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19.03.2010
 

Teurer Strom

Solar-Absahner schaden der Ökobranche

Von Stefan Schultz

Solarzellen: Gewaltiger Zubau in DeutschlandZur Großansicht
REUTERS

Solarzellen: Gewaltiger Zubau in Deutschland

Strom könnte bald um zehn Prozent teurer werden, der Hauptgrund laut einer Studie: die ausufernde Förderung der Solarbranche. Diese hat ihren Boom jahrelang kleingerechnet, die Politik griff nicht ein. Die Sonnenkönige bedrohen den Ruf der gesamten Ökostrom-Branche.

Hamburg - Deutschland träumt einen verheißungsvollen Öko-Traum. Zahllose Dächer und Landstriche werden mit glitzernden, futuristisch anmutenden Solar-Panels überzogen. Scheint die Sonne, werden diese Flächen mit nie versiegender Energie geflutet und produzieren sauberen Strom. Es ist eine sorglose Ära, die da erträumt wird - doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

In Wahrheit könnte der Solarboom teuer werden für die Verbraucher. Schon jetzt fördern sie den Sonnenstrom jährlich mit mehreren Milliarden Euro - über Aufschläge auf ihre Stromrechnung. 2011 sollen diese Zuschläge nun noch einmal deutlich steigen. Die Öko-Umlage, mit der Wind-, Solar- oder Biogasstrom finanziert werden, muss laut einer Vattenfall-Studie im kommenden Jahr um 1,8 bis 2 Cent pro Kilowattstunde erhöht werden - auf insgesamt bis zu 4,4 Cent einschließlich Mehrwertsteuer. Das an offiziellen Ökostrom-Prognosen beteiligte Leipziger Institut für Energie hält die Prognose für realistisch.

Für die Verbraucher sind das schlechte Nachrichten: Der Strompreis würde schlagartig um zehn Prozent steigen - von rund 20 Cent auf 22 Cent. Ein Einfamilienhaushalt mit 5000 Kilowattstunden Verbrauch würde rund 100 Euro pro Jahr draufzahlen.

Das Absurde: Obwohl nur rund zwei Prozent der Elektrizität in Deutschland mit Sonnenstrom produziert werden, macht die Solarvergütung den größten Posten in dieser Rechnung aus. "Von den 2,05 Cent Öko-Förderung gehen schon jetzt 0,82 Cent in die Solarförderung", sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das seien mehr als 40 Prozent der gesamten Umlage. Im kommenden Jahr dürfte der Anteil der Solaranlagen an dem Öko-Zuschlag auf deutlich mehr als 50 Prozent anschwellen.

Mittelstand fordert drastische Kürzung der Förderung

Grund für den Preisanstieg ist der starke Zubau von Solaranlagen. Dank der hohen Förderung haben sich 2009 zahllose Verbraucher eine Anlage aufs Dach geschraubt. Doch die Solarunternehmen haben diesen Boom in ihren Prognosen lange nicht berücksichtigt. Nach den Planungen des Bundesverbands Solarwirtschaft sollten in Deutschland 2009 Anlagen mit einer Leistung von 682 Megawatt installiert werden - tatsächlich waren es mindestens 3000 Megawatt. Die Förderkosten explodierten entsprechend (siehe Kasten).


2010 dürfte sich dieser Trend fortsetzen. In der Vattenfall-Studie wird mit einem Zubau von weiteren 5000 Megawatt in diesem Jahr gerechnet - mit entsprechenden Folgen für den Strompreis. Experten kritisieren diese Entwicklung scharf. "Wir warnen seit Jahren vor den ausufernden Kosten der Solarförderung", sagt Bernd Schüssler von der unabhängigen Fachzeitschrift "Photon". Die Unternehmen hätten der Politik schon viel früher von selbst eine Förderkürzung anbieten sollen. Verbraucherschützer Krawinkel formuliert es noch drastischer: "Die Solarbranche hat die Zubauzahlen heruntermanipuliert", sagt er. "Jetzt begleichen die Bürger die Zeche."

Auch in der Koalition wird der Öko-Boom mit Sorge betrachtet. "Für die Industrie ist die Kostenexplosion bedenklich", sagt Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher und Energieexperte der CDU. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wird durch die hohe Öko-Abgabe gemindert, in einer ohnehin schwierigen Zeit."

Die betroffenen Firmen selbst fordern drastische Maßnahmen. Marc Tenbieg, Vorsitzender des Beirates vom Deutschen Mittelstandsbund sagt, die Solarförderung müsse drastisch gekappt werden. Er fordert zudem, den Zubau von Solaranlagen in Deutschland nach oben zu begrenzen. "Die Produktion von Solarmodulen hat eine industrielle Reife erreicht, die aufgrund von Skaleneffekten zu einem marktgerechten Preis führen müsste", sagt er. Eine unbegrenzte Förderung passe nicht mehr in die Zeit.

Bedroht der Solarboom die Akzeptanz für Ökostrom?

Die Politik ist sich dieser Probleme bewusst, denn die Kostenexplosion bedroht den Rückhalt in der Bevölkerung für Öko-Energien. "Steigen die Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen zu stark, droht die Akzeptanz von erneuerbaren Energien zu sinken", sagt FDP-Umweltexperte Horst Meierhofer.

Deutlicher formuliert: Die Solarbranche, die möglicherweise jahrelang überfördert worden ist, liegt nun den Bürgern massiv auf der Tasche - und nimmt über die Stromrechnung auch die Wind- und Biogasunternehmen mit in Geiselhaft.

Die FDP weist die Schuld dafür von sich: Die aktuelle Kostenexplosion gehe auf den Solarboom 2009 und in der ersten Hälfte des laufenden Jahres zurück, sagt Michael Kauch, der energiepolitische Sprecher der Liberalen. Für die Zukunft habe man vorgesorgt: Die zusätzliche Kappung der Solarförderung zum 1. Juli um 16 Prozent solle verhindern, dass die Kosten weiter explodieren.

CDU-Experte Pfeiffer stimmt dem zu, wenn auch zähneknirschend: "Die zusätzliche Förderkürzung zum 1. Juli liegt an der Untergrenze des Vertretbaren", sagt er. Aus diesem Grund müssen die Entwicklungen dieser Regelung bis zur Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, die zum 1. Januar 2012 in Kraft treten soll, genau beobachtet und die Förderbedingungen gegebenenfalls erneut angepasst werden."

Ob die zusätzliche Förderkürzung zum 1. Juli (Eckpunkte: siehe linke Spalte) die Explosion der Strompreise allerdings wirklich eindämmen kann, ist fraglich. Denn für weite Teile der Branche sind die Einschnitte deutlich geringer als es die Koalition kommuniziert. Die Kürzung bezieht sich nur auf Solarstrom, den die Anlagenbetreiber in die Energienetze einspeisen. Verbrauchen sie den Strom dagegen selbst, ist ihr finanzieller Nutzen deutlich größer.

Über dieses Schlupfloch können die Solarunternehmen ihren Kunden den Bau von Dachanlagen auch nach der Förderkürzung schmackhaft machen. Es ist davon auszugehen, dass der Zubau weiter steigt - und damit die Zahl der Anlagen, die in besonders stark gefördert werden. Die Zuschüsse werden bei Vertragsabschluss auf 20 Jahre garantiert.

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insgesamt 2358 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
28.04.2010 von ostap: Deswegen

Deswegen kann die Forderung nur sein: AKW sofort abschalten und den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energieressourcen maximal fördern. mehr...

27.04.2010 von Do Something:

Na, ich zahle lieber ein wenig mehr und habe ein gutes Gewissen. Diejenigen die Ihren Strom aus konventionellen Energien beziehen müssen ja auch das verantworten / bezahlen: [...] mehr...

