Ein Essay von Ernst Ulrich von Weizsäcker
Die Menschheit hat sich durch technischen Fortschritt unermesslichen Wohlstand geschaffen. Doch der ökologische Preis war hoch. Die industrielle Revolution und die mit ihr einhergehende rasante Bevölkerungsvermehrung haben dazu geführt, dass wir Menschen uns fast alles bewohnbare Land und die Ressourcen aus den letzten Winkeln der Welt nutzbar gemacht haben.
Dieses expansive Wachstum ist jetzt an seine Grenzen gekommen - die weitere technologische Entwicklung ohne klare ökologische Ausrichtung führt geradewegs in den Abgrund. Darum muss der Fortschritt grün werden.
Wenn wir das nicht respektieren, besteht die Gefahr, dass die Ökosysteme der Erde bis zu einem Punkt degenerieren, wo eine Erholung nicht mehr möglich ist. Steigt die Durchschnittstemperatur auf der Erde um drei bis sechs Grad, würde der Meeresspiegel gefährlich ansteigen, ganze Landstriche würden überschwemmt, andere würden durch den Klimawandel vertrocknen. Als Folge würden die Zerrüttung von Infrastruktur und Zivilisation, der Zerfall von Städten und Staaten, große Kriege, Seuchen und der Niedergang der Kultur immer wahrscheinlicher.
Doch nun kommt die gute Nachricht: Eine Verminderung der Umweltbelastung und eine höhere Effizienz des Ressourcenverbrauchs um jeweils den Faktor fünf ist machbar. Das wäre auch ein realistisches mittelfristiges Ziel für alle Länder der Erde - nicht nur der reichen, sondern auch der ärmeren. So ließen sich die Klimaziele erreichen, auf die man sich auf dem Klimagipfel in Kopenhagen nicht verständigen konnte.
Mit Passivhäusern Energie sparen
Von alleine kommt etwas so Ehrgeiziges aber nicht zustande. Wir müssen es wollen und aktiv herbeiführen. Damit sich genügend Akteure entsprechend engagieren, braucht man einen Beweis, dass die neue Fortschrittsrevolution auch technisch möglich ist. Diesen Beweis wollen meine Co-Autoren und ich im Buch "Faktor Fünf" führen. Darin gehen wir gerade die ökologisch "schwierigen" Wirtschaftssektoren frontal an: Schwerindustrie, Verkehr, Landwirtschaft und das Bauwesen. Tatsächlich gibt es überall Wege, wie eine Verfünffachung der Ressourcenproduktivität oder die Reduktion der Klimabelastung um 20 Prozent bei gleicher Wirtschaftsleistung erreicht werden kann. Das australische Autorenteam um Karlson "Charlie" Hargroves hat sich hierfür in Hunderte von Details hineingearbeitet und mehr als tausend Quellen überprüft.
Wir hoffen, dass eine neue, optimistischere Diskussion losgetreten wird, insbesondere in China. Dort wird zum Beispiel die Hälfte des weltweiten Zementbedarfs produziert. Und Zement ließe sich durch den Einsatz der in China reichlich vorhandenen Flugasche aus Kohlekraftwerken mit einem Fünftel des Energieaufwands herstellen. Oder: Gebäude in aller Welt können nach dem deutschen Passivhausstandard gebaut werden - das brächte eine Energieeinsparung bei höchstem Wohnkomfort um den Faktor zehn.
Die Wiederentdeckung organischer Kreisläufe in der Landwirtschaft käme dem Klima, dem Wasser und dem Artenschutz zugute. Und den Verkehr kann man nach Vorbildern in Japan oder der Schweiz umstrukturieren. Kommt dann noch das Supereffizienzauto von Amory Lovins dazu, gelingt auch im Straßenverkehr der Faktor fünf.
Die Wirtschaft muss umdenken
Populärer, aber pro eingesetztem Euro nicht ganz so wirksam wie die Effizienzsteigerung, sind die erneuerbaren Energien. Auch sie spielen für den Klimaschutz eine tragende Rolle. Doch die wilde Biospritexpansion in Brasilien und den USA zeigt, dass nicht alles gut ist, was sich "erneuerbar" nennt.
Zusätzlich muss ein Umdenken in der Wirtschaft stattfinden. Achim Steiner, der deutsche Exekutivdirektor des Uno-Umweltprogramms Unep, hat nach dem Ausbruch der Banken- und Wirtschaftskrise einen "Global Green New Deal" angeregt. Vorbild ist Präsident Roosevelts erfolgreicher "New Deal" der frühen dreißiger Jahre nach der großen Wirtschaftskrise in den USA. Inzwischen hat sich diese Idee zu einer "Green Economy Initiative" weiterentwickelt, bei der auch andere Uno-Organisationen - unter ihnen die Unido, die Uno-Industrieentwicklungsorganisation - mitmachen.
Die langfristige Perspektive ist ein sechster großer Wachstumszyklus, in Fortsetzung der fünf "Kondratjew-Zyklen" der vergangenen 200 Jahre. Das wäre ein neuer Zyklus mit Innovationen, der Ingenieure, Investoren und alle Völker der Länder ansteckt, so wie es mit der Eisenbahn, dem Strom, der Chemie, den Autos, dem Fernsehen oder dem Internet war. Nur läge die Faszination nicht in weiteren Eroberungen weißer Flecken auf der ökonomischen Landkarte. Vielmehr ginge es im "grünen" Kondratjew-Zyklus darum, aus dem lebensbedrohenden Keil, der Wirtschaft und Umwelt heute spaltet, einen heilenden Kitt zu machen.
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.... wers glaubt... http://www.focus.de/immobilien/bauen/tid-13372/passivhaus-rund-15-000-euro-mehrkosten_aid_370126.html und nach der neuen ENEV sollten sich die mehrkosten dann nochmal reduzieren: weniger als 20 Jahre - [...] mehr...
Ein gruener Kapitalismu wuerde, und das wissen die politischen Strategen natuerlich, die Grenzen des Wachstums im Gegensatz zu den Forderungen z.B. der gruenen Partei, scheinbar paradoxerweise, noch einmal hinausschieben. Als [...] mehr...
Wenn die permanenenten Effizienz- und Produktivitätssteigerungen nicht dazu dienen würden, eine ohnehin schon obszön reiche "Elite" weiter zu bereichern, sondern sie an die Wertschöpfenden weiter gegeben würden, dann [...] mehr...
Nun da hatte ihr VWL Professor schlicht und einfach unrecht. Tatsächlich ist es so, dass die Rechnung präsentiert wird, nur einige Zeit später, und die Reparation der Schäden fährt dann in die Gesamtbilanz sogar als [...] mehr...
Aufgeregt? Ich? Warum sollte ich das sein? Zur Erklaerung (da das anscheinend noetig ist): Ich hatte mich in meinem Beitrag ueber Ihren Beitrag lustig gemacht. Und wissen Sie was? Ich finde Ihren Beitrag immer noch [...] mehr...
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