Von Stefan Schultz
Hamburg - Als das Internet sich in der Welt ausbreitete, war die Euphorie in der Musikszene groß. Für Bands sah das Netz zunächst wie ein Gottesgeschenk aus. Es eröffnete neue Vertriebskanäle, über die auch unbekannte Künstler Zugang zum globalen Musikmarkt bekommen. Man hoffte auf die Demokratisierung der Kunst, auf einen Putsch gegen die großen Plattenlabels - und auf sprudelnde Gewinne.
Leider kam alles ganz anders als erhofft. In Online-Musikläden fließt viel weniger Geld als erwartet, und dieses fließt selten in die Taschen der Musiker. Das Internet ist jetzt nur noch "das Paradies, das es gegeben haben sollte", schrieb ein Blogger namens The Cynical Musician kürzlich. Sein Artikel ist eine bittere Abrechnung mit Online-Läden wie iTunes und mit Web-Radios wie Spotify und Last.fm.
Wie wenig sich im Netz verdienen lässt, zeigt eine Statistik auf der Seite Information is Beautiful. In mühsamer Kleinarbeit haben Mitarbeiter der Plattform die Vergütungsmodelle von Plattenfirmen, Internetradios und Online-Verkaufsportalen in den USA recherchiert. Sie haben ausgerechnet, wie viele Songs oder Alben ein Künstler über verschiedene Online-Vertriebskanäle jeweils verkaufen muss, um auf den monatlichen US-Mindestlohn von 1160 Dollar zu kommen (siehe Grafik unten).
Die Auswertung zeigt: Wer einen guten Plattenvertrag ergattert, verdient noch immer deutlich mehr, als wenn er seine Songs etwa über Apples virtuellen Musikladen iTunes verkauft.
12.399 MP3s für den Mindestlohn
In etwa ebenbürtig sind sich Offline und Online nur beim reinen Albenverkauf. Doch genau dieses Konsumentenverhalten hat insbesondere Apple mit seinem iTunes-Shop verändert. Seit man bequem jeden Song einzeln herunterladen kann, kaufen sich nur noch Hardcore-Fans das komplette Album, alle anderen begnügen sich mit wenigen MP3s. In Deutschland wurden 2009 nur rund 50 Prozent der Online-Umsätze durch den Verkauf von Alben erwirtschaftet. 40 Prozent entfielen nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie auf Einzelsongs.
Der Verkauf einzelner MP3s aber ist für Künstler mit Plattenvertrag keine lukrative Einnahmequelle - schon gar nicht über den iTunes-Store oder über den Online-Warenhändler Amazon. In beiden Fällen fressen Vertriebsgebühren den Gewinn fast völlig auf. Der Künstler verdient nur neun Cent pro Lied. Laut Information is Beautiful müssen die Songs eines Künstlers monatlich 12.399-mal heruntergeladen werden, damit er auf den US-Mindestlohn kommt.
Fairer ist da noch der Verkauf einzelner Songs über das Portal CD Baby. Der amerikanische Online-Händler vertreibt die Musik unabhängiger Musiker ohne Plattenvertrag. Einrichtungsgebühr und Tantieme sind gering, der Musiker erhält rund drei Viertel des Verkaufserlöses. Dafür ist die Reichweite des Dienstes deutlich geringer als die von iTunes oder Amazon.
1160 Dollar für 1.546.667 Streams
Noch schlechter ergeht es Musikern, die ihre Songs über Internetradios vertreiben. Die zahlen registrierten Künstlern zwar jedes Mal etwas, wenn sie einen ihrer Songs spielen - aber nur den Bruchteil eines Cents. Um beispielsweise über Last.fm den US-Mindestlohn einzunehmen, müssten die Songs eines Künstlers 1.546.667-mal abgerufen werden - pro Monat.
Das aber schaffen nur die ganz großen Stars. So wurden die Songs von Madonna laut Last.fm-Statistik insgesamt rund 54 Millionen Mal gespielt - über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg. Bekannte Künstler wie die Teenierocker Tokio Hotel (rund 10,9 Millionen Abrufe) oder der französische House-Produzent Laurent Garnier (rund 1,2 Millionen Abrufe) dagegen verdienen im Internetradio nur Peanuts.
Der Cynical Musician richtet angesichts solcher Zahlen einen frustrierten Appell an die Netzgemeinde: Der Verkauf von Musik, schrieb er, sei als Einnahmequelle für den Künstler mehr und mehr untauglich.
Was der Musikzyniker nicht erwähnt, ist die gewaltige Marketingmacht, die das Internet bisweilen entfesselt. Soziale Netzwerke wie Facebook oder MySpace, Web-Radios wie Last.fm oder Spotify, Netlabels wie Audioactivity oder Minusn haben einen großen, nichtmateriellen Vorteil: Sie helfen unbekannten Musikern dabei, ihre Fangemeinde zu vergrößern.
Das Netz hat schon Rockstars geschaffen: Künstler wie die Arctic Monkeys, die in sozialen Netzwerken auf Fanfang gingen. Sie veröffentlichten Demoversionen ihrer Debütsongs auf Plattformen wie MySpace und auf der eigenen Homepage. Und traten eine Online-Bewegung los.
Der Hype war so groß, dass die Band bei Konzerten in England riesige Stadien füllte. Ganz ohne Plattenvertrag.
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@motorpsycho Deine Beiträge sind für alle Leute die mit Musik arbeiten einfach nur ärgerlich, weil Du nicht über die Konsequenzen Deiner persönlichen Einstellung nachdenkst. Es gibt ja wirklich mit 1 Mio Demos auf youtube eine [...] mehr...
Ich denke nicht, dass wirklich jemand diese generelle Haltung vertritt, zumindest niemand, der Musik intensiv konsumiert und dementsprechend ja als Unterhaltung schätzt. Das Argument in dem Vorwurf zielt deshalb primär auf den [...] mehr...
Ich persönlich glaube ja, dass ALLES was irgendwie im Überfluss vorhanden ist von den Menschen als nicht allzu wichtig empfunden wird. Allerdings glaube ich auch, dass jeder hier, dessen Meinung Sie unter Ihr obiges statement [...] mehr...
Mag sein, dass ich einiges von Ihren Aussagen in den falschen Hals gekriegt habe. In der Tat glaube ich aber, dass wir aneinander vorbeireden (und das auch weiterhin tun würden) weil wir von vollkommen anderen Grundvoraussetzungen [...] mehr...
Sie verdrehen hier rein logisch meine Aussage in etwas, das ich überhaupt nicht gesagt habe. Meine Aussage war, dass, wenn Sie von niemandem beauftragt wurden, auch keine Garantie haben, für Ihre Arbeit, bzw. genauer, für das [...] mehr...
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