17.04.2010 von joe-joe: Kern Message der Atomiker und Realität ...

Das verrückte an der Gier der EVUs ist ja, dass sie z.B. den "ProKlima"-Strom (http://www.stromvergleich.de/stromnachrichten/38-pro-klima-strom-erweist-sich-als-abzocke-10-1-2009) (ca. 66%Atom+34%Wasser) aus alten [...] mehr...

17.04.2010 von joe-joe:

Ach ja? Wenn ich *tagsüber, zur Hauptbedarfszeit PV-Strom* liefere, entlastet das nicht die Kraftwerke? Wenn *nachts, wo oft ein Stromüberschuss durch WKA vorhanden ist, oder (falls kein Wind) die notwendigen [...] mehr...

17.04.2010 von derweise: Solarförderung und Kohlesubventionen

Da wurde nun endlich die Kohlesubvention zurückgefahren (NRW hat mit dem Geld für die Kohlekumpels seine Zukunft ruiniert!), entsteht ein wesentlich größerer Subventionsbereich mit der Solarenergie. Alle Wirtschaftsbereiche und [...] mehr...

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Was Solarstrom kostet

Im Jahr 2009 gingen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt ans Netz. Dies entspricht 3.000.000 Kilowatt. Pro Kilowatt liegt der durchschnittliche Stromertrag - konservativ gerechnet - bei 900 Kilowattstunden im Jahr. Die Vergütung laut Erneuerbare-Energien-Gesetz ist für 20 Jahre garantiert. Sie beträgt - je nach Anlagengröße - 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde. Im Durchschnitt sind es rund 36 Cent.
Um die tatsächlichen Mehrkosten des Solarstroms zu ermitteln, muss man von diesem Wert den Börsenpreis für konventionellen Strom abziehen. Aktuell liegt dieser bei etwa 5 Cent pro Kilowattstunde, in den kommenden 20 Jahren dürfte er um jährlich fünf Prozent steigen. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Börsenpreis von 9 Cent je Kilowattstunde. Die Differenzkosten pro Kilowattstunde belaufen sich damit auf 36 Cent minus 9 Cent, also auf 0,27 Euro.
Damit lässt sich folgende Rechnung aufstellen: 3.000.000 kW * 900 kWh/kW pro Jahr * 20 Jahre * 0,27 Euro/kWh = 14,58 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Verbraucher müssen in den kommenden 20 Jahren mehr als 14 Milliarden Euro zahlen - wohlgemerkt: nur für die Anlagen, die 2009 ans Netz gingen. In heutigen Preisen entspricht dies einer Summe von 10,4 Milliarden Euro (bei einer großzügigen Abzinsung von jährlich vier Prozent).
Die entscheidende Größe ist dabei der Zubau neuer Solaranlagen im Jahr 2009, also 3000 Megawatt. Setzt man statt dieser tatsächlich erreichten Menge den Wert ein, den der Bundesverband Solarwirtschaft in seinen bisherigen Planungen angegeben hat - nämlich 682 Megawatt -, so ergeben sich abgezinste Gesamtkosten von lediglich 2,4 Milliarden Euro. Das heißt: Im Vergleich zur ursprünglichen Prognose müssen die Verbraucher gut viermal mehr zahlen.

Was sind Solarschulden?

Der Preis

Wer eine Solaranlage betreibt, darf seinen Strom unabhängig vom tatsächlichen Bedarf jederzeit ins Netz einspeisen. Die Vergütung wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt, im Jahr 2009 liegt sie für Dachanlagen bei rund 43 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Konventioneller Strom kostet an der Energiebörse rund acht Cent. Die Differenz, also die Mehrkosten, tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.

Die Laufzeit

Die Kosten

Der Schuldenberg


Eckpunkte der Solarförderung

Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 24 April 2010)

Dachanlagen

Eigenverbrauch

Ackerflächen

Freiflächen

Deckelung ab 2011

Deckelung ab 2012





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