Detroit/Düsseldorf - Der US-Autobauer General Motors (GM) schreibt auch nach überstandener Insolvenz rote Zahlen. Im Schlussquartal fiel unterm Strich ein Verlust von 3,4 Milliarden Dollar an. Der Umsatz lag bei 32,2 Milliarden Dollar.
GM war im vergangenen Jahr in die Insolvenz gerutscht, aus der das Unternehmen nur dank staatlicher Hilfe wieder herausfand. Der ehemals weltgrößte Autobauer schrumpfte bei seinem Neustart drastisch. Vergleiche mit den Vorjahreszahlen sind deshalb schwierig. In den Vorjahren hatte es teils zweistellige Milliardenverluste gegeben.
"Die Ergebnisse für 2009 zeigen, dass noch einige Arbeit zu tun ist", sagte GM-Finanzchef Chris Liddel am Mittwoch in Detroit. "Ich glaube allerdings weiterhin daran, dass wir eine Chance haben, 2010 Gewinn zu schreiben." Liddell machte Hoffnung darauf, dass der Hersteller in absehbarer Zeit seinen Börsengang wagen kann. Seit der Insolvenz gehört der Konzern dem Staat.
Harte Schrumpfkur
Eine verfehlte Modellpolitik und überbordende Kosten für Krankenversicherungen und Pensionen der Belegschaft hatten die einstige Ikone des US-amerikanischen Autobaus in den Ruin getrieben. Das neue Management strich Zehntausende Stellen, schloss ganze Werke und Marken und gewann die Kunden mit frischen Modellen zurück.
Tatsächlich zeigen sich nun erste Erfolge. Nach einem Absatzeinbruch von fast 30 Prozent im Gesamtjahr 2009 konnte GM in den ersten drei Monaten dieses Jahres wieder 17 Prozent mehr Autos verkaufen. Auch einen guten Teil seiner 8,4 Milliarden Dollar Schulden beim US-amerikanischen und kanadischen Steuerzahler hat der Konzern inzwischen beglichen. Die restlichen Raten sollen bis zum Juni überwiesen werden, versicherte Liddel.
Hohe Verluste bei GM Europe
Noch nicht gesichert ist dagegen die Zukunft der Tochter GM Europe, zu der auch Opel gehört. Sie verbuchte im vierten Quartal einen bereinigten Verlust von 814 Millionen Dollar, wie GM mitteilte. Mit in den Zahlen enthalten ist auch noch die angeschlagene schwedische Schwester Saab, die zu Jahresbeginn 2010 für 400 Millionen Dollar an den Sportwagenbauer Spyker verkauft wurde.
Liddell machte für das schlechte Abschneiden in Europa den schwierigen Automarkt verantwortlich. Trotz Abwrackprämien in mehreren Ländern habe das Geschäft unter der schwierigen Branchenlage gelitten - vor allem in Zentral- und Osteuropa.
Ein Opel-Sprecher betonte jedoch, die Finanzlage des Rüsselsheimer Autobauers sei gesichert. GM will im Zuge der Opel-Sanierung 1,9 Milliarden Euro über Kredite und Eigenkapital in die Tochter stecken. Zudem hat Opel in Europa Staatshilfen über 1,8 Milliarden Euro beantragt. 1,3 Milliarden davon sollen aus Deutschland kommen.
In der Debatte über die deutsche Milliardenbürgschaft drückt Opel nun aufs Tempo: "Wir erwarten bald eine Entscheidung", sagte Opel-Chef Nick Reilly am Mittwoch in Düsseldorf nach einem Treffen mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in Düsseldorf. Reilly zeigte sich zuversichtlich, dass der Konzern die Staatshilfen erhält. "Deutschland ist unser größter Standort in Europa." Derzeit würden letzte offene Fragen mit Bund und Ländern besprochen, sagte er. Sollte es zu den staatlichen Garantien in Höhe von 1,3 Milliarden Euro nicht kommen, wäre man "sehr enttäuscht".
FDP lehnt "Großbetriebsbonus" für General Motors ab
Reilly betonte zum wiederholten Mal, dass der Opel-Standort Bochum "ein sehr wichtiger Teil der langfristigen Zukunft" des Unternehmens sein werde. Bei den bisher genannten Zahlen zum Jobabbau bleibe es. Allein in Bochum sollen demnach 1800 von rund 5000 Opel-Arbeitsplätzen wegfallen.
Rüttgers erklärte erneut seine grundsätzliche Bereitschaft zu Opel-Staatshilfen im laufenden Bürgschaftsverfahren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp müsste das Land Nordrhein-Westfalen etwa zehn Prozent der gesamten Bürgschaftssumme aufbringen. Für den Bau des Opel-Elektroautos Ampera im Werk Bochum gab Reilly zwar keine Zusage. Dafür soll in dem Werk aber die nächste Zafira-Generation gebaut werden. "Damit ist der Standort Bochum langfristig sicher", sagte der NRW-Regierungschef.
Zu den offenen Punkten bei den Gesprächen über staatliche Garantien für den Autobauer zählt laut Presseberichten die Frage der Lizenzgebühren, die Opel an GM entrichten muss. Zudem muss nach Überzeugung deutscher Politiker eine Konstruktion gefunden werden, die sicherstellt, dass deutsche Staatshilfen im Ernstfall nicht an die USA abfließen würden.
Die NRW-FDP lehnt einen Sonderstatus für Opel grundsätzlich ab. "Opel Bochum unterliegt wie die anderen Produktionsstandorte der alleinigen unternehmerischen Verantwortung von GM. Deshalb müssen für einen Bürgschaftsantrag von GM nach Punkt und Komma dieselben Regeln gelten wie für jedes andere Unternehmen auch", sagte FDP-Fraktionschef Gerhard Papke. Die FDP werde darauf achten, dass es "keinen Großbetriebsbonus" für General Motors gibt.
lgr/dpa/Reuters/ddp
Auf anderen Social Networks posten:
Ja, es ist Wahlkampf. Allerdings gibt es eine Überproduktion an Fahrzeugen in Deutschland. Will sich die Politik jetzt in die Wirtschaft einmischen und Opel einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, nur um Stimmen zu erhalten? [...] mehr...
...... Das kommt dabei heraus, wenn ins freie Spiel der Kräfte, hier den Markt, gepfuscht wird. GM war, ist und bleibt ein maroder Bankrottkonzern. Eine Schande, den Steuerzahler für solche Minusunternehmen in Anspruch zu [...] mehr...
Merkel wird zur lachnummer wenn sie diesem versagerkonzern über die opelschiene geld in den hintern bläst. Sowas gehört eigentlich bestraft, nicht bezahlt. mehr...
Bis jetzt im einstelligen Bereich, wie lange noch? Die Deutsche Politik muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie GM eine Milliardenbürgschaft nachschmeißt. So etwas müsste Merkels sofortige Demission bedeuten. Aber [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema General Motors | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH