Wirtschaft



ThemaMusikRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
18.04.2010
 

Karge Online-Einnahmen

Das Internet, ein Armenhaus für Musiker

Von Stefan Schultz

Apple-Chef Steve Jobs: Niedrige Tantieme für MusikerZur Großansicht
AP

Apple-Chef Steve Jobs: Niedrige Tantieme für Musiker

Viele Musiker hofften dank des Internets auf einen Geldsegen - doch laut einer neuen Studie sind die Einnahmen aus dem Online-Vertrieb lächerlich. Bei Plattformen wie Last.fm muss ein Song 1.546.667-mal gespielt werden, damit ein Künstler gerade mal den US-Mindestlohn erhält.

Hamburg - Als das Internet sich in der Welt ausbreitete, war die Euphorie in der Musikszene groß. Für Bands sah das Netz zunächst wie ein Gottesgeschenk aus. Es eröffnete neue Vertriebskanäle, über die auch unbekannte Künstler Zugang zum globalen Musikmarkt bekommen. Man hoffte auf die Demokratisierung der Kunst, auf einen Putsch gegen die großen Plattenlabels - und auf sprudelnde Gewinne.

Leider kam alles ganz anders als erhofft. In Online-Musikläden fließt viel weniger Geld als erwartet, und dieses fließt selten in die Taschen der Musiker. Das Internet ist jetzt nur noch "das Paradies, das es gegeben haben sollte", schrieb ein Blogger namens The Cynical Musician kürzlich. Sein Artikel ist eine bittere Abrechnung mit Online-Läden wie iTunes und mit Web-Radios wie Spotify und Last.fm.

Wie wenig sich im Netz verdienen lässt, zeigt eine Statistik auf der Seite Information is Beautiful. In mühsamer Kleinarbeit haben Mitarbeiter der Plattform die Vergütungsmodelle von Plattenfirmen, Internetradios und Online-Verkaufsportalen in den USA recherchiert. Sie haben ausgerechnet, wie viele Songs oder Alben ein Künstler über verschiedene Online-Vertriebskanäle jeweils verkaufen muss, um auf den monatlichen US-Mindestlohn von 1160 Dollar zu kommen (siehe Grafik unten).

Die Auswertung zeigt: Wer einen guten Plattenvertrag ergattert, verdient noch immer deutlich mehr, als wenn er seine Songs etwa über Apples virtuellen Musikladen iTunes verkauft.

12.399 MP3s für den Mindestlohn

In etwa ebenbürtig sind sich Offline und Online nur beim reinen Albenverkauf. Doch genau dieses Konsumentenverhalten hat insbesondere Apple mit seinem iTunes-Shop verändert. Seit man bequem jeden Song einzeln herunterladen kann, kaufen sich nur noch Hardcore-Fans das komplette Album, alle anderen begnügen sich mit wenigen MP3s. In Deutschland wurden 2009 nur rund 50 Prozent der Online-Umsätze durch den Verkauf von Alben erwirtschaftet. 40 Prozent entfielen nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie auf Einzelsongs.

Grafik von "Information is Beautiful": Schrumpfende Einnahmen im InternetZur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Grafik von "Information is Beautiful": Schrumpfende Einnahmen im Internet

Der Verkauf einzelner MP3s aber ist für Künstler mit Plattenvertrag keine lukrative Einnahmequelle - schon gar nicht über den iTunes-Store oder über den Online-Warenhändler Amazon. In beiden Fällen fressen Vertriebsgebühren den Gewinn fast völlig auf. Der Künstler verdient nur neun Cent pro Lied. Laut Information is Beautiful müssen die Songs eines Künstlers monatlich 12.399-mal heruntergeladen werden, damit er auf den US-Mindestlohn kommt.

Fairer ist da noch der Verkauf einzelner Songs über das Portal CD Baby. Der amerikanische Online-Händler vertreibt die Musik unabhängiger Musiker ohne Plattenvertrag. Einrichtungsgebühr und Tantieme sind gering, der Musiker erhält rund drei Viertel des Verkaufserlöses. Dafür ist die Reichweite des Dienstes deutlich geringer als die von iTunes oder Amazon.

1160 Dollar für 1.546.667 Streams

Noch schlechter ergeht es Musikern, die ihre Songs über Internetradios vertreiben. Die zahlen registrierten Künstlern zwar jedes Mal etwas, wenn sie einen ihrer Songs spielen - aber nur den Bruchteil eines Cents. Um beispielsweise über Last.fm den US-Mindestlohn einzunehmen, müssten die Songs eines Künstlers 1.546.667-mal abgerufen werden - pro Monat.

Das aber schaffen nur die ganz großen Stars. So wurden die Songs von Madonna laut Last.fm-Statistik insgesamt rund 54 Millionen Mal gespielt - über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg. Bekannte Künstler wie die Teenierocker Tokio Hotel (rund 10,9 Millionen Abrufe) oder der französische House-Produzent Laurent Garnier (rund 1,2 Millionen Abrufe) dagegen verdienen im Internetradio nur Peanuts.

Der Cynical Musician richtet angesichts solcher Zahlen einen frustrierten Appell an die Netzgemeinde: Der Verkauf von Musik, schrieb er, sei als Einnahmequelle für den Künstler mehr und mehr untauglich.

Was der Musikzyniker nicht erwähnt, ist die gewaltige Marketingmacht, die das Internet bisweilen entfesselt. Soziale Netzwerke wie Facebook oder MySpace, Web-Radios wie Last.fm oder Spotify, Netlabels wie Audioactivity oder Minusn haben einen großen, nichtmateriellen Vorteil: Sie helfen unbekannten Musikern dabei, ihre Fangemeinde zu vergrößern.

Das Netz hat schon Rockstars geschaffen: Künstler wie die Arctic Monkeys, die in sozialen Netzwerken auf Fanfang gingen. Sie veröffentlichten Demoversionen ihrer Debütsongs auf Plattformen wie MySpace und auf der eigenen Homepage. Und traten eine Online-Bewegung los.

Der Hype war so groß, dass die Band bei Konzerten in England riesige Stadien füllte. Ganz ohne Plattenvertrag.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 171 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.05.2010 von halo7: motorpsycho aka Oh Johnny

@motorpsycho Deine Beiträge sind für alle Leute die mit Musik arbeiten einfach nur ärgerlich, weil Du nicht über die Konsequenzen Deiner persönlichen Einstellung nachdenkst. Es gibt ja wirklich mit 1 Mio Demos auf youtube eine [...] mehr...

23.04.2010 von Celegorm: ...

Ich denke nicht, dass wirklich jemand diese generelle Haltung vertritt, zumindest niemand, der Musik intensiv konsumiert und dementsprechend ja als Unterhaltung schätzt. Das Argument in dem Vorwurf zielt deshalb primär auf den [...] mehr...

23.04.2010 von Kokeldil: Kulturindustrie

Ich persönlich glaube ja, dass ALLES was irgendwie im Überfluss vorhanden ist von den Menschen als nicht allzu wichtig empfunden wird. Allerdings glaube ich auch, dass jeder hier, dessen Meinung Sie unter Ihr obiges statement [...] mehr...

23.04.2010 von stephubik: Die Realität sieht anders aus

Mag sein, dass ich einiges von Ihren Aussagen in den falschen Hals gekriegt habe. In der Tat glaube ich aber, dass wir aneinander vorbeireden (und das auch weiterhin tun würden) weil wir von vollkommen anderen Grundvoraussetzungen [...] mehr...

22.04.2010 von Motorpsycho:

Sie verdrehen hier rein logisch meine Aussage in etwas, das ich überhaupt nicht gesagt habe. Meine Aussage war, dass, wenn Sie von niemandem beauftragt wurden, auch keine Garantie haben, für Ihre Arbeit, bzw. genauer, für das [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Musik

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Grafik: CO2-Ersparnis von MP3sZur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Grafik: CO2-Ersparnis von MP3s


Online-Musik: Was an Spotify innovativ ist

Angebot

Das Angebot ist überraschend groß - alle wichtigen Plattenfirmen (Universal, Sony BMG, EMI, Warner), viele kleinere Label, sind dabei. Allerdings ist Spotify bisher nur in sieben Ländern offiziell nutzbar, nicht aber in den USA und auch nicht in Deutschland.

Design

Geschwindigkeit

Freiheit

Playlisten

Die bekanntesten Netzwerke

Facebook

Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook derzeit 600 Millionen aktive Mitglieder weltweit.(Stand: Januar 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite...

WKW

MySpace

Xing

StudiVZ

Lokalisten

Spin.de






TOP



TOP