenberge vergleichsweise bequem abzuschmelzen.
Inflation ist kalte Enteignung
Freilich zu einem hohen Preis - denn Inflation ist kalte Enteignung der privaten Sparvermögen. Bei sechs Prozent Inflation verliert Geld binnen zwölf Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft: Ein Sparer, der jetzt 100.000 Euro übrig hat und auf einem schlecht verzinsten Sparbuch bunkert, müsste um den Verlust von knapp 50.000 Euro fürchten.
Also doch lieber Aktien kaufen, trotz steigender Risiken? Bei hoher Inflation seien Aktien als Substanzvermögen - schließlich sind Aktien Beteiligungen an realen Unternehmen - im Vorteil gegenüber Nominalvermögen, heißt es in einem Kommentar von Metzler Asset Management. Die Inflationserwartungen in Deutschland sind Ende 2009 laut einer Untersuchung der Fondsgesellschaft Union Investment um elf auf 58 Prozent gestiegen. Beide Häuser verdienen mit Aktienhandel ihr Geld, also muss man ihre Äußerungen mit Vorsicht genießen. Doch es gibt noch weitere Indikatoren für Inflationsangst: Der Goldpreis notiert seit Monaten extrem hoch, die Rohstoffpreise klettern weiter, und selbst in Deutschland ziehen die Hauspreise in bevorzugten Lagen stark an.
Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer rechnet damit, dass die Inflation in drei bis vier Jahren auf einem höheren Niveau von drei bis vier Prozent schwanken dürfte. "Wir müssen uns langfristig wahrscheinlich an ein höheres Inflationsniveau gewöhnen, als wir es heute haben", sagt der Experte. Dann dürften auch für Aktionäre schwierigere Zeiten anbrechen, sagt Krämer: "Inflation sorgt für Unsicherheit. Unsicherheit bremst Investitionen und belastet Unternehmen und Wirtschaft."
Noch ist es nicht soweit. Noch steigen Löhne und Gehälter kaum, weil Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze fürchten. Doch sobald die Notenbanken mit ersten Zinserhöhungen die Ära des billigen Geldes beenden, dürften die Kurse am Aktienmarkt unter Druck geraten. "In einer solchen Phase ist es sinnvoll, eher kurzfristig investiert zu sein, als Kapital langfristig zu binden", sagt Krämer.
Auch dies spricht derzeit für Aktien: Man kann schnell wieder raus, wenn die Stimmung dreht.
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Dann hoffe ich, dass Sie danach arbeitstechnisch glücklicher geworden sind (wobei ich vom Gefühl her sagen würde, dass es fast überall so ist.) In diesem Sinne, Glück auf! mehr...
Sie haben recht. Es war noch die EWG bis zur Wiedervereinigung und erst ein paar Jährchen danach die EU. In meinen Tagebüchern habe ich einiges zum Exportaufkommen notierte gefunden und nach meinen Notizen sieht es so aus [...] mehr...
So wollte ich das nicht verstanden wissen. Wie schon erwähnt, ich bin Praktiker kein Theoretiker. Entschuldigung für meine misslungene Formulierung. Im Anschluß probiere ich es noch einmal und dann hoffentlich verständlicher für [...] mehr...
Eine steigende Inflation war z.B. in den Jahren 1960 - 1980 eher schlecht für den Aktienmarkt. In Deutschland lag die Rendite von Aktien (Rückrechnung DAX) unter 1% pro Jahr. In dieser Zeit halbierte sich der reale Wert der DM [...] mehr...
Ich kann Ihrer Erfahrung natürlich nicht widersprechen, wenn Sie damals in der Exportbranche gearbeitet haben. Allerdings glaube ich, dass man innerhalb der Exportbranche nach Sektoren differenzieren muss. So dass es durchaus [...] mehr...
